Gardelegen l Mit dem Verbot von Schottergärten in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Novellierung der Bauordnung ist der Landtag vielen Kommunen zuvorgekommen. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten gab es zahlreiche Debatten in kommunalpolitischen Gremien, unter anderem auch in den Stadträten von Salzwedel, Stendal und Halberstadt. Zunehmend wird Kritik an dieser wenig umwelt- und klimafreundlichen Art der Gestaltung von Vorgärten und auch öffentlichen Flächen lauter.

Wenig Grün zwischen Schotter

Schottergärten sind keine Gärten im klassischen Sinne. Die Gartenfläche ist mit Schotter bedeckt. Schlimmstenfalls ist der Untergrund mit Folie abgedichtet oder gar mit Beton befestigt. In diesen Steinwüsten finden sich nur wenige Pflanzen, zumeist stark zurechtgestutzte Bäumchen, die ein Stück weit an asiatische Bonsai-Formen erinnern. Blühende Blumen gibt es in der Regel nicht.

Es sind also weitestgehend tote Inseln ohne Insekten, ohne Vogelgezwitscher, ohne natürliche Farbenpracht. Es dominiert das Weiß der Steine und das bisschen Grün der Bäumchen.

Der Gartenakademie Sachsen-Anhalt, die sich unter anderem für naturnahes, ökologisches Gärtnern einsetzt, sind die Schottergärten schon lange ein Dorn im Auge, wie Christa Ringkamp, Projektleiterin bei der Gartenakademie, schon mehrfach öffentlich betont hat. Auch jüngst erst wieder bei der Auftaktveranstaltung in Letzlingen zu einem Pilotprojekt in der Einheitsgemeinde Gardelegen unter dem Motto „Wir für uns – Gardelegen artenreich und lebenswert gestalten“ hatte Ringkamp die Schottergärten thematisiert.

Schottergärten seien einfallslos und nutzlos, ergänzte sie gestern auf Volksstimme-Anfrage. Sie würden das Auge des Betrachters nicht reizen. Schottergärten würden die Erderwärmung verstärken. „Wer keine Arbeit haben möchte, sollte am besten betonieren und die Fläche grün streichen“, meinte Ringkamp mit einer Portion Sarkasmus. Die Betonfläche könne man noch mit ein paar bunten Farbklecksern oder Graffiti gestalten.

Alte Gärten können bleiben

Welche Wege geht nun die Stadt Gardelegen nach dem offiziellen Schottergärten-Verbot für Neuanlagen ab dem 1. Januar 2021? Grundsätzlich begrüßte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher diese Regelung.

„Es wird aber nun niemand verpflichtet, bestehende Gärten zu beseitigen“, stellte Schumacher klar. Sie setze da viel mehr auf Bewusstsein, Einsehen und Verantwortung bei Besitzern von Schottergärten. Denn auch diese Anlagen seien pflegeaufwendig. Und wenn man dieses Argument heranziehe, da sei es doch viel besser, einen Staudengarten anzulegen, der in ein paar Jahren so zugewachsen sei, dass das Unkraut nicht mehr durchkommen könne.

„Wir wollen also, dass die Leute von sich aus reagieren und die Gestaltung ihrer Vorgärten entsprechend ändern“, betonte Schumacher. Inwiefern die Gesetzesänderung mit Beginn des nächsten Jahres eingehalten wird, werden die zuständigen Fachämter kontrollieren.

Im Rahmen des Pilotprojektes der Stadt Gardelegen sollen künftig auch Grüne Stammtische angeboten werden. Ein Thema wird dabei die Gestaltung von Vorgärten sein, welche Pflanzen und Stauden sich dafür besonders eignen und wie man Arbeitsaufwände reduzieren kann.

Christa Ringkamp hatte in Letzlingen auch auf eine besondere Aktion der Stadt Haldensleben hingewiesen. Dort plane die Kommune einen Wettbewerb um den schönsten Vorgarten. Denn die Natur beginne vor der Haustür, so Ringkamp. Ein solcher Gartenwettbewerb sei eine gute Idee und zugleich auch ein Anstoß zum Nachdenken.