Die 10 Landkreise oder kreisfreien Städte mit der durchschnittlich niedrigsten Lebenserwartung in Deutschland (2015 und 2017)

Männer Jahre

Bremerhaven 75,82

Stendal 76,07

Salzlandkreis 76,38

Vorpommern- Greifswald 76,62

Wittenberg 76,62

Anhalt Bitterfeld 76,78

Gelsenkirchen 76,78

Unstrut-Hainich-Kreis 76,79

Sömmerda 76,86

Herne 76,92

Frauen Jahre

Salzlandkreis 81,77

Anhalt-Bitterfeld 82,10

Gelsenkirchen 82,18

Kyffhäuserkreis 82,23

Harz82,25

Mansfeld-Südharz 82,26

Herne 82,31

Börde 82,39

Altmarkkreis Salzwedel 82,40

Jerichower Land 82,44

Altmark l Die gute Nachricht zuerst: Die Wiedervereinigung hat den Ostdeutschen laut einer Studie des Max-Planck-Institutes für demografische Forschung in Rostock einen erheblichen Aufschwung in Sachen Lebenserwartung beschert. Derzeit haben deutsche Frauen eine Lebensspanne von 83,3 Jahren, Männer von 78,5 Jahren. Bei den Frauen gibt es mittlerweile praktisch auch keinen Unterschied mehr zwischen Ost und West. Die ostdeutschen Männer sterben im Durchschnitt zwar noch gut ein Jahr vor ihren westdeutschen Geschlechtsgenossen. Auch ihre Lebenserwartung hat sich aber schon deutlich angenähert. Und dennoch gibt es innerhalb von Deutschland große Unterschiede. Etliche Jahre Leben liegen zum Beispiel zwischen einer durchschnittlichen Frau aus dem Salzlandkreis und einer Starnbergerin (Oberbayern), die statistisch 5,4 Jahre älter wird.

Immerhin 3,9 Jahre länger als der durchschnittliche Bremerhavener lebt der Mann aus dem Landkreis München. Im Süden Deutschlands leben die Menschen also deutlich länger, haben Prof. Dr. Roland Rau vom Max-Planck-Institut und sein Kollege Prof. Dr. Carl Schmertmann vom Center for Demography and Population Health in Florida herausgefunden: „Ländliche Kreise im Osten sowie einige Kreise des Ruhrgebietes“ gehören laut ihrer Studie dagegen zu den Regionen mit einer deutlich niedrigeren Lebenserwartung. Darunter ist auch die Altmark. 402 Landkreise gibt es in Deutschland. Im Ranking der zehn Landkreise und kreisfreien Städte mit der niedrigsten Lebenserwartung ist die Altmark gleich zweimal vertreten (siehe Infokasten). Die Frauen im Altmarkkreis Salzwedel liegen auf Rang 9. Es gibt also nur noch acht Landkreise, in denen die Frauen noch früher sterben.

Männer auf dem vorletzten Platz

Die Männer in Stendal sind in der Studie sogar noch schlechter platziert: Sie belegen den vorletzten Platz in der Statistik. Lediglich ihre Geschlechtsgenossen in Bremerhaven haben durchschnittlich noch eine kürzere Lebenserwartung. Doch woran liegt das? Immerhin liegt der Grad der Luftverschmutzung in der ländlichen Altmark auf sehr niedrigem Niveau. Nur wenige Menschen leben, im Verhältnis zu ihrer großen Fläche, in der Altmark. Es gibt nur wenig Belastung durch Verkehr oder Industrie. Tatsächlich spiele die Bevölkerungsdichte zwar eine Rolle in der Statistik, macht Professor Roland Rau auf Volksstimme-Nachfrage klar, allerdings eher eine untergeordnete. Und auch wer vermute, dass sich die geringe Ärztedichte in der Region besonders negativ auswirkt, liege damit falsch: „Die Versorgung mit Ärzten hat einen Einfluss“, betont Rau, aber der sei noch geringer, als der der Bevölkerungsdichte.

„Wir haben herausgefunden, dass die wirtschaftlichen Faktoren den größten Einfluss haben“, macht der Wissenschaftler klar. Hartz-IV-Quote und Arbeitslosigkeit seien die Indikatoren, die sich am meisten auf die Lebenserwartung der Bürger auswirken. Auch Regionen mit hoher Kinderarmut und Wohngeldempfänger und die Zahl derjenigen, die im Alter eine Grundsicherung beantragen müssen, stehe in deutlichem Zusammenhang mit einer statistisch gesehen niedrigeren Lebenszeit. Heißt das Fazit also: Arbeit verlängert das Leben? „Das ist gar nicht so falsch“, bestätigt Rau schmunzelnd. Aber natürlich spielten immer viele Faktoren eine Rolle.

Die Schlussfolgerung, die die beiden Wissenschaftler aus ihrer Studie ziehen, zeigt indes klar, wohin der Weg gehen müsste, um die Lebenserwartung der Altmärker zu verlängern: „Wir finden keine durchgängigen Stadt-Land-Unterschiede bei der Lebenserwartung. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Maßnahmen, die die Lebensstandards für ärmere Teile der Bevölkerung verbessern, am ehesten dazu geeignet sind, die existierenden Unterschiede in der Lebenserwartung zu reduzieren.“ Die Studie ist im Internet zu finden unter: www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=214715