Sichau l Und wieder wurde eine Stele auf dem Reformationsradweg eingeweiht, den der Verein Ipse excitare ins Leben rief. In der Sichauer Kirche trafen sich die Gemeindeglieder, um ihre Aufnahme als Station auf dieser besonderen Wanderroute zu feiern.

Zwar war im Jahr 1517 „das Fahrrad noch gar nicht erfunden“, erinnerte Pfarrerin Cornelia Gerlitz, das sei erst 300 Jahre später passiert. Und doch: Hätte er heute gelebt, Luther wäre ganz sicher nach Sichau geradelt. Davon war sie überzeugt: Der Reformator hätte sicher gesagt: „Gebt mit ein Fahrrad, ich fahre herum.“ Und angesichts der tollen Stelen mit seinen Thesen, der Lutherrose und der Bank zum Verweilen vor den Kirchen, hätte der, den alle Welt nur als ernst blickenden Kirchenmann kennt, „ganz sicher auch gelächelt“, sei sie sicher. Und zwar ebenso fröhlich wie der Luther, den die Spielzeugfirma Playmobil im vergangenen Jahr aufgelegt hatte. Die Erstauflage von 34.000 Stück sei innerhalb von 72 Stunden vergriffen gewesen, erzählte Gerlitz. Insgesamt waren mehr als 100.000 der rund sieben Zentimeter großen Figuren verkauft worden.

Sein Lied singen

Eine davon hatte Gerlitz gestern mitgebracht und sie auf den Rand des Taufbeckens gestellt. So konnte der kleine Spielzeugreformator zunächst hören, dass die Christen auch nach 500 Jahren sein Lied singen. Denn natürlich hatte Gerlitz „Ein feste Burg ist unser Gott“ in den Gottesdienst integriert. Und kurz darauf durfte er beobachten, wie sich die Gemeindeglieder aus Sichau unter luftigem Blätterdach neben der Kirche zu einem gemütlichen Brunch zusammensetzten, gleich bei der neuen Stele.

Ausgesucht hatte sich die Sichauer übrigens die 20. der 95 Lutherthesen: „Du bist anders und das ist mein Glück: Ich bin nur, weil wir sind.“

Ein Text, wie viele andere Lutherzitate, über die sich lohne, mal nachzudenken, fand die Pfarrerin.