Ipser Friedenseiche

Rettungsmission für Ipser Eiche startet mit Beseitigung des Totholzes, Rückschnitt der Krone und Teicheiern

Die Rettungsaktion Ipser Friedenseiche startet. Mit der Entfernung des zahlreichen Totholzes, einem Kronenrückschnitt und einer besonderen Vitalisierungskur mit sogenannten Teicheiern soll dem kranken Baum wieder zu mehr Kraft verholfen werden.

Von Elke Weisbach
Die Ipser Eiche ist krank, wie an der sehr unterschiedlichen Belaubung zu erkennen ist.
Die Ipser Eiche ist krank, wie an der sehr unterschiedlichen Belaubung zu erkennen ist. Foto: Elke Weisbach

Ipse - Sie darf stehen bleiben – die Ipser Friedenseiche am Dorfeingang. Das war die wichtigste Nachricht von Ottmar Wiesel, Leiter des Fachbereiches Baudienstleistungen, vor Ort. Und nicht nur Tilo Mottschall vom Verein Ipse excitare und Walter Jakel als Kreisvorsitzender des BUND im Altmarkkreis, hörten das mit Zufriedenheit, sondern auch die zahlreichen Stadträte, die der Einladung zur Auswertung des nun vorliegenden Gutachtens gefolgt waren.

Dieses hatte die Stadt vom Baumsachverständigen Matthias Glase erstellen lassen, nachdem die Ipser im Februar das mit dem Altmarkkreis abgesprochene Fällen der rund 120 Jahre alten Eiche in letzter Minute abwenden konnten. Im April war Glase vor Ort und hatte den Baum mittels Schalltomographie untersucht (Volksstimme berichtete). Dabei habe er, wie er am Mittwoch sagte, starke Schädigungen festgestellt. Und die Eiche sei auch nicht mehr so vital wie im vergangenen Jahr. Da er aus der Region komme, komme er öfter an ihr vorbei. Der Baum müsse Pilze und Fäule im Zentrum des Stammes abwehren. Die Schäden seien aber noch nicht so ausgeprägt, dass der Baum gefällt werden müsse.

Schilder weisen auf Bruchgefahr hin

Stark geschädigt sei die Verbindung der Zwiesel. Das sei dort, wo sich der Baum gabelt. Und die Eiche weise einen hohen Totholzanteil auf, der bei einem sehr großen Ast an der Gabelung beginnt. Alles Totholz müsse laut Glase unbedingt entfernt werden. Es bestünde ständig die Gefahr, dass Äste, und zwar auch große, abbrechen könnten. Darauf weisen bereits drei Schilder rund um den Baum hin. Eigentlich müsste der Bereich komplett abgesperrt werden, so der Sachverständige.

Eine weitere Maßnahme, um den Baum zu stabilisieren und die Bruchgefahr zu verringern, sei das Einkürzen der Krone der rund 20 Meter hohen Eiche um 1,50 Meter. Diese Maßnahmen würden die Verkehrssicherheit in diesem Bereich wieder verbessern. Weiterhin empfahl Glase, dass der Baum zweimal im Jahr kontrolliert werden sollte, um die Entwicklung im Auge zu behalten. „Es kann auch besser werden“, machte er den Ipsern Hoffnung, zum Beispiel wenn es in diesem Jahr mehr Regen geben würde.

Die genannten Aufgaben zur Baumsicherung wird die Stadt übernehmen, erklärte Wiesel. Dafür werde nun eine Fachfirma gesucht und ein Kostenvoranschlag eingeholt. Die Umsetzung soll schnellstmöglich erfolgen, da Gefahr im Verzug sei.

Mineralische Mischung

Und es soll noch eine andere Methode versucht werden, um den Baum am Leben zu erhalten und zu vitalisieren. Die Idee dazu stammt von Dorothea Süß, die unter anderem Vorstandsmitglied der Gartenakademie Sachsen-Anhalt ist und sich intensiv mit vitalen Böden beschäftigt. Der Ipser Verein hatte mit ihr Kontakt aufgenommen. Und auch sie war am Mittwoch beim Vor-Ort-Termin, wo sie davon berichtete, dass es ihr gelungen ist, zwei „fast abgemeldete Eichen“ zu retten.

Sogenannte Teicheier sollen die Versorgung der Baumwurzeln ankurbeln.
Sogenannte Teicheier sollen die Versorgung der Baumwurzeln ankurbeln.
Foto: Weisbach

Dafür wurde, wie Süß berichtete, in Kronenbreite um den Stamm herum ein Wasserkreis gezogen, in dem in zirka einem halben Meter Abstand Teicheier eingesetzt wurden. Diese hat sie selbst erfunden und erfolgreich getestet. Sie bestehen aus sieben Teilen Lehm, einem Teil Naturzeolith, das ist ein in der Natur vorkommendes Mineral, einem Teil aktivierter Pflanzenkohle und einem Teil effektiver Mikroorganismen, die zusammengerührt eine formbare Masse ergeben. Diese Mischung, die auch ein guter Wasserspeicher sei, habe die Haarwurzelbildung an den Wurzeln wieder in Gang gebracht. „Der Baum wurde wieder gesund“, berichtete die Fachfrau. Des Weiteren empfahl sie, Erschütterungen im Wurzelbereich weitestgehend zu vermeiden. Das mögen Eichen nicht. Zudem sollte der Wurzelbereich um den Stamm herum im Durchmesser der Krone mindestens für die nächsten zwei Jahre mit viel Laub bedeckt werden, um den Boden feucht zu halten.

Dieses Experiment trug Bauamtsleiter Wiesel dem Ipser Verein an, für den Tilo Mottschall sofort zusagte. Denn der Baum, an dem viele Erinnerungen hängen, liege allen am Herzen. Sollte es funktionieren, könnte die Methode für den Erhalt weiterer Eichen und anderer Bäume in der Stadt genutzt werden.