Stadtplanung

Tafelausgabe im alten Backhaus

Gleich mehrere Nutzungsvorschläge hat CDU-Stadtrat Andreas Finger für das alte Back- und Bethaus auf dem Hof des Großen Hospitals.

Von Cornelia Ahlfeld

Gardelegen l „Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Stadt Gardelegen, die Wobau und der Wasserverband verdienen großes Lob dafür, dass sie sich für eine längerfristige Nutzung des Großen Hospitals stark gemacht haben und so weiterhin für Leben in dem alten Gemäuer sorgen“, heißt es in einem Schreiben des CDU-Stadtrates Andreas Finger an die Gardeleger Volksstimme-Redaktion. Ein stadtbildprägendes Ensemble im denkmalgeschützten Zentrum der Stadt werde saniert und bleibe so als historisches Zeugnis von bürgerlich-sozialer Verantwortung aus der Geschichts- und Hansezeit erhalten.

„Nun befindet sich, den Blicken und der Kenntnislage vieler Gardeleger entzogen, auf dem Hof des Hospitalgeländes ein jahrhundertealtes Back- und Bethaus mit einem wohl noch älteren Backofen“, so Finger. Dieses Gebäude sei vom ehemaligen Kreis Gardelegen Anfang der 1990-er Jahre noch als bedeutend genug angesehen worden, um mit viel Fördergeld eine Sanierung zu beginnen. Und dieses Haus soll nun, weil es den „Ausblick der künftigen Mieter stören könnte und um Platz für Parkplätze zu schaffen“, abgerissen werden.

„Und was niemand wusste: Ein Antrag auf Abriss war bereits längst gestellt“, zeigte sich Finger verwundert. Glücklicherweise hätten nach Bekanntwerden dieses Sachverhaltes einige Formalien neu angegangen werden müssen, so dass noch eine Chance bestehe, dieses bedeutsame Gebäude noch rechtzeitig vor der Spitzhacke zu bewahren.

Der Kultur- und Denkmalpflegeverein habe bereits den Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles gefordert. Die Stadt habe eine Ideensuche für eine mögliche Nutzung des Hauses gestartet.

„Aus meiner Sicht käme es dem sozialen Stiftungssinn am nächsten, wenn die Tafel das Backhaus nutzen würde“, so Finger. Möglich sei aber auch ein integrativer Treffpunkt für Migranten und Helfer oder ein Anschluss des Hauses mit Tagungsräumen ans Hospitalgebäude. Das Backhaus könnte auch als Ausstellungsraum oder als Galerie für heimische Künstler genutzt werden.

„Falls sich augenblicklich keine geeignete Lösung anbieten sollte, könnte das Backhaus baulich gesichert und in der Übergangszeit als Lager- und Entsorgungsraum genutzt werden“, schlug Finger vor.

Zuviel sei in Gardelegen schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen, nicht nur das Trüstedtsche Haus. Das „Weiße Ross“, Gardelegens größtes Fachwerkhaus, sei in den 1970-er Jahren ebenso emotionslos abgerissen worden, wie auch der Goldene Ring. „Dieses mittelalterliche Städtebauensemble musste weichen, weil die Autos sonst nicht mit Tempo 50 durch die als Fernverkehrsstraße F 71/188 deklarierte Sandstraße hätten fahren können“, erinnerte Finger. Nur gut 30 Jahre später hatte Gardelegen seine Umgehungsstraße. Die F 71 und F 188 seien längst Geschichte, „aber der Goldener Ring ist für immer weg“.

„Ich spreche mich klar gegen einen Abriss oder eine sinnentleerte Umsetzung auf eine grüne Wiese aus. Hier handelt es sich um ein einzigartiges denkmalgeschütztes Ensemble aus der Hansezeit, wofür wir als Hansestadt eine besondere Verantwortung tragen“, betonte Finger.

Zur Vorgeschichte: Das Große Hospital ist noch formal im Besitz der Stiftung. Vertraglich wurde mit der Gardeleger Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ein Verkauf an die Wobau geregelt. Die Stiftung steht aber noch im Grundbuch als Eigentümer. Die hatte den Abriss des Backhauses beantragt. Denn die Wobau will das Hospital sanieren. Mieter wird der Gardeleger Wasserverband. Um Platz auf dem Hof zu schaffen, soll das Backhaus abgerissen werden. Diese Pläne wurden teils scharf öffentlich kritisiert. Der Stiftungsrat hatte daraufhin eine Ideensuche beschlossen. Noch bis zum 30. März können realisierbare Ideen in der Stadtverwaltung eingereicht werden. Sollten keine Vorschläge kommen, wird die Wobau erhaltenswerte Teile des Backhauses einlagern – sofern der Abriss genehmigt wird.