Letzlingen l Schlagermusik, Kuchen vom Blech, Trödelmarktangebote, Stände der Vereine und viele Spiele für Kinder und Luftballons – so geht Frieden.

Auf dem Letzlinger Marktplatz kamen am Sonnabend zum mittlerweile vierten Sommermarkt Menschen ins Gespräch – darunter auch einige, die in ihren politischen Auffassungen gar nicht übereinstimmen. Bundeswehrsoldaten diskutierten dort friedlich mit den Teilnehmern der Protestaktionen gegen das Gefechtsübungszentrum Altmark. Das indes hat bei den Letzlingern längst einen festen Platz. Und das wollten sie auch in diesem Jahr wieder mit dem Markttreiben demonstrieren.

Sommermarkt soll weitergehen

Gleich nebenan wurde auch demonstriert: Ein Infostand der Linken klärte über die deutsche und internationale Rüstungspolitik auf. Aber auch hier stand die kleine weiße Friedenstaube – nicht nur auf himmelblauen Ballons – über allem. Die schwebten übrigens sogar. Die Protestler hatten keine Ausgaben gescheut und sogar Helium besorgt: „Besser Geld für den Frieden ausgeben, als für den Krieg“, fand Klaus Czernitzki aus Haldensleben, der Ballons und Flyer verteilte. Und auch am Infostand der Rüstungsgegner gab es Kuchen. Den hatten diesmal die Mitglieder der Linken aus dem Wendland mitgebracht. So wurde der Sommermarkt in diesem Jahr fast schon zu einer Gemeinschaftsveranstaltung zwischen Protestlern, Soldaten und Bürgern.

Bilder

Und weil das jährliche Markttreiben als unpolitischer Gegendruck für die Campteilnehmer bei vielen Letzlingern mittlerweile so beliebt sei, sollte es auch weiterlaufen, „von mir aus bis 2020 und egal, ob das Camp stattfindet oder nicht“, wünscht sich Ortsbürgermeisterin Regina Lessing. Sie begrüßte am Sonnabend alle Standbetreiber persönlich, darunter Vereine, die beiden Kreditinstitute und natürlich den Förderverein Schwimmbad Potzehne, der in diesem Jahr wieder die Standgebühr erhalten soll.

Lessing freute sich ebenfalls darüber, dass alles so friedlich verlief. „Wollen wir hoffen, dass das so bleibt.“ Sie hoffte nicht umsonst: Auch das Polizeirevier des Altmarkkreises Salzwedel zog nach dem Einsatz anlässlich der angekündigten Protestaktionen gegen das Gefechtsübungszentrum eine „überwiegend positive Bilanz“.

Friedliche Strategie als bewusste Entscheidun

Im Parleiber Camp, das wieder unter dem Motto „War starts here“ aufgebaut war, seien diesmal „bis zu 85 Teilnehmer“ gewesen. Neben den friedlichen legalen Protestbekundungen nahm die Polizei aber auch 16 Ordnungswidrigkeiten wegen des Betretens des militärischen Sicherheitsbereiches auf. In einem Fall gab es eine Sachbeschädigung durch politisch motivierte Farbschmierereien an einem Hochstand. Einer Person war im Bereich militärischer Einrichtungen ein Fotoapparat abgenommen und beschlagnahmt worden, nach späterer Prüfung dann aber zurückgegeben.

Friedlich und sogar ein bisschen spektakulär ging es schließlich bei der angemeldeten Mahnwache auf der Salchauer Straße zu: Die politische Aktionskünstlerin Cecile Lecomte hatte dort einen Dreibock aufgebaut und demonstrierte schwindelfrei, und ebenfalls ganz friedlich, auf ihre Art gegen das Militär. Dass dies in diesem Jahr offenbar neue Strategie der Campteilnehmer war – nach Angaben der Sprecher 150 Menschen –, geht aus einer Pressemeldung hervor: „Ein Impuls für eine Welt ohne Militär“ könne gesetzt werden „durch spektakuläre Aktion; er kann aber auch erreicht werden durch intensive Begegnung und inhaltliche Vertiefung“, heißt es aus dem Camp. „In diesem Jahr haben uns für das zweite entschieden.“