Gardelegen l Bis zum 8. September müssen die Geschäftsräume geschlossen sein. Bis zum 31. Oktober sollen sämtliche Tiere vermittelt werden. „Ermittlungen des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes haben ergeben, dass der Tierschutzverein Gardelegen/Klötze nachweislich seit November 2016 illegal Hunde aus Ungarn nach Deutschland einführt und über das Gardeleger Tierheim weiter vermittelt. Da dieses zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, wird dem Tierschutzverein die Erlaubnis zum Betreiben des Tierheimes Gardelegen entzogen“, heißt es kurz und knapp in einer schriftlichen Pressemitteilung. Es gebe zwei Fristsetzungen, erläuterte Kreissprecherin Birgit Eurich gestern auf Anfrage. Bis zum 8. September müssten die Geschäftsräume geschlossen werden. Bis zum 31. Oktober seien sämtliche Tiere zu vermitteln. Nähere Einzelheiten konnte Eurich gestern dazu nicht mitteilten. Sie verwies auf Montag.

Fundtiere werden nach Satuelle gebracht

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig hatte bis gestern noch keine offiziellen, schriftlichen Informationen vom Landkreis. Bisher habe es lediglich Telefonate gegeben. Ab sofort sollen neue Fundtiere in das Tierheim Satuelle gebracht werden. „Wir haben schon Kontakt aufgenommen“, sagte Zepig. Wie das Ganze weiter gehen soll, sei derzeit noch völlig unklar. Fakt sei, die Stadt hatte vor, mit dem Tierschutzverein über höhere Pauschalen zu verhandeln. Das Angebot der Stadt sollte bei 1,20 Euro pro Einwohner liegen. Das sollte auch Thema in der jüngsten Sozialausschusssitzung sein. Allerdings habe der Tierschutzverein kurzfristig seine Teilnahme abgesagt, so Zepig. Die Situation sei bedauerlich, zumal es die Stadt erst ermöglicht hatte, dass zwei Kräfte für jeweils 30 Wochenstunden fest im Tierheim angestellt werden konnten, damit die Betreuung der Tiere nicht mehr ausnahmslos über ehrenamtliche Kräfte erfolgen müsse. Zepig betonte mit Blick auf einige Facebook-Kommentare, dass die Stadt „in diesem Verfahren keine Beteiligungsrolle“ habe.

Marianne Wigger, hauptamtliche Leiterin des Tierheimes, will von Hunden aus Ungarn zunächst nichts gewusst haben, sagte sie gestern auf Anfrage. Verantwortlich sei Kurt Gewasda, der Leiter des Gardeleger Tierschutzvereines. „Wir wussten nichts von diesen Hunden“, betonte sie, „das ist eine Sache, die Herr Gewasda gemacht hat. Die Hunde kamen, wenn ich nicht da war.“ Ja, ungarische und rumänische Hunde habe es ab und zu gegeben im Heim. Aber das seien ihrer Meinung nach Tiere gewesen, die Leute abgegeben hatten, die nach einer Internet-Adoption mit ihnen nicht klar gekommen seien. Gewasda sei ihr Vorgesetzter gewesen, sie habe ihm vertraut. „Wenn der Chef etwas macht, ist das schon in Ordnung“, habe die gelernte Buchhalterin geglaubt, „ich bin erst seit einem Jahr da, steckte noch in den Kinderschuhen und war noch nicht sattelfest.“ Die Tiere aus Ungarn seien aber wie alle Hunde im Heim geimpft und gechippt gewesen und hätten einen ordnungsgemäßen Impfausweis gehabt. „Dass es Hunde waren, die dort nicht hätten sein sollen, habe ich erst bei der Kontrolle des Veterinäramtes am 4. Juni erfahren“, so Wigger.

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Kein Kommentar von Kurt Gewasda

Kurt Gewasda reagierte zurückhaltend auf die Vorwürfe. Er werde den Fall dem Deutschen Tierschutzbund und dessen Rechtsabteilung vorlegen, die sollen das prüfen. Ansonsten wollte er sich nicht weiter zum laufenden Verfahren äußern. Nur soviel: „Die wollen uns hier loswerden. Da ist irgend jemand, der hat etwas gegen uns“, so sein Verdacht.

Umso beredter macht sich seine Frau Petra Luft: „Wir haben gedacht, wir tun etwas Gutes“, sagte sie. Man habe dem Heim in Ungarn helfen wollen und ihnen einige Hunde abgenommen. Reich werde man mit Heimhunden in dem Alter nicht, eventuelle Einnahmen habe man dem Heim in Ungarn gegeben.

Wie es weitergeht, ist unklar. Heidemarie Hintsch, die ehrenamtlich die Katzen betreut, sorgt sich um die älteren Tiere. „Einige sind schon zehn Jahre hier und nicht mehr vermittelbar“, sagte sie. Rund 30 Katzen und fünf Hunde sind im Tierheim. Wie die Tiere bis zum 31. Oktober vermittelt werden sollen, wenn das Büro schon am 8. September geschlossen werden muss, ist auch unklar.

Der Kreis hatte dem Verein schon einmal im Oktober 2015 die Betriebserlaubnis aus hygienischen und bürokratischen Gründen entzogen. Im Juni 2016 konnte die Einrichtung wieder geöffnet werden – mit einer befristeten Betriebserlaubnis für ein Jahr (wir berichteten).