Zethlingen l Der Trend geht immer stärker zu sogenannten pflegearmen Gräbern. Auch die Kirche als Träger von Friedhöfen muss auf die steigende Nachfrage reagieren.

In Zethlingen wird dabei aber nun Neuland betreten. Dort gibt es ab sofort – die Veröffentlichung im Amtsblatt ist vor wenigen Tagen erfolgt – die Möglichkeit, sich auf einem sogenannten Rasengrab bestatten zu lassen. Doch was heißt das eigentlich?

Die Urne wird unter einer Steinplatte beigesetzt, auf der wiederum ein Grabmal steht. Die Platte kann problemlos mit einem Rasenmäher umfahren werden, weil es keine weitere Umrandung gibt. Sie bietet allerdings, im Vergleich zu sogenannten Gemeinschaftsgrabanlagen, auch die Möglichkeit, darauf eigenen Grabschmuck abzulegen.

Bereits jetzt kann sich in Zethlingen jeder Interessent ein Bild davon machen, wie das dann künftig aussehen könnte. Denn Steinmetzmeister Jens Eichenberg und seine Mitarbeiter haben in Abstimmung mit dem zuständigen Kirchspielrat vier verschiedene Grabmale ohne Gravur aufgestellt, die als Anschauungsobjekte dienen sollen. Es sind aber auch andere Gestaltungsvarianten und natürlich das Ordern bei anderen Unternehmen möglich.

„Wichtig ist“, so Jens Eichenberg, „dass es sich hier um individuelle Grabmale handelt.“ Ganz anders als bei Gemeinschaftsanlagen. Dass er von diesen nicht sehr viel hält, daraus macht der Steinmetzmeister, der für seine Landesinnung im Arbeitskreis Friedhöfe tätig ist und dort mit Kollegen nach Lösungswegen für die Herausforderungen der Zukunft sucht, keinen Hehl.

Kulturgut Friedhof zu erhalten

„Wir müssen die Bestattungskultur modifizieren und sie an die demografische Entwicklung anpassen – aber wir müssen sie auch erhalten“, sagt Eichenberg und fügt hinzu: „Wir sollten unsere Friedhöfe wieder mehr als Gut statt als Last empfinden.“

Angehörige müssten auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich dort an Verstorbene zu erinnern. „Und jeder Mensch ist ein Individuum.“ Deshalb seien individuell gestaltete, aber pflegearme Grabmale eine sehr gute Alternative zu anonymen beziehungsweise zu halbanonymen Gräbern mit kleinen Namensschildern an Stelen. „Damit ist der Mensch als Individuum nicht erkennbar“, meint Eichenberg, der es bedenklich findet, dass auch immer mehr kirchliche Friedhofsträger diese halbanonyme Bestattungsform, die ja nicht automatisch deutlich kostengünstiger ist, anbieten.

Dass es auch noch andere Lösungsmöglichkeiten gibt, zeigt das Beispiel der Gemeinschaftsurnengrabanlage inklusive Sitzbank in Badel. Etwas ähnliches ist laut Eichenberg auch in Kalbe vorgesehen. In einigen niedersächsischen Gemeinden sei dies ebenfalls gang und gäbe, so der aus der Milde-Stadt stammende Unternehmer, der auch Kunden außerhalb der Altmark betreut.