Gardelegen l Sitzung im Wasserverband Gardelegen. Auf dem Tisch liegt eine ganz normale Beschlussvorlage. Die allerdings liest sich fast wie ein Krimi. Und zwar wie einer mit humoristischen Einlagen, aber ernstem Hintergrund.

Der Titel: „06/2018 - Wächterstaße“. Die Protagonisten: der Gardeleger Wasserverband und eine Stendaler Tiefbaufirma.

Und die verstehen sich zu Beginn der Handlung auch noch ganz gut. Das gemeinsame Projekt, die Erneuerung der Schmutzwasserleitung unter historischem Pflaster ist gut durchgeplant. Im Wasserverband herrscht sogar eitel Freude: In der Verbandsversammlung im März 2018 wird informiert, „dass durch die frühe Ausschreibung und Submission (...) die Ergebnisse deutlich besser ausfielen, als erwartet.“

Fast 30.000 Euro weniger, als eingeplant, nämlich nicht mehr rund 100.000, sondern nur noch rund 70.000 Euro soll der Austausch der alten Leitungen kosten. Das passt gut. Denn auch in anderen Straßen ist das Leitungsnetz alt. Im Kiefernweg muss zum Beispiel auch gebaut werden. Dort wird das Geld verplant.

Doch dann kommt alles anders: „Im Rahmen des Baufortschrittes“ werden von der Stendaler Firma Kostensteigerungen angezeigt. Die Baugrube rutscht permanent nach.

Und hier kommen nun die Bösewichte des Krimis ins Spiel. Schuld sind der „stark gestörte Boden“ und eine tote Gasleitung. Die machen den Protagonisten das Leben schwer. Sie lassen nämlich Baggerarbeiten nicht zu. Plötzlich muss von Hand geschachtet werden. Eine stärkere Verschalung muss auch her, ein sogenannter Holzbohlenverbau. Das kostet. Rund 60.000 Euro will die Tiefbaufirma allein für die Verschalung. Das baut Spannung auf. Denn solche Preise findet der Wasserverband einfach nur „unangemessen“.

Was dann kommt, hätte aber wohl jeder Krimiregisseur als unrealistischen Filmstoff abgelehnt. Denn nun folgen Nachtragsangebote, die unterschiedlicher nicht sein können, und immer wieder die prompte Ablehnung durch den Wasserverband.

Bitterer Nachgeschmack

Der Ausgang des Krimis hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Denn es gibt zwar ein Happy-End der Vernunft: Der Wasserverband macht seinerseits ein Angebot in Höhe von 71.700 für das Gesamtnachtragspaket und einigt sich mit dem Tiefbaubetrieb. Die damit einhergehende Kostensteigerung von 100 Prozent bleibt allerdings eine schlechte Pointe.

Übrigens: Eine Fortsetzungskrimifolge ist auch schon absehbar: „Mangels eines wirtschaftlichen Angebotes“, hatte der Wasserverband im Mai die Ausschreibung für den Kiefernweg aufgehoben. Die Betonung liegt auf „wirtschaftlich“. Eine neue Ausschreibung für 2018 habe „keine Erfolgsaussichten“.