Gardelegen l Ein hässlicher Holzzaun, dahinter wucherndes Strauchwerk – mitten in der Stadt. Das Grundstück an der Breitscheidstraße, wo einst das schmucke Trüstedtsche Haus, Baujahr 1648, stand, gehört zu den wenigen, aber großen städtebaulichen Missständen in Gardelegens Innenstadt. „Wir brauchen einen Investor, der das Trüstedtsche Haus wieder aufbaut“, betonte Stadt-Bauamtsleiter Engelhard Behrends beim zweiten Gardeleger Stadtspaziergang. Der bisher letzte Akt der traurigen Geschichte des Hauses mit seiner einst markanten Fachwerkfassade war der Versuch einer Versteigerung. „6000 Euro sollte das kosten. Es hatte sich auch mal einer bei mir gemeldet, aber der kam nie wieder. Ich kenne aber einen, der großes Interesse daran hat und heute sogar hier ist“, meinte Behrends mit Blick auf den Geschäftsführer der Gardeleger Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), Wolfgang Oelze. Der bestätigte den Sachverhalt, verwies aber auf das Problem des Hinterhauses, das laut Denkmalschutz erhalten werden müsse.

Versteigerung scheiterte

Im Moment sei die Immobilie noch im Privatbesitz. Der Eigentümer sei zahlungsunfähig. Aus diesem Grund fand Ende 2017 die Versteigerung statt. Geld hatte sich auch der Landkreis erhofft. Etwa 40.000 Euro sind noch offen vom Abriss des einsturzgefährdeten Gebäudes im Jahr 2014 als Ersatzvornahme durch den Landkreis. Bieter gab es bei der Versteigerung nicht.

„Das hintere Gebäude müsste weg. Das stört und ist zu nichts zu gebrauchen“, so Oelze. Einen solchen Fall hatte die Wobau schon mal in der Sandstraße bei der Sanierung eines Wohnhauses. Auch dort gab es ein Gebäude auf dem Hof, das die Wobau abreißen wollte, aber nach Forderungen des Denkmalschutzes nicht durfte. Das Gebäude musste saniert werden. „Das hat uns damals die Kleinigkeit von 200.000 Euro gekostet“, sagte Oelze.

Er würde das Gebäude mit einer Fachwerkfassade wieder aufbauen. „Und dahinter vier top moderne Wohnungen. Das wäre der Plan“, so Oelze, „aber vorher müssten erst einmal ein Forstbetrieb und ein Abrissunternehmen rein.“