Gardelegen l In den bundesweit 500 Tierheimen, die im Deutschen Tierschutzbund organisiert sind, werden jedes Jahr in den Sommermonaten zirka 20 000 Tiere aufgenommen, die ausgesetzt oder auch direkt abgegeben werden, weil sie nicht in die Urlaubsplanung ihrer Besitzer passen.

Urlaub schon vor Tierkauf überlegen

Eine unfassbar große Zahl, die Gisela Kürten vom Tierschutzverein Gardelegen nennt. „Zum Glück hatten wir bisher in Gardelegen noch keinen solchen Fall, es sei denn, die kleine Hündin, die vor einigen Wochen an der B 71 angebunden gefunden wurde, war so ein Urlaubsopfer“, so Kürten (Volksstimme berichtete). Die polizeilichen Ermittlungen hätten aber bisher nichts ergeben. Mittlerweile haben die Tierschützer auch schon ein sehr schönes Zuhause für sie gefunden.

Aus diesem Grund, so Kürten, sollte man die Frage nach der Urlaubsgestaltung auf jeden Fall bereits vor der Anschaffung eines Hundes oder einer Katze gut bedenken. Katzen bleiben zudem besser zu Hause. „Sie mögen“, wie die Tierschützerin weiß, „keine Ortsveränderung und reagieren dann unter Umständen mit Stressreaktionen.“ Am besten werde die Mieze zu Hause versorgt, zum Beispiel durch Nachbarn oder Familienangehörige.

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Falls keinerlei Möglichkeit einer Heimbetreuung besteht, kann das Tier auch im Gardelegener Tierheim an der Lüffinger Landstraße als Pensionstier abgegeben werden. Der Preis für die Betreuung einer Katze beträgt zehn Euro, bei zwei Samtpfoten acht Euro pro Tag. Für Hunde werden 15 Euro pro Tag berechnet.

Hunde können aber meist problemlos mit in den Urlaub genommen werden, wenn Tiere am Urlaubsort erlaubt sind. „Sie möchten vor allen Dingen mit ihren Menschen zusammen sein, egal wo“, erläutert die Tierschützerin. Für Bello sei es am schönsten, wenn er mitkommen könne. Manche Hunde setzen sich sogar demonstrativ in den Koffer, wenn gepackt wird.

Krankheitsgefahr für Hunde

Auf jeden Fall sollte aber ein Urlaub mit Vierbeiner sorgfältig geplant werden, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Flugreisen allerdings sollte man Hunden generell nicht zumuten. „Es sei denn, der Hund ist so klein, dass er in der Kabine mitfliegen kann“, so Kürten.

In südlichen Ländern bestehe zudem die Gefahr, dass der Hund sich eine der sogenannten „Mittelmeer-Krankheiten“, wie zum Beispiel Leishmaniose oder Babesiose, zuzieht, die meist durch Sandmücken übertragen werden. Falls der Hund in solche Länder mitgenommen werden soll, sollte unbedingt der Tierarzt rechtzeitig wegen einer wirksamen Prophylaxe-Strategie befragt werden.

 „Für alle Reisen ins Ausland muss der Hund gechipt sein und benötigt den blauen EU-Heimtierausweis.“ Darauf macht Kürten explizit aufmerksam. Außerdem seien die Einreise-Bestimmungen im Urlaubsland zu beachten.

Praktisch überall werde eine gültige Tollwut-Impfung verlangt. In Norwegen beispielsweise ist laut Kürten auch eine Wurmkur in den ersten zwei Tagen nach Einreise durch einen norwegischen Tierarzt vorgeschrieben.

Viele Länder untersagen bestimmten Rassen die Einreise, zum Beispiel die, die unter dem Begriff Kampfhunde eingeordnet werden. In die Schweiz dürfen zudem kupierte Hunde nicht einreisen. Große Vorsicht sei auch in Dänemark geboten. Hier ist, wie Kürten erläutert, die Polizei beziehungsweise der Zoll berechtigt, Hunde, deren Phänotyp einem „Kampfhund“ ähnelt, zu beschlagnahmen.

Da könne es schon reichen, dass der Hund eine breite Brust oder ein gestromtes Fell habe. Der Besitzer hat dann fünf Tage Zeit, um nachzuweisen, dass es sich nicht um eine solche Rasse oder einen entsprechenden Mischling handelt. Das sei beispielsweise durch einen Abstammungsnachweis möglich. Gelinge das nicht, werde der Hund eingeschläfert.

Auch vor Ort gibt es unterschiedliche Bestimmungen, wie zum Beispiel Leinen- oder Maulkorbzwang in öffentlichen Verkehrsmitteln und ähnliches. Deshalb rät Kürten jedem, sich vorab im Internet zu informieren. Manchmal sei es auch nicht so einfach, ein Hotel oder eine Ferienwohnung zu finden, in die man einen Hund mitbringen dürfe.

In zurückliegenden Jahren habe sich aber in dieser Hinsicht einiges getan, schätzt Kürten ein. Die Vermieter in den Urlaubsgebieten reagieren zunehmend darauf, dass viele Menschen ihren „besten Freund“ im Urlaub dabei haben wollen. Aber man müsse vorher gut planen. Spontane Reisen nach dem Motto, „Wir übernachten dort, wo es uns gefällt“, seien mit Hund nicht ratsam.