Berge l Sie lenkt den Blick auf die schönsten Details. Auf das Charaktergesicht des Josef zum Beispiel, der da mit dem Himmelstorschlüssel in der Hand mit nachdenklichem Blick über der Empore von oben auf die Besucher herabschaut. Josef nämlich hat „richtige kleine Bäckchen“, versichert Helma Groll. Und „echte Porträts“, nicht nur irgendwelche Standardmotive, seien auch all die anderen die Heiligen und Apostel dort oben an der Kirchendecke.

Und sie muss es wissen. Denn sie war ihnen schließlich ganz nah in den vergangenen Monaten. Stück für Stück hatte die Gardeleger Restauratorin Teile der Abbildungen wieder festgeklebt. „Unglaublich, dass man Malereien in so ungeahnter Qualität in dieser kleinen Dorfkirche findet.“ Solcher Reichtum müsse unbedingt für die kommenden Generationen erhalten werden, schwärmt sie und steckt mit ihrer Begeisterung irgendwie jeden an, der in ihrer Nähe steht.

Voller Liebe zum Detail

„Schauen Sie, wenn man heute in eine Kunstausstellung geht, kann man manchmal gar nicht erkennen, um was es geht“, sagt sie augenzwinkernd. Und das könne den Betrachtern in Berge auf jeden Fall nicht passieren. Denn hier seien Darstellungen voller Liebe zum Detail entstanden.

Zudem sind die Tafelmalereien an der Berger Kirchendecke schon rund 400 Jahre alt.

Wer sie einst schuf, ist nicht überliefert. Und auch nicht, woher die Künstler stammten. Möglicherweise seien sie aus Italien gekommen. „Das sind aber Vermutungen“, betont Groll. Sicher sei nur, dass mindestens drei verschiedene Künstler Hand anlegten. „Bei manchen, die besser erhalten sind, erkennt man das daran, wie der Strich ist.“

Apropos Strich, an dem sei selbstverständlich nichts verändert worden, betont die studierte Restauratorin. Die Berger Gemeinde hätte zwar gern, „dass wieder alles zu erkennen ist“, das allerdings verbiete sich von selbst: „Restauratoren haben einen Ehrenkodex. Wir dürfen nichts hinzufügen.“

Vor allem gehe es ums Untersuchen, um das Analysieren der Ursachen, die zur Schädigung geführt hätten, um Dokumentation und Konservierung, „und nur ganz selten um eine Restaurierung.“

Und so können die Besucher der Berger Kirche am Sonntag sicher sein, dass sie das Original anschauen.

Den Rest darf die Fantasie hinzufügen.