Gardelegen l Ein unscheinbarer Nachtfalter mit gerade mal 25 Millimeter langen Flügeln kann für Menschen und für Eichen zum großen Problem werden. Nämlich dann, wenn es um die nächste Nachtfaltergeneration des Eichenprozessionsspinners geht. Im April schlüpfen die Raupen, die bis zu sechs verschiedene Larvenstadien durchlaufen. Und im dritten Stadium entwickeln sie die gefährlichen Brennhärchen, die beim Menschen toxische und allergische Reaktionen hervorrufen können. Sie gelten als Schädling, da sie Lichtungs- oder Kahlfraß vornehmlich an Eichen verursachen können.

Florian Kauer, Fachdienstleiter in der Stadtverwaltung für allgemeine Gefahrenabwehr, hat den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner zu seiner Chefsache erklärt und viel Zeit und Arbeit in die aufwändige Aktion investiert. Wie erfolgreich das Ganze jedoch war, könne man nur schwer einschätzen. „Man wird dieser Sache nicht Herr. Die Schädlinge bekommen wir nicht komplett weg. Man kann die Gefahr nur eindämmen“, betont Kauer. Im Frühjahr fand die chemische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners, kurz EPS, statt. Das sei vegetationsbedingt auch nur im April möglich, beziehungsweise sinnvoll, denn sonst wirke das einzig zugelassene Mittel, ein biologisches Insektizid namens Foray, nicht mehr auf die Schädlinge. 7421 Bäume im öffentlichen Bereich und 187 private Bäume wurden behandelt. „Dort, wo gesprüht wurde, gab es einen deutlich geringeren Befall als in den Vorjahren“, zieht Kauer Bilanz. So hätten in diesem Jahr beispielsweise in Breiteiche, Sachau, Siems, Kassieck oder Lindstedt keine mechanische Behandlung mittels Absaugen mehr erfolgen müssen.

Neues Verfahren

Im Drömling allerdings sei eine chemische Behandlung nur an wenigen Stellen möglich. „Wir müssen einen Schutzabstand zu Gewässern einhalten“, erläutert Kauer. Im Naturpark sei aus diesem Grund vor allem eine mechanische Behandlung ausgeführt worden. 2523 Bäume an stadteigenen Straßen und stark frequentierten Feld- und Radwegen wurden einer Absaugung unterzogen, unter anderem in Lindstedt, Estedt, Wiepke, Köckte, Dannefeld, Kämeritz und Jerchel. Drei Monate hatte eine Osterburger Fachfirma damit zu tun. „So lange wie noch nie“, so Kauer. Unterdessen hat der Fachdienstleiter einen EPS-Kataster erstellt. Aufgelistet sind alle behandelten Bäume, die Kauer selbst gezählt und erfasst hat. Beispiel: Verbindungsweg zwischen Köckte und Dannefeld – 10 Bäume mit einer Höhe bis zu 8 Metern, 35 Bäume bis zu 20 Meter und 70 Bäume über 20 Meter. Dieser EPS-Kataster dient nun als Arbeitsgrundlage für weitere Aktionen, die im nächsten Jahr fortgesetzt werden müssen, betont Kauer.

Die Vorbereitungen laufen. Die Stadt hofft, dass es wieder Landeszuschüsse gibt. Im Haushalt der Stadt sind 25.000 Euro Eigenmittel bereits enthalten. Sobald die Landeszuschüsse feststehen, soll im Januar die Ausschreibung erfolgen. Für die EPS-Aktion 2019 wurden 175.000 Euro ausgegeben. 150.000 Euro betrug die Landesförderung. Im nächsten Jahr will die Verwaltung gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Drömling dann auch ein ganz neues Verfahren ausprobieren: ein umweltschonendes Heißwasser- und Schaumverfahren. 95 Grad heißes und aufgeschäumtes Wasser wird auf betroffene Eichen gesprüht. Referenzobjekte gebe es im niedersächsischen Drömlingsbereich. „Wir werden jetzt die Kontakte aufnehmen“, kündigt Kauer an.