Gardelegen l Jetzt ist er wieder schick, der Mann, der sich mit erhobenem Haupt aus Ketten befreit. Ein „Schönheitschirurg“ hatte jetzt Hand angelegt und dem Mann aus Stein wieder ein Gesicht verpasst. Das VdN-Denkmal wurde im Auftrag der Stadt saniert. Die Arbeiten hatte eine Steinmetzfirma aus Gardelegen übernommen. Für einige Tage war das Denkmal eingerüstet. Zum Schluss wurde dem Mann aus Stein die Nase wieder angebracht und vorübergehend mit einem Eimer ein Kopfschutz verpasst, damit das Material auch richtig trocknen konnte.

Darüber hinaus wurden biologische Ablagerungen mit Holzspachteln entfernt und das Denkmal insgesamt mit Bürsten gereinigt, informierte Florian Kauer, in der Verwaltung für allgemeine Gefahrenabwehr zuständig, auf Volksstimme-Anfrage. Danach wurde die gesamte Skulptur noch mit einem Wasserstrahlgerät bearbeitet. Im Sockelbereich wurden zudem alle Stoßfugen ausgearbeitet und anschließend mit Mörtel wieder neu verfugt. Das Denkmal wies in großen Teilen auch Risse auf. Auch die wurden gesäubert und mit einem farblich angepassten sogenannten Antragemörtel verschlossen.

Fördermittel aus Denkmalschutztopf

Die Sanierung des Denkmals erforderte zwar viel Handarbeit. Der finanzielle Aufwand dagegen war nicht wirklich groß. Die Schönheitskur hat insgesamt 3500 Euro gekostet. Zur Finanzierung konnte die Stadt Fördergeld aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz im Rahmen der Erhaltungsmaßnahme „Historische Altstadt Gardelegen“ nutzen. Für das Denkmal seien 2800 Euro Fördermittel bewilligt worden.

Das Denkmal steht seit fast sieben Jahrzehnten auf diesem Platz am Rand der Wallanlagen. Eingeweiht wurde es am 12. September 1952. Es war der zweite Sonntag im September vor 68 Jahren, der in der DDR als Tag der Opfer des Faschismus begangen wurde. Geschaffen hat das Denkmal der Magdeburger Künstler Rudolf Wewerka (1889-1954).

Einweihung am 12. September 1952

Das geht aus Aufzeichnungen hervor, die die einstige Museumsleiterin Wally Schulz für einen Volksstimme-Bericht zur Verfügung gestellt hatte. Das Denkmal sei in staatlichem Auftrag entstanden. Ausgewählt wurde der Standort, weil dort einst ein Denkmal für die Toten des Ersten Weltkrieges gestanden hatte, eine Bronze- skulptur, die einen Ulanen darstellte. Aus diesem Grund sei das Denkmal auch, allerdings fälschlicherweise, als Ulanendenkmal bezeichnet worden. Dieses Denkmal sei 1943 seiner Bronzeteile beraubt worden, die eingeschmolzen wurden. Dieses Schicksal habe auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und das eigentliche Ulanendenkmal in Gardelegen ereilt.

Das VdN-Denkmal aus Kunststein symbolisiere laut Wally Schulz das Motiv der Auferstehung. Zentrale Figur ist der aufrecht stehende Mann mit erhobenem Haupt und zerrissenen Ketten. Rechts und links klammern sich ein Mann und eine Frau an diese Figur. Die wiederum halten drei weitere Figuren, die man als Häftlinge identifizieren könnte. Auf der Rückseite liegt ein Toter am Boden.

Brautpaare legten Blumen ab

Jahrelang sei kaum für den Erhalt des Denkmals gesorgt worden. Nach der Wende hatte sich dann Wally Schulz in ihrer Funktion als Museumsleiterin um das Denkmal gekümmert. Sie sorgte für die Einhausung in den Wintermonaten und für eine Sanierung. Die hatte seinerzeit der Magdeburger Restaurator Dietmar Fröhlich übernommen. Und sie sorgte auch dafür, dass das Denkmal in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen wurde.

Zu DDR-Zeiten stand die Skulptur allerdings wesentlich mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Denn viele jung verheiratete Paare haben nach ihrer Trauung im Gardelegener Rathaus dort ihre Brautsträuße abgelegt. Es habe sich um eine Tradition gehandelt, die auf sowjetisches Brauchtum zurückgegangen sei, erläuterte Wally Schulz. Dort werde dieser Brauch in Erinnerung an die im Kampf gefallenen Sowjetsoldaten übrigens noch heute gepflegt.