Zwangsversteigerung

Versteigert: Acht Millionen Euro für Gardelegens Hanse-Center

Das Gardelegener HanseCenter geht nach einer Versteigerung vor dem Vollstreckungsgericht Gardelegen für acht Millionen Euro an die DEFAMA Berlin. Wie sieht die Zukunft der Immobilie aus?

Von Stefanie Brandt

Gardelegen. Um 11.16 Uhr gratulierte das Vollstreckungsgericht in Gardelegen Matthias Stefan Schrade, der für die DEFAMA 40. Immobilien GmbH und Co. KG aus Berlin vor Ort war, zur Ersteigerung des Hanse-Centers für die Summe von acht Millionen Euro. Das zweite versteigerte Objekt, eine Fläche mit Tankstellengebäude sowie Werkstatt-/Lagergebäude (Sprint/Reifen-Krüger) an der Letzlinger Landstraße 15 in Gardelegen, sicherte sich mit Manuel Schröter eine Privatperson.

Volles Haus im Gericht

Kleiner hätte der Raum im Amtsgerichtsgebäude in Gardelegen zu Corona-Zeiten nicht sein dürfen, denn mehr als 20 Interessenten hatten sich zur Versteigerung am Donnerstagvormittag eingefunden. Die Autokennzeichen vor dem Gebäude zeigten, sie waