Jeggau l Auf seinem T-Shirt steht der Slogan „Arbeit für den Frieden“ in vielen Sprachen, denn Frieden ist das Wichtigste im Leben, sagt Helmut Eichmann. Deshalb wird der 68-Jährige auch nicht müde, über das Thema zu sprechen.

Zwei Wochen lang ist er in diesem Sommer in friedlicher Mission unterwegs. Trifft sich mit Menschen an Orten, an denen an die Opfer der vergangenen Kriege erinnert wird. Aber er redet mit ihnen auch über die aktuelle Politik: „Ich finde, die Situation verschlimmert sich immer mehr“, sagt er. Die Menschen wähnten sich in Sicherheit, aber das sei nicht so. Reden, so wie er es tut, sollten auch die Politiker, betont Eichmann. „Vor allem mit Russland.“

Derzeit ist er allerdings in Deutschland unterwegs. Seit dem 4. August. Zum zweiten Mal, und das zu Fuß.

Dass er hier in dem kleinen Dorf am Drömlingsrand Station macht, ist Zufall. „Ich dachte mir, Jeggau freut sich bestimmt“, sagt Helmut Eichmann schmunzelnd. Zu Hause im niedersächsischen Bad Pyrmont hatte sich der pensionierte Diplom-Handelslehrer die Route herausgesucht und war auf Jeggau gestoßen, weil es kilometertechnisch passte. Ein Anruf in der Gardeleger Stadtverwaltung hatte ihm dort zu einer Übernachtungsmöglichkeit verholfen. Am Sonntagmorgen trifft sich Eichmann dann mit Vertretern von Kirche und Ortschaftsrat zum Gedankenaustausch am Gedenkstein für die Opfer der Weltkriege. Eine Blumenschale hat er mitgebracht. Symbolik ist ihm wichtig. Dazu gehört auch eine Schweigeminute.

18 Stationen in drei Bundesländern

An den Gesprächen mit den Jeggauern liegt ihm allerdings noch mehr. Und so freut sich Eichmann, dass sie sich Zeit für ihn nehmen, um sich mit ihm auszutauschen. Er kann gut reden, als ehemaliger Lehrer. Aber er ist kein Moralapostel. Es geht ihm vor allem darum, seine Mitmenschen zum Nachdenken anzuregen. Seit fast 30 Jahren engagiert sich der Niedersachse ehrenamtlich als Vorsitzender für den Bereich Bad Pyrmont im Bund der Kriegsgräberfürsorge. Auch das ist für ihn Friedensarbeit: Sich an jene zu erinnern, die Opfer geworden sind.

Als er sich nach seinem Besuch in Jeggau gestern wieder auf den Weg macht, hat er übrigens noch acht weitere Stationen vor sich. Bis nach Brandenburg führt ihn seine Tour. In Götschendorf will er sich mit einem russisch-orthodoxen Priester an den Gräbern russischer Soldaten treffen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und bislang sei es auch ein ziemlich heißer gewesen, gibt Eichmann zu. Abgekühlt hat er sich zuweilen in klimatisierten Supermärkten. Zum Glück werde es jetzt aber kühler, ist der Friedensarbeiter dankbar. Gut zu Fuß sei er zum Glück. Und er hat gute Schuhe. Auch das ist wichtig. Allein gestern lagen noch 28 Kilometer vor ihm.