Kalbe. Elias ist ein freundlicher kleiner Kerl mit einem niedlichen Lächeln. Dem Zweijährigen ist nicht anzumerken, was er gerade durchzustehen hat. Der Junge aus Kalbe ist an einem sehr seltenen und aggressiven Hirntumor erkrankt.

Im Dezember traten bei ihm erstmals Zitter-, dann auch kurze Ohnmachtsanfälle auf. Im Januar gab es nach intensiven Untersuchungen in Magdeburg die niederschmetternde Diagnose. Seither erhält Elias in der dortigen Universitätsklinik eine dreigleisige Therapie. Sie hat mit einer langwierigen Operation begonnen, bei der der Tumor allerdings nicht komplett entfernt werden konnte, und zieht nun abwechselnd und über mehrere Monate Chemotherapien und Bestrahlungen, die bei kleinen Kindern stets unter Vollnarkose erfolgen müssen, nach sich.

Familie an Grenze der Belastbarkeit

Die Betreuung vonseiten der Familie sicherzustellen, bringt die Eltern inzwischen an die Grenze der psychischen, aber auch der wirtschaftlichen Belastbarkeit. Genau aus diesem Grund haben Mitglieder des Elternrates der zur Arbeiterwohlfahrt (Awo) gehörenden Kita „Pünktchen“ in Kalbe, in der Elias bislang betreut worden ist, eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Sie soll der Familie des erkrankten Jungen dabei helfen, dauerhaft sicherzustellen, dass er immer eine Bezugsperson in seiner Nähe hat.

Vater Michael Blume ist seit dem ersten Behandlungstag permanent an der Seite seines kleinen Sohnes, versucht, ihn spielerisch abzulenken und ihn zu unterhalten. Zuweilen, das gibt der Papa zu, ist es aber auch umgekehrt. Denn Elias ist trotz seiner Erkrankung ein sehr aufgewecktes Kind. Mit Gleichaltrigen spielen oder gar draußen herumtollen, das geht im Moment aber gar nicht. Denn wegen der Schwere der Behandlung und der daraus resultierenden Auswirkungen auf das Immunsystem muss der Junge teilisoliert werden. Immer, wenn die nächste Therapie ansteht, hält Michael Blume Elias die Hand. Nachts schläft der Vater im Elternhaus, das von der Stiftung Elternhaus am Universitätsklinikum Magdeburg geführt wird. Morgens begibt er sich wieder zu seinem Kind, um tagsüber bei ihm zu sein. Das medizinische Personal ist dankbar für diese Unterstützung der Eltern.

Auch Mutti Angelika Kühnast schaut mehrfach in der Woche bei Elias vorbei. Jedoch muss die 41-jährige Krankenschwester, die seit der Diagnose ihres Jüngsten krankgeschrieben ist, auch den Familienbetrieb zu Hause aufrechterhalten. Immerhin gibt es noch drei weitere, minderjährige Kinder, die versorgt werden wollen. Insgesamt zählt die Familie Blume/Kühnast sieben Söhne und Töchter. „Wir sind eine bunte Patchwork-Truppe“, sagt Michael Blume. Und für einen kurzen Moment stellt sich ein Lächeln in seinem Gesicht ein.

Vater kann nicht in seinen Beruf zurück

Dabei sind die Sorgen, die ihn und seine Frau plagen, unermesslich. Denn neben der psychischen Belastung, die Elias´ Diagnose mit sich gebracht hat, kommt noch erschwerend die wirtschaftliche Situation der Familie hinzu. „Überfluss gab es bei uns nie. Doch bislang mussten wir nie Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Michael Blume. Jetzt aber ist alles anders.

