Gardelegen l „Das ist einfach genial. Hier würde ich auch eine Wohnung mieten“, zeigte sich Marion Schlucke aus Schenkenhorst begeistert. „Und wieso würde?“, fragte die neugierige Volksstimme-Redakteurin nach. „Ich habe doch ein Haus in Schenkenhorst“, entgegnete Marion Schlucke. Aber man wisse ja nie, was im höheren Alter wird, und eine solch wunderschön sanierte Wohnung mitten in der Stadt wäre da schon eine Alternative. So wie Marion Schlucke am Sonnabend über das erfolgreiche Beispiel einer Sanierung im denkmalgeschützten Altbau staunte, ging es vermutlich auch den vielen anderen Besuchern, die den Tag der offenen Tür nutzten, um sich das Ergebnis einer dreijährigen Bautätigkeit anzuschauen.

Dazu gehörte auch Annegret Schwerin aus Gardelegen, die mit ihrer Enkeltochter Fabienne unterwegs war. „Wir haben uns auch den Schlüsselkorb-Block an der Straße der Freundschaft angesehen“, erzählte Schwerin. Und nun sei sie natürlich neugierig gewesen, was aus der Sandstraße 9 geworden ist. Denn früher, als die Kreisvolkshochschule dort noch ihren Sitz hatte, sei sie oft dort gewesen und habe Kurse besucht. „Es ist wirklich schön geworden. Vor allem die Wohnungen zum Wall hin“, meinte die Gardelegerin. „Was die Wobau anpackt, wird gut“, fasste es Dieter Gnauck aus Gardelegen zusammen. Er und seine Frau hatten sich angemeldet und fast zwei Jahre auf eine Wohnung im Hinterhaus gewartet. Leider habe das alles zu lange gedauert, so dass sich das Ehepaar nun kurzfristig anders entschieden hat. Aber besichtigen wollten beide das Sanierungsprojekt schon.

Sanierung dauerte drei Jahre

In der Tat handelt es sich bei der Sandstraße 9 schier um eine Endlosgeschichte. „Mit den ersten Planungen hatten wir schon vor 15 Jahren angefangen“, erinnerte sich Wolfgang Oelze, Geschäftsführer der Gardelegener Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Allerdings nur für das Vordergebäude, das hintere Gebäude und ein Anbau gehörten damals der Stadt. Das hatte allerdings nicht funktioniert. Mit dem Auszug der Kreisvolkshochschule im Jahr 2012 ergab sich die Möglichkeit, die Sandstraße 9 als Ensemble zu sanieren – mit Hinterhaus und Vorderhaus, allerdings nicht mit dem Anbau. Es dauerte weitere drei bis vier Jahre, bis der Denkmalschutz den Abriss genehmigt hatte. Unterdessen konnte man im Vorderhaus von oben fast bis nach ganz unten schauen. Decken waren kaputt, das Dach ebenso. Das Haus drohte einzustürzen.

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„Es war nicht mehr nur fünf vor Zwölf, sondern schon fast fünf nach Zwölf“, hatte Oelze bei einem Baustellenrundgang im Juli 2017 mal gesagt. Dicke Stahlträger wurden eingezogen, um die Stabilität zu sichern. Umfangreiche Schwammsanierungen waren erforderlich. Das Mauerwerk musste trockengelegt werden. In einem Winter war die Baustelle eingefroren. Eine Firma hatte Probleme. „Wir hatten einen großen Zeitverzug“, so Oelze. Die Planungen seien unter der Regie von Hans-Georg Lehmann von der Wobau-Bauabteilung erstellt worden. „Er war auch für die Bahnhofstraße 31 und für das Eckhaus an der Hopfenstraße zuständig. Bei diesem Projekt hier aber hat er graue Haare bekommen“, meinte Oelze schmunzelnd. 1,75 Millionen Euro wurden investiert. „Das sind 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“, betonte Oelze.

Entstanden sind vier Wohnungen im Vorderhaus, zwei davon sind übereck angeordnet. Auch im Hinterhaus sind vier Wohnungen geschaffen worden – mit Balkon und Terrasse und Blick auf den Wall. Alle Mieter haben über eine Brücke Zugang zum Wall. Die Miete im Vorderhaus beträgt fünf Euro pro Quadratmeter Fläche (kalt), im Hinterhaus sind es 5,50 Euro. Eine Wohnung im Vorderhaus, um die 60 Quadratmeter, ist noch zu haben.