Reden und Rapmusik gegen Kriegseinsätze und rechte Gewalt

02.04.2013, 17:45

Dolle l Etwa 300 Demonstranten folgten am Ostermontag dem Aufruf der Bürgerinitiative Offene Heide zum Ostermarsch 2013 und zum 237. Friedensweg für eine ausschließlich zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide. In Dolle protestierten die Teilnehmer gegen rechten Terror, gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland und vor allem gegen die geplante Übungsstadt Schnöggersburg auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr.

Hauptredner Pflüger findet Bau der Übungsstadt zynisch

Unweit vom Ziel der Ostermarschierer, dem Mahnmal für Opfer des faschistischen Terrors in Dolle, plant die Bundeswehr im Heidewald den Bau einer mehr als 100 Millionen Euro teuren Übungsstadt.

"Es ist zynisch, das einst von den Nazis geschliffene Dorf Schnöggersburg als Übungsstadt für Kriegseinsätze wieder auferstehen zu lassen", betonte Hauptredner Tobias Pflüger, Mitglied im Bundesvorstand der Partei Die Linke. Er bezeichnete Schnöggersburg als "Symbol für die Kriegsführung Deutschlands"."Jeder Bundeswehrsoldat, der ins Ausland geht, wird hier darauf vorbereitet. Erst war es die Übernahme des Truppenübungsplatzes durch die Bundeswehr, dann kam das Gefechtsübungszentrum und jetzt kommt Schnöggersburg. In die militärischen Anlagen in der Colbitz-Letzlinger Heide wird mit Schnöggersburg mehr als eine Milliarde Euro geflossen sein. Es gibt wahrlich bessere Ideen, das Geld zu verwenden - etwa für das riesige touristische Potenzial der Heide. Hier entsteht auf 6,5 Quadratkilometern für bisher geplante 109 Millionen - und es werden noch mehr - eine Übungsstadt mit Reichen- und Elendsvierteln, mit einem Fluss und sogar einer U-Bahn. Wofür eine U-Bahn?", fragte Pflüger und mutmaßte: "Hier wird Aufstandsbekämpfung auch nach innen geprobt."

Esther Bejarano steht mit Rap-Band auf der Bühne

Pflüger prognostizierte "in vier, fünf Jahren" das Üben mit Kampfdrohnen (unbemannte Kampfflieger) in der Colbitz-Letzlinger Heide und warnte vor einer dann zu erwartenden Lärmbelästigung für die Anrainer. "Die Bundesregierung denkt über die Anschaffung dieser menschenverachtenden Kampftechnik nach, nur will sie das nicht vor der Bundestagswahl thematisieren. Wir werden das thematisieren. Ich wette heute darauf, dass die Drohnen-Übungen kommen. Ich würde diese Wette gern verlieren", sagte Pflüger, "das Üben von Angriffskriegen ist ein Bruch des Grundgesetzes."

Der Magdeburger Kabarettist Lars Johansen unterstützte das Anliegen des Ostermarsches und die Ziele der Offenen Heide. Satirisch nahm Johansen die Pleiten der deutschen Geheimdienste bei der Aufklärung des NSU-Morde sowie die Pläne von Schnöggersburg auf die Schippe.

Gegen rechten Terror und für Gewaltfreiheit machten sich auf der Bühne die Kölner Rap-Band "Microphone Mafia" und die 87-jährige Esther Bejarano stark. Esther Bejarano gehört zu den letzten Überlebenden des Mädchenorchesters des Konzentrationslagers Auschwitz.

Mit Friedensliedern und eigenen Songs rockten Band-Frontmann Kutlu Yurtseven und Esther Bejarano die Demonstrationsbühne. Einfühlsam und fordernd riefen sie zu Zivilcourage im Kampf gegen Rassismus und Krieg auf. Die Friedensaktivisten aller Generationen tobten vor Zustimmung.