Wustrewe l „Sie haben uns ein technisches Denkmal zurückgegeben. Ihr Engagement ist ein Beleg für Heimatliebe.“ Mit diesen Worten und mit einem Blumenstrauß hat Bürgermeister Karsten Ruth am Sonnabendnachmittag der ehemaligen Wustrewerin Anke Duhm für ihren Einsatz gedankt. Nur diesem ist es zu verdanken, dass der historische Halbmeilenstein im Dorf gereinigt und saniert werden konnte und dass es dort nun sogar eine Informationstafel gibt, auf der erklärt wird, was es mit dem Obelisken überhaupt auf sich hat. Anke Duhm, die mit Mann und Kindern in der Nähe von Lüchow lebt, oblag es nun natürlich auch, diese Tafel feierlich zu enthüllen.

Das geschah im Beisein ihrer eigenen Familie sowie ihrer Eltern, die nach wie vor in Wustrewe zu Hause sind. Aber auch die Restauratorin Cathrin Bothmann war aus der Börde angereist, um dem feierlichen Ereignis beizuwohnen. Genau wie Olaf Grell von der Forschungsgruppe Meilensteine, einem eingetragenen Verein, „ohne den das Ganze hier gar nicht möglich gewesen wäre“, wie Anke Duhm sagte.

Vor knapp zwei Jahren hatte sie damit begonnen, im Internet zu recherchieren, was es wohl mit dem Stein in ihrem früheren Heimatort auf sich haben könnte, um den sich niemand so recht zu kümmern schien. Dabei war sie dann auf die Forschungsgruppe gestoßen, hatte Kontakt zu ihr aufgenommen und auch sogleich umfangreiches Informationsmaterial von Olaf Grell bekommen.

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7,5 Meilen vom Uenglinger Tor entfernt

Demnach handelt es sich um den einzigen, im Original erhaltenen Halbmeilenstein der einstigen Poststraße zwischen Berlin, Stendal und Salzwedel. Er stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1803, als die Straße als eine Art „Autobahn“ – O-Ton Anke Duhm – durch die Altmark führte. Der Obelisk, der nach Angaben von Olaf Grell „7,5 Meilen vom Uenglinger Tor in Stendal entfernt“ steht, kennzeichnete die Halbmeilendistanz und diente Reisenden dazu, sich in puncto Wegezoll orientieren zu können. Den erhob nämlich der preußische Staat auf dieser Strecke. Als er wenige Jahre später mit Frankreich in den Krieg trat, verlor der Halbmeilenstein jedoch seine Bedeutung – und geriet nach und nach in Vergessenheit.

Später wurde er auch mal mit Farbe übertüncht. „Und es war eine echte Herausforderung, ihn zu reinigen“, sagte Cathrin Bothmann, die am Sonnabend auch noch einmal kurz erklärte, welche Restaurationsarbeiten sie an dem Obelisken vorgenommen hat. Demnach musste sie den Sandstein erst einmal ordentlich tränken und neu befestigen, bevor sie ihn mit einem von ihr angerührten Spezialgemisch von der Farbe befreien konnte, bei der es sich möglicherweise um Wohnzimmerfarbe aus DDR-Produktion gehandelt habe. Offenbar habe da jemand dem Stein etwas Gutes tun wollen – und das Gegenteil bewirkt. Denn mit Denkmalschutz hatte dieses Übertünchen wenig zu tun.

Einziger Halbmeilenstein im Originalzustand

Nachdem der Obelisk wieder in seinen Originalzustand versetzt worden war, wurde sein Umfeld auch neu gepflastert. Mitarbeiter der Stadt – ihr gehört das Areal – richteten zusätzlich eine Zuwegung her. Schließlich soll künftig auch jene Infotafel zu Fuß zu erreichen sein, die nun am Sonnabend feierlich enthüllt wurde.

Und dabei durfte auch Bankdirektor Dieter Schulze von der Raiffeisenbank Kalbe-Bismark nicht fehlen. An ihn war Anke Duhm einst mit der Bitte um Sponsoring herangetreten. Und er wiederum hatte sich dann bei der VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken dafür eingesetzt, dass sie dieses rund 2700 Euro teure und überregional bedeutsame Vorhaben zu 90 Prozent fördert. Die restlichen 10 Prozent übernahm die Bank selbst.

Der Obelisk, so erklärte Anke Duhm nach Rücksprache mit Anne Haase von der Tourist-Info Kalbe, werde nun auch in das Tourismuskonzept der Einheitsgemeinde eingebunden. Und der eine oder andere habe inzwischen auch schon am Stein angehalten und sich durchgelesen, was auf der Infotafel stehe. Das jedenfalls hätten Anwohner berichtet.

Zu ihnen gehören auch Ursula und Bernhard Wilke. Sie haben der Restauratorin während der Sanierungsarbeiten nicht nur mit reichlich Wasser ausgeholfen, sondern sie luden am Sonnabend auch zu einer Kaffeetafel in ihre windgeschützte Hofeinfahrt ein. Den Kuchen, den es dort dann gab, den hatten die Eltern von Anke Duhm beigesteuert.