Gardelegen l Marlitt Buchhorn hatte extra den großen Schlüssel mitgebracht, um für die Teilnehmer des zweiten Gardeleger Stadtspazierganges das Eingangstor zum Schwarzen Adler zu öffnen. Eine alte Traditionsgaststätte, die seit vielen Jahren nur zu den Kneipennächten Besuchern offen steht.

Es handelt sich um ein markantes, innenstadtprägendes Eckgebäude, das, genau wie die angrenzenden, ebenfalls leerstehenden Wohnhäuser an der Philipp-Müller-Straße, unter Denkmalschutz steht. Die Stadt habe großes Interesse, dass dieser Gebäudekomplex wieder saniert wird, betonte Stadt-Bauamtsleiter Engelhard Behrends. Aus diesem Grund war die Gaststätte auch eine Station des Stadtspazierganges im Stadtumbau-Ost-Quartier Innenstadt, um die weitere Planung für Gardelegen und den Einsatz von Fördermitteln auf den Weg zu bringen.

Gasthaus und Wohnäuser bilden Ensemble

Marlitt Buchhorn und ihr Lebenspartner wollen das Ensemble wieder sanieren. Die Stadt habe finanzielle Hilfe angekündigt. „Wo es momentan hapert, das sind Architekten“, sagte Buchhorn. Die Wohnhäuser an der Philipp-Müller-Straße seien jetzt noch dazu gekauft worden, so dass es sich um ein komplexes Ensemble handelt. Aber konkreter sei die Planung noch nicht.

„Alle Achtung, was Sie sich hier vorgenommen haben“, sagte Holger Schmidt vom Büro für Siedlungserneuerung Dessau mit Blick auf die doch recht marode Gebäudesubstanz. Das Büro wurde von der Stadt mit der Fortschreibung des integrierten gemeindlichen Entwicklungskonzeptes beauftragt. Dabei sollen verstärkt auch Ideen und Vorschläge der Einwohner berücksichtigt werden – ein Grund für den Stadtspaziergang. „Gastronomie, ein kleines Hotel oben drauf und Wohnungen. Ich komme in zehn Jahren wieder, versprochen“, so Schmidt, in der Hoffnung, dass bis dahin der Schwarze Adler wieder in altem Glanze erstrahlt.

80 bis 90 Prozent aller Innenstadthäuser sani

Seit 1991 – mit Beginn der Städtebausanierung in Gardelegen – werden auch private Baumaßnahmen in der Innenstadt gefördert, erläuterte Behrends. Bis zu 40 Prozent der Baukosten können bezuschusst werden. In den ersten Jahren nach der Wende sei das in Größenordnungen angenommen worden. Mittlerweile seien 80 bis 90 Prozent aller Innenstadthäuser saniert. Mit Fördergeld aus verschiedenen Programmen werde auch die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) unterstützt. Die habe sich in den zurückliegenden Jahren auf die Sanierung alter Wohngebäude in der Innenstadt konzentriert. „Da hatten wir zum Beispiel einen Sanierungsaufwand von 3000 Euro pro Quadratmeter“, so Behrends. So etwas könne nur eine städtische Gesellschaft mit Hilfe von Fördergeld stemmen.

Zurzeit laufe aktuell die Sanierung des Wobau-Hauses an der Sandstraße 9. Auch dort habe die Stadt Fördergeld von 600.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Stadt wähle insgesamt gezielt aus, welche Sanierungsprojekte gefördert werden. „Wie das alte Gericht an der Bahnhofstraße, das alte Finanzamt oder der Schwarze Adler“, so Behrends.

Förderung vor Voruntersuchungen

Mit dem Eigentümer des Schwarzen Adlers habe die Stadt eine Vereinbarung für eine Modernisierungsvoruntersuchung geschlossen. Damit verbunden ist eine Förderung über 29.000 Euro für denkmalpflegerische und bautechnische Voruntersuchungen durch Sonderfachleute, wie Holzschutzgutachter, Bauschadensgutachter, Statiker, Brandschutzprüfer und Restauratoren. Gleichzeitig sollen „Möglichkeiten einer künftigen Nutzung und Sanierungsvorschläge planungsseitig dargelegt werden, denn nur so sind zielführende Abstimmungen mit dem Denkmalschutz möglich“, so Behrends.

Bisher hat die Stadt etwa acht Millionen Euro Städtebaufördermittel für private Baumaßnahmen zur Verfügung gestellt.