Kalbe l „Hier werden Haushaltsmittel verschwendet.“ Für Bürgermeister Karsten Ruth ist die Sache eigentlich glasklar. Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners, wie sie in den vergangenen Jahren in der Einheitsgemeinde Kalbe stattgefunden hat und wie sie auch in diesem Jahr wieder geplant ist, bringt wenig bis nichts.

Genau deshalb hatte Ruth vor der jüngsten Ratssitzung auch bei der Kommunalaufsicht nachgefragt, inwieweit überhaupt Mittel aus dem städtischen Haushalt für Maßnahmen gegen den Schädling – seine mit Widerhaken behafteten Brennhaare lösen allergische Reaktionen aus – bereitgestellt werden müssen. Die Antwort, so der Bürgermeister, sei für ihn ernüchternd gewesen. „Man hat den Ball wieder an den Stadtrat zurückgespielt.“

Und der hat sich kürzlich mehrheitlich dafür ausgesprochen, auch 2019 wieder 11.500 Euro aufzuwenden, um in sensiblen Bereichen wie an Spielplätzen, in Siedlungsgebieten sowie auch entlang der Radwanderroute der Milde-Biese-Aland-Tour eine Schädlingsbekämpfung vornehmen zu können. Der Bürgermeister behält sich allerdings vor, offiziell Widerspruch dagegen einzulegen. „Denn mir geht das alles nicht weit genug“, sagt er und spricht in dem Zusammenhang von „Steuerverschwendung“. Der Eichenprozessionsspinner kann nach seiner Ansicht nur flächendeckend bekämpft werden. Und hier sieht Ruth das Land in der Pflicht.

Viele Briefe Richtung Magdeburg

„Aber was können wir grundsätzlich tun, damit wir gehört werden?“ Eine Frage, die nicht nur Stadträtin Melissa Schmidt umtreibt. Auch andere Ratsmitglieder würden sich wünschen, Landespolitiker einzuladen und ihnen die besonders betroffenen Areale mal aus der Nähe zu zeigen. Ruths Reaktion auf diesen Vorschlag indes zeugt von Resignation: „Wir haben diesbezüglich schon so viel Post in Richtung Magdeburg verschickt ...“

Dem aktuellen Stadtratsbeschluss zu widersprechen, „bringt uns allerdings auch nicht weiter“, meint Melissa Schmidt, die zugleich Vorsitzende des Kalbenser Tourismusvereins ist. Und gerade als solche hat sie während der jüngsten Stadtratssitzung dafür plädiert, auch entlang der Milde-Biese-Aland-Tour zu sprühen. „Sonst können wir hier endgültig einpacken“, so ihre Worte.

Ursprünglich hatte nämlich auch die Variante im Raum gestanden, nur an den neuralgischen Punkten zu bekämpfen. Das wäre dann, basierend auf den Preisen des zurückliegenden Jahres, ein Aufwand von rund 3000 Euro gewesen. Für diesen Vorschlag hatten dann aber nur vier Abgeordnete gestimmt. Elf waren es hingegen bei Variante zwei. Sie umfasst neben der Schädlingsbekämpfung in besonders sensiblen Bereichen auch Maßnahmen in Siedlungsgebieten und eben entlang der Radwanderroute. Private sollen zudem wieder die Möglichkeit erhalten, sich mit in die Maßnahme einzubringen, indem sie die befallenen Bäume auf ihren Grundstücken mit besprühen lassen. Das ist für sie nämlich kostengünstiger als eine Einzelmaßnahme.