Gardelegen l Nein, es sind nicht die spektakulären Fälle, nicht die große Kriminalität. Ihnen erzählen die Menschen aber, wo sie der Schuh drückt: Wenn Polizeioberkommissar Henry Rosner und Polizeihauptmeister Lutz Richter unterwegs sind, hören sie zu.

Raserei ist oft Thema

Und so war das ja auch gedacht: Mitte 2014 wurden überall in den Einheits- und Verbandsgemeinden im Bundesland Regionalbereichsbeamte installiert. Die Polizei sollte wieder näher an die Bevölkerung rücken, Präsenz zeigen und Sicherheit vermitteln, hatte sich Innenminister Holger Stahlknecht gewünscht. Rosner und Richter wurden es in Gardelegen. Und mittlerweile kennt man die beiden Beamten. Mittlerweile gibt es ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und vielen Bürgern.

Und das hat auch damit zu tun, dass sie deren Sorgen ernst nehmen. Am meisten haben die in Gardelegen übrigens mit dem Verkehrsgeschehen zu tun, betont Rosner. „Der Wunsch nach einer Geschwindigkeitskontrolle in der eigenen Straße oder im Ortsteil wird am häufigsten an uns herangetragen.“ Und den geben die beiden dann natürlich weiter. So manche Verkehrskontrolle hat das den Kraftfahrern schon eingebracht – auch wenn die Kollegen nur auf ein subjektives Empfinden hin natürlich nicht ständig kontrollieren könnten, schränkt Rosner ein. Doch zuweilen sei eben wirklich was dran. Und es sei gut, wenn solche Tipps aus der Bevölkerung kommen.

Allerdings: Nicht alles, was die Bürger ärgert, gehöre auch in den Bereich der Polizei. „Wenn der Hund vom Nachbarn zum Beispiel ständig bellt oder irgendwo illegal Müll abgeladen wurde, dann geben wir das lediglich ans Ordnungsamt weiter“, sagt Rosner. Aber das sei kein Problem. „Wir arbeiten ja immer eng mit der Verwaltung zusammen.“

Und vieles hören die beiden Beamten ohnehin beim Sprechtag im Gardeleger Rathaus. Dort sind sie regelmäßig im Vorraum des Standesamtes unter den Kolonnaden zu finden. Ein Schild steht dann vor der Tür – eine Idee der Bürgermeisterin. Gemeinsam mit der Stadt wurde es angefertigt. Ein echter Blickfang, „zumal die jungen Kollegen auf dem Bild deutlich besser aussehen als wir“, sagt Rosner schmunzelnd.

Auch Sicherheit ist gefragt

Wenn gerade kein Bürger ins Sprechzimmer kommt, dann gehen die beiden raus, unter die Menschen. Dann gibt es viele Gespräche, auch wenn es manchem zuweilen auch nur darum geht, „mal Dampf abzulassen“. So wie neulich: Eine ältere Dame hatte sich beim Sprechtag ordentlich Luft gemacht – über ihre Nachbarn. „Jetzt geht‘s mir besser“, versicherte sie anschließend. „Und das“, so Rosner, „ja schließlich auch eine Art Konfliktbewältigung“, selbst wenn daraufhin höchstens der Hinweis erfolgt, wo die Schlichtungsberatungsstelle zu finden ist. „Denn man muss ja nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen.“

Und was bewegt die Menschen noch? Sicherheit, sagt Lutz Richter, sei ein wichtiger Punkt. So mancher Anruf oder Besuch dreht sich um das Thema. Besonders, wenn irgendwo häufiger eingebrochen werde, gebe es viele Nachfragen. „Dann fahren wir auch schon mal raus und beraten die Leute.“ Ein Einsatzwagen, „der kleinste im Fuhrpark“, steht den Regionalbereichsbeamten stets zur Verfügung.

Den brauchen die zwei aber auch, um ihren Kollegen zur Seite zu stehen. Denn natürlich sind Rosner und Richter nicht ständig nur beratend oder repräsentativ, sondern auch ganz handfest im Einsatz unterwegs, sichern den Funkverkehr oder die Aufnahme von Anzeigen und Unfällen ab, ebenso wie Demonstrationen oder Gerichtsverhandlungen. Kürzlich gab es bei einer solchen Verhandlung gleich noch einen Nebeneffekt: Direkt am Gericht fuhr ein Auto entlang. Drin ein „altbekannter Fahrer ohne Führerschein“. Der durfte dann natürlich nicht weiterfahren, auch wenn diese Verkehrskontrolle nicht eingeplant war.

Doppel-Ringe ausgeliehen

Die hübscheste Geschichte in ihrer Laufbahn ist übrigens noch gar nicht so lange her: „Im vergangenen Jahr war das. Wir waren zufällig auf dem Markt, ein Paar wollte im Rathaus heiraten, und er hatte die Ringe vergessen.“ Spontan stellten Richter und Rosner leihweise ihre Ringe zur Verfügung, „die, die schon zusammenhängen.“ Ein Einsatz, den das amüsierte Pärchen dank vieler Handschellen-Fotos sicher nie vergisst. Auch das ist Bürgernähe. Am kommenden Dienstag, 10. April, sind die beiden Regionalbereichsbeamten wieder von 10 bis 13 Uhr im Vorraum des Standesamtes anzutreffen.