Gardelegen l Müll zu sammeln hatte in den vergangenen Wochen keine Priorität. „Wir müssen am laufenden Band Bäume gießen, damit sie nicht vertrocknen“, berichtete Wolfgang Lohse, Leiter der Straßenmeisterei Gardelegen. Gerade junge Bäume bis zu einem Alter von etwa zehn Jahren sind aufgrund der derzeitigen extremen Trockenheit gefährdet. Sind in den ersten drei bis vier Jahren die Unternehmen, die die Bäume gepflanzt haben, in der Pflicht, so übernimmt dann die Straßenmeisterei. Bisher wurden bereit 550 Stunden lang Bäume gegossen. Das sind bei acht Stunden täglich 69 Arbeitstage.

Von Baumaterial bis Einrichtungsgegenständen

Dennoch haben die Mitarbeiter auch bei dieser Arbeit natürlich die Straßenränder an den Landes- und Bundesstraßen im Blick, an denen sich immer wieder der verschiedenste Müll finden lässt. Zudem sind sie auch für das Sauberhalten der Parkplätze an den Straßen zuständig. Dass sie dort regelmäßig die Mülltonnen leeren, in denen Reisende ihren Abfall hinterlassen, ist ja auch in Ordnung, erklärte Lohse. Allerdings finden sie immer wieder Dinge, die dort einfach abgeladen und entsorgt wurden. „Und das konstant auf sehr hohem Niveau“, so der Chef der Straßenmeisterei.

Egal ob Teile von Bad-, Küchen- oder Wohnzimmer-Einrichtungen, säckeweise übrig gebliebenes Baumaterial oder Bauschutt, große Mengen an Plastik oder Hausmüll – es gibt eigentlich nichts, was die Mitarbeiter nicht finden, einsammeln und entsorgen. Darunter sind auch eklige Dinge wie beispielsweise Plastikbehältnisse mit gelber Flüssigkeit. Einmal, so erzählt Lohse, stand eine komplette Küchenzeile auf dem kleinen Parkplatz bei Jävenitz an der B 71. Allerdings hatte der Müllsünder Pech, denn in einer Schublade lag noch ein Zettel mit seiner Adresse, so konnte er wegen der Ordnungswidrigkeit belangt werden. Das sei allerdings eher selten der Fall.

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Für ihn ist sowieso unverständlich, macht Lohse deutlich, dass sich jemand die Mühe macht, die Dinge auf- oder einzuladen und in der Nacht durch die Gegend zu fahren, um sie am Straßenrand oder auf einem Parkplatz wieder abzuladen, obwohl alles auf dem Abfallwirtschaftshof der Deponie GmbH Altmarkkreis Salzwedel an der Bismarker Straße 81 in Gardelegen zumeist kostenlos abgegeben werden oder, wie im Fall von Kunststoff, im Gelben Sack entsorgt werden kann. Auch eine Mülltonne habe jeder Zuhause und zahlt auch für die Entsorgung.

52 Tonnen Müll in diesem Jahr schon gesammelt

So aber zahlt jeder Steuerzahler noch einmal. Denn die Kosten für die zusätzliche Müllentsorgung belaufen sich in diesem Jahr bereits auf 86 000 Euro. Insgesamt kamen bisher 52 Tonnen Müll zusammen. Und da darunter auch viel leichtes Material ist, so der Leiter der Straßenmeisterei, kann man sich die enorme Menge gut vorstellen. Für die „normale“ Entleerung der Abfallbehälter auf den Parkplätzen haben die Mitarbeiter in diesem Jahr bisher 201 Stunden – das sind 25 Arbeitstage – investiert, für die Entsorgung des dort abgeladenen Mülls kommen noch einmal 594 Stunden (74 Arbeitstage) hinzu. Die eigentliche Müllsammelzeit an den Straßenrändern ist laut Lohse der Winter und das Frühjahr. Und dafür schlagen in diesem Jahr bereits 1242 Arbeitsstunden (155 Tage) zu Buche. Das ist insgesamt sehr viel Zeit, die besser in Maßnahmen zur Straßenunterhaltung, einer Hauptaufgabe der Straßenmeisterei, eingesetzt werden könnte.