Gardelegen l Noch ist alles zu händeln, aber im nächsten Schuljahr wird es akut, das Platzproblem in der Karl-Marx-Sekundarschule in Gardelegen. „Wir kommen dann auch stuhltechnisch an unsere Grenzen, wie gesagt, im Moment geht es noch, aber im nächsten Jahr wird es eng“, sagt Schulleiterin Solveig Lamontain. Konzipiert für maximal 380 Schüler, sind es aktuell bereits 422 Schüler. Das Problem soll ein Anbau mit Raummodulen lösen. Allerdings: Die Karl-Marx-Sekundarschule ist ein Neubau, der am 29. Oktober 2013 erst eingeweiht wurde.

Großes Einzugsgebiet

2025 werden es 450 bis 460 Schüler sein, die die Einrichtung an der OdF-Straße besuchen. Das gehe aus der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung hervor, die jährlich fortgeschrieben wird. Die Schule habe auch ein großes Einzugsgebiet. Insgesamt sei es natürlich erfreulich, dass es entgegen der Prognosen des statistischen Landesamtes wesentlich mehr Kinder gibt.

Träger von Sekundarschulen ist der Landkreis. Er war von daher auch zuständig für den Bau des neuen Schulgebäudes, das erst vor sieben Jahren eingeweiht worden war. Und dabei sei man von der Prognose ausgegangen, dass in der Regel zwischen 55 und 75 Schülern in die Klassenstufe fünf der Karl-Marx-Sekundarschule eingeschult werden, erläutert Kreissprecherin Birgit Eurich auf Volksstimme-Anfrage. Grundlage sei eine maximale Gesamtschülerzahl zwischen 320 und 380 Schülern gewesen. Danach sei die moderne Ganztagsschule auch geplant und gebaut worden, so Eurich.

Erhöhung um etwa 40 Schüler

Entgegen der Prognosen würden die Schülerzahlen in den kommenden Jahren aber weit über dem damals langfristigen Bedarf liegen. Dafür gebe es vor allem zwei Gründe, so Eurich. Zum einen sei es die Integration von Migrantenfamilien ab dem Jahr 2015. Zum anderen aber vor allem auch die Änderung der Schuleinzugsbereiche nach der Schließung der Estedter Grundschule. Die Kinder seien bis dato nämlich in die Miester Sekundarschule Am Drömling eingeschult worden. Seit dem Schuljahr 2016/2017 gehen nun auch die Schüler aus dem ehemaligen Einzugsbereich der Estedter Grundschule in die Gardelegener Sekundarschule. „Diese Veränderungen bewirken eine vollumfängliche Erhöhung der Schülerzahl um etwa 40 Schülern pro Schuljahr ab dem Schuljahr 2022/2023“, macht Eurich deutlich.

Die Anzahl der Klassen wird sich von derzeit 17 auf bis zu 20 Klassen erhöhen. Aktuell besuchen in den Klassenstufen fünf bis zehn 422 Mädchen und Jungen die Karl-Marx-Sekundarschule. Der Schuljahrgang sieben sei mit 102 Schülern ein besonders starker Jahrgang. „In den kommenden fünf Jahren wird die Schülerzahl noch auf 450 ansteigen, um dann erst in neun Jahren wieder unter 400 zu sinken“, so Eurich. Dann erreiche der Geburtsjahrgang 2018 – also die heute Zweijährigen – die Klasse fünf.

Mit diesem langfristig ermittelten Bedarf für die kommenden Jahre würden vier komplette Unterrichtsräume fehlen. Das Platzproblem soll mit einem Anbau gelöst werden, allerdings nicht mit einem festen Anbau. Geplant sei das Aufstellen von Raummodulen. „Und die haben den Vorteil, dass sie schnell herstellbar, aber auch schnell wieder abbaubar sind, wenn sie nicht mehr gebraucht werden“, erläutert Eurich.

Die Raummodule basierten auf tragenden Stahlkonstruktionen. Die Fassade soll als Putzfassade in Anlehnung an das vorhandene Schulgebäude gestaltet werden. Die Eingänge erhalten Vordächer. Es handelt sich um vier Raummodul-Unterrichtsräume mit einer Größe von jeweils 56 Quadratmetern. Dazu kommen zwei Gruppenräume mit jeweils etwa 15 Quadratmetern sowie ein kleiner Vorbereitungs- und Lehrerraum, um unnötige Wege für das Lehrerpersonal zu vermeiden. Eine Verbindung mit dem vorhandenen Gebäude, etwa mittels eines Mauerdurchbruchs, wird es nicht geben.

Sowie der Kreishaushalt beschlossen und genehmigt ist, soll die Entwurfsplanung ausgeführt und dann auch der Bauantrag gestellt werden. Die Kosten für die Raummodule werden auf etwa 870 000 Euro geschätzt.

Zwei Jahre Bauzeit

Im Jahr 2006 hatte der Kreistag einen Grundsatzbeschluss zum Neubau einer neuen Sekundarschule in Gardelegen gefasst, denn eine Sanierung des alten Gebäudes war nicht mehr möglich. Bis zur Umsetzung gingen allerdings noch einige Jahre ins Land. Nach zweijähriger Bauzeit konnte das Gebäude am 29. Oktober 2013 eingeweiht werden. 16 Unterrichtsräume und 13 neue Fachkabinette stehen zur Verfügung. Ein lichtdurchflutetes Atrium sowie multifunktionale Flure mit Sitznischen und Lernregalen sorgen für ein besonderes Flair, ebenso die farbliche Gestaltung des Gebäudes sowohl innen als auch außen.

Neun Millionen Euro wurden investiert. Fünf Millionen Euro kamen aus der EU-Schulbauförderung und vier Millionen Euro aus dem Kreishaushalt. Das alte Gebäude wurde abgerissen. Mittlerweile hat die Schule auch eine attraktive Außenanlage vorzuweisen.