Gardelegen l Einst war es das Schullandheim. Unzählige Schülergenerationen haben dort die Projektangebote für den Unterricht genutzt. Insbesondere nach der Wende war die Einrichtung bei Schulen beliebt: Kreislauf Wasser, gesunde Ernährung, Jugend forscht, Arbeitsgemeinschaften – viele Angebote hatte es gegeben unter der Leitung von George Wichmann und Heidi Adolf. Und auch unter der jetzigen Leiterin, Ingrid Jankowski, gibt es ein breites Spektrum an Freizeitaktivitäten für Schüler. Durchschnittlich zehn Kinder und Jugendliche sind wochentags dort und besuchen Arbeitsgemeinschaften, sind kreativ oder sportlich tätig oder haben beim Spielen in der Gemeinschaft viel Spaß. Doch die Zukunft der Traditionseinrichtung unter der Trägerschaft des VHS-Bildungswerkes sieht offenbar nicht so rosig aus. Möglicherweise wird die Freizeitoase zum Jahresende geschlossen.

Das Problem steckt im baulichen Zustand der Gebäude. „Sie entsprechen nicht mehr den Standards, was beispielsweise Brandschutz und Sanitäranlagen betrifft“, sagte Dagmar Rusch, Standortleiterin beim VHS-Bildungswerk für den Bereich Gardelegen. Es habe unterdessen mehrere Gespräche mit der Stadt gegeben. Bisher konnte das VHS-Bildungswerk über eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt als Eigentümerin der Immobilie das Objekt mietfrei nutzen. Eine Sanierung des einstigen Schullandheimes würde viel Geld kosten. Die Stadt habe für den Fall, dass dort saniert wird, Mietforderungen angekündigt. Allerdings mache das VHS-Bildungswerk mit der Freizeitoase keinen Gewinn. Finanziert wird die Einrichtung über die Kinder- und Jugendarbeit des Landkreises. Die Mittel müssten jedes Jahr neu beantragt werden, also jetzt demnächst für das Jahr 2020. Eine Lösung gebe es bisher nicht.

Hoher Sanierungsbedarf

Im Moment sei alles noch in der Schwebe. „Solange wir aber kein anderes Objekt finden, können wir so nicht weitermachen, und wir können für das nächste Jahr auch keine Mittel beantragen“, stellte Rusch klar. Man sei jetzt auf der Suche nach entsprechenden Räumlichkeiten. Die müssten auch nicht so groß sein wie die jetzige Freizeitoase. Allerdings sollte ein abgeschlossener Hof dabei sein, damit die Kinder auch sicher im Freien spielen können. „Ich kann nur sagen, dass mir das alles sehr leid tut. Die Kollegen machen eine ausgezeichnete Arbeit, und auch das Jugendamt schätzt das so ein, sonst würden wir nicht jedes Jahr die finanziellen Mittel genehmigt bekommen“, betonte Rusch.

Auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher zeigte sich unzufrieden mit der Situation. Allerdings gebe es eben auch Gesetze und Auflagen, die einzuhalten seien. Es habe in der Freizeitoase eine Brandsicherheitsschau gegeben. Und dabei habe sich gezeigt, dass der Brandschutz dort völlig ungenügend sei. Die elektrischen Anlagen seien marode. „Eine weitere Nutzung der Gebäude im jetzigen Zustand können wir als Stadt nicht verantworten“, betonte Schumacher. Der Sanierungsbedarf sei sehr hoch. Da gehe es um mehrere 100.000 Euro, die investiert werden müssten. Sollte sich die Stadt dazu entschließen, dort umzubauen, dann könne das Objekt aber nicht mehr wie bisher mietfrei zur Verfügung gestellt werden. Das VHS-Bildungswerk sei schließlich eine gewinnorientiert arbeitende Gesellschaft. Die Stadt könne nicht ein Haus sanieren und dann einem gewerblichen Unternehmen kostenlos anbieten. „Das dürfen wir als Stadt auch gar nicht“, betonte Schumacher. Sie bestätigte, dass es mehrere Gespräche mit dem VHS-Bildungswerk gegeben habe. „Wir haben uns zum Beispiel das ehemalige Tafelgebäude angesehen“, so Schumacher. Das habe keine Zustimmung gefunden, weil ein abgeschlossenes Umfeld nicht vorhanden sei.

Sie habe auch versucht, die Freizeitoase und das Jugendförderungszentrum zusammenzubringen. „Das war auch nicht gewollt“, sagte Schumacher. Die Einrichtung sei zu weit außerhalb der Stadt. Dass die Freizeitoase zum Ende des Jahres ausziehen müsse, habe nichts mit der Stadt Gardelegen zu tun, sondern mit der Mittelbeantragung für 2020 durch den Träger der Einrichtung, da ein anderes Objekt bisher nicht gefunden werden konnte. „Wir haben das Nutzungsverhältnis nicht beendet“, betonte Schumacher. Aber wie gesagt, eine weitere Nutzung der Freizeitoase in ihrem jetzigen baulichen Zustand könne seitens der Stadt nicht verantwortet werden.