Der Vater selbst ist seit einem Arbeitsunfall im Jahr 2008, bei dem er sich einen Fuß gebrochen hatte und bei dem dann arge Probleme bei der nachfolgenden Behandlung aufgetreten waren, sowie nach einem weiteren Zwischenfall mit demselben Fuß im Jahr 2015 schwer gehandicapt. Seinen Beruf in der Transport- und Logistikbranche kann er nicht mehr ausüben. Der 49-Jährige wird immer wieder von Schmerzattacken geplagt und ist seit vielen Monaten krankgeschrieben. Im März wird er eine Umschulung zum Industriekaufmann beginnen. Dann wird seine Frau unter der Woche tagsüber bei Elias sein, während die erwachsen Kinder, die nicht mehr im elterlichen Haushalt leben, dorthin zurückkehren und sich um die kleineren Geschwister kümmern werden. Doch von Dauer kann diese Lösung nicht sein. Denn auch bei der Mutter haben sich inzwischen körperliche Probleme eingestellt, die sie demnächst für mehrere Wochen stationär in einem Krankenhaus behandeln lassen muss. Für diese Zeit möchte Michael Blume dann wieder an Elias Seite sein und hofft, dass sich für diese Zeitspanne irgendeine Lösung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen herbeiführen lässt.

Dann streicht er liebevoll über das Haar seines Jüngsten. „Elias“, so sagt der Vater, „hat ein echtes Kämpferherz“. Das habe sich schon gleich nach seiner Geburt gezeigt. Der Kleine kam als Frühchen auf die Welt. Noch als Baby musste er dann für längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden, weil er einen Darmverschluss erlitten hatte. Es stand aufs Messers Schneide. Doch der Junge hat sich wieder ins Leben zurückgekämpft.

Kurzer Moment des Glücks: Joey Kelly kam

„Und auch jetzt“, so erzählt der Vater, „steckt er bislang alles ganz gut weg. Er ist ein echter Sonnenschein, der alle anlacht und immerzu erzählt.“ Doch Michael Blume weiß, auch dank guter Aufklärung vonseiten der Ärzteschaft, dass sich alles von jetzt auf gleich ändern kann. Umso dankbarer ist er, dass Elias und ihm in Aussicht gestellt worden ist, die Klinik zwischen den Therapien mal verlassen zu dürfen, um einen kurzen Abstecher nach Hause zu machen. Ein anderer Moment, der Vater und Sohn vor wenigen Tagen ebenfalls vorübergehend happy gemacht hat, war der Besuch von Joey Kelly auf der Station. Als dieser, der sich seit Jahren für die Kinderkrebsforschung engagiert, nämlich mit seinen Geschwistern in der Getec-Arena spielte, machte er zuvor einen Abstecher in die Uniklinik und sprach dort den kleinen Patienten, aber auch ihren Eltern Mut zu.

Konten bei zwei Banken eröffnet

Zuspruch erhalten Michael Blume und seine Frau aktuell aber auch von jenen Menschen, die vom Schicksal der Familie erfahren. Nicht nur in der Kleinstadt Kalbe selbst lässt dieses niemanden kalt. Und die Menschen wollen helfen, die Eltern ein wenig finanziell zu entlasten, damit sie auch weiter die täglichen Besuche beim kleinen Elias, die monatlich mehrere Hundert Euro an Spritkosten verschlingen, sowie den eigentlichen Familienbetrieb zu Hause sicherstellen können.

Aus diesem Grund sind im Beisein von Vertretern der Awo bei den beiden ortsansässigen Banken Spendenkonten für Elias eingerichtet worden. Zudem ist ein Informationsrückfluss darüber vereinbart worden, wie das Geld künftig verwendet wird, das dort eingeht. Beide Konten laufen auf den Namen Elias Kühnast. Bei der Sparkasse Altmark-West lautet die IBAN-Nummer DE44 81055555 1200 1830 25, die BIC hingegen lautet NOLADE21SAW. Bei der Raiffeisenbank Kalbe-Bismark gilt folgende IBAN-Nummer: DE13 81063028 0000 0018 05, die BIC heißt GENODEF1KAB.