Mehr zum Beruf

Die Tätigkeit als Barkeeper ist für Quereinsteiger und ausgebildete Fachkräfte möglich. So können erste Erfahrungen als Aushilfe gesammelt werden, während Restaurantfachleute Weiterbildungen besuchen können.

Die wichtigste Eigenschaft eines Barkeepers ist seine soziale Kompetenz: An der Theke ist er auch Ansprechpartner und muss Gäste unterhalten, die womöglich gar nicht wegen der Drinks kommen, sondern wegen der Atmosphäre, zu der die Bedienung beiträgt.

Zu den anderen Aufgaben gehört das Kassieren (Addieren sollte man also können), die Kontrolle der Lagerbestände und das Mixen – eventuell sogar nach eigenen Rezepten.(Quelle: cocktail-welt.net)

Gardelegen l Eigentlich sind Bars nicht so mein Fall. Ich besuche sie ab und zu, aber meist sind sie mir zu laut, zu unübersichtlich und – wenn es schon spät am Abend ist – zu klebrig. Das war aber nur mein Eindruck als Besucher. Hinter der Bar dürfte das ein ganz anderes Gefühl sein, habe ich mir gedacht, weshalb ich mich für die Sommer-Serie als Barkeeper versuche.

Die erste Anweisung: Warten

Es ist Samstag, 18 Uhr, als ich mich mit Andy Jahn, dem Besitzer der Herr (O) Bar, treffe. Theoretisch ist die Bar schon geöffnet, aber wir sind erstmal allein hier. Das werden wir auch eine ganze Weile bleiben, denn das erste, was ich lerne, ist das: Wer eine Bar betreibt, braucht viel Geduld. Es kann Stunden dauern, bis die ersten Gäste eintrudeln. Am frühen Abend haben sie noch andere Dinge vor, bevor sie den Tag bei einem Gläschen ausklingen lassen.

Immerhin: Das bedeutet genug Zeit für ein Vorgespräch, um zu lernen, was ich in meinem Mikro-Praktikum eigentlich zu tun hab. Sicher ist nur, dass an dem Abend „Ladies‘ Night“ ist, Frauen also Rabatt bekommen und damit wohl auch mehr „Ladies“ als sonst kommen werden.

Bilder

„Du weißt nicht, auf was du dich einlässt. Das ist wohl auch besser so.“ Wie ermutigend Andys Kommentar gemeint ist, kann ich nicht genau beurteilen. Er lässt mich wohl ins kalte Wasser fallen, schildert aber immerhin seinen ersten Abend als Barkeeper, der sich wohl eher wie ein Traum anfühlte, weniger wie ein Arbeitstag. Vielleicht ergeht es mir ähnlich.

Schließlich kommt doch jemand in die Bar, Erfahrungen mit Gästen kann ich jedoch noch nicht machen. Sie ist eine der Mitarbeiterinnen, Betty. Wir bleiben also erstmal in der Vorbereitungsphase, in der ich einen kurzen Überblick über die Einrichtung bekomme: welche Getränke stehen wo, welche Gläser brauche ich für welche Drinks, was sind wichtige Werkzeuge, und besonders wichtig: Wo ist eigentlich die Rezepte-Liste? Ganz unvorbereitet will ich da ja nicht sein.

Meine erste Aufgabe gibt es nun auch. Später werden eine Menge Obstspieße gebraucht, und die werden jetzt vorbereitet. Also helfe ich Betty dabei – immerhin was zu tun. Allerdings wird so für uns beide die Arbeitszeit kürzer und damit die Wartezeit, die danach weitergeht, noch ein Stück länger. Betty schildert mir noch kurz ihren ersten Abend in der Bar, von dem sie durch den ganzen Stress wohl auch nicht viel behalten hat.

Mittlerweile sind auch meine anderen Kollegen für diesen Abend da, Ann und Brunki. Bevor die ersten Gäste kommen, kriege ich ein ungefähres Bild davon, wie sich die anderem in dem Job eingelebt haben: Auf bestimmte Gäste freuen sie sich offenbar, auf andere weniger. Einer hat wohl angekündigt, im Tütü zu kommen, um den Damen-Rabatt abzustauben ...

Die Arbeit hier geht später los

Es ist schon 20 Uhr durch, als die Ladies‘ Night offiziell startet. Zwei Frauen kommen durch die Tür, suchen sich einen Tisch und geben ihre Bestellung auf. Die Kassierung übernimmt ein Kollege – an die Finanzen gehe ich als Aushilfe lieber nicht ran – aber ich darf eine Bestellung übernehmen. Mein erster Drink des Abends wird ein „Ladykiller“ – das erste Mal, dass ich ein Getränk nach Rezept mische und nicht einfach nach Bauchgefühl.

Die Rezepte kann ich aber noch lange nicht auswendig, daher erstmal unter Anweisung (und Beobachtung) der anderen: Gin, Cointreau und Brandy kommen mit Ananas- und Maracujasaft in die Becher, Eis rein, kräftig schütteln, abfüllen, Obstspieß rein, dann mit Servietten und Deckeln aufs Serviertablett. Ist doch gut gelaufen, und dass später keine Beschwerden kamen, nehme ich einfach mal als Anerkennung meiner Mixkünste.

Die erste Runde lief also entspannt, aber jetzt kommen nach und nach weitere Gäste herein. Dann scheint es, als würde sich die Bar auf einen Schlag füllen, während es hinter der Theke ein ganzes Stück unruhiger wird. Jetzt kommt meine zweite wichtige Lektion des Abends: Die Arbeit in der Bar kommt schubweise.

Denn alle Neuankömmlinge wollen auch gleich etwas zu trinken, die Bar läuft also auf Hochtouren. Ein wenig hoffe ich, dass sich meine sonstige Berufserfahrung hier bezahlt macht – lange Vorbereitung und dann die ganze Arbeit im Schnelldurchlauf zu machen, entspricht auch in etwa meinem Schreibstil.

Die Kollegen hatten aber lange Zeit, sich an den Trubel zu gewöhnen. Sie kassieren, bedienen, und mischen, ohne erst die Zutaten-Liste zu lesen – alles wie eine gut geölte Maschine. Mich, in der Metapher das ungeschliffene neue Bauteil, kriegen sie trotzdem in ihrem Arbeitsrhythmus unter: Leere Flaschen wegbringen, dafür neue holen, wenn sie gebraucht werden, Gläser durch die (überraschend schwierige) Spüle bringen.

Einiges passiert auf ihre Anweisung hin, ein paar Sachen erkenne ich aber schon selbst, die erledigt werden müssen. An ein paar Drinks kann ich mich auch noch versuchen: hier mal ein „Cuba Libre“, da ein „Sex on the Beach“, zwischendurch ein „Gin Tonic“.

Der Ansturm legt sich

Ein wenig merke ich jetzt auch, was die anderen mit ihren Schilderungen meinten: So ganz wirklich fühlt sich das nicht an. Aber der erste große Ansturm ist nun durch. Hinter der Theke kehrt wieder ein wenig Ruhe ein.

Ein gewisser Arbeitspegel bleibt trotzdem, alle sind jetzt durchgängig beschäftigt, und ich merke als Neuling, dass ich jetzt eher im Weg rumstehe als wirklich auszuhelfen. Nach etwas mehr als vier Stunden beende ich also mein Mikro-Praktikum und lasse mir von Andy eine kurze Einschätzung geben.

„Ich würde sagen: Zwei bis drei Wochen, dann kannst du die ersten Rezepte auswendig“, sagt der. Ein Abend allein reicht also nicht als richtiger Eignungstest. Aber Schaden habe ich zum Glück nicht angerichtet – vor allem in Anbetracht des ganzen Glases, mit dem ich hantieren musste – und mit etwas Einarbeitung stelle ich mir die Arbeit hinter dem Tresen einer Bar schon cool vor.

Eine sofortige Umschulung plane ich zwar trotzdem noch nicht. Den Job als Barkeeper schreibe ich mir aber schon mal vorsorglich als möglichen Plan B auf.

Hier geht es zum letzen Teil der Serie, in dem Ralf Franke seine Erfahrungen als Landwirt schildert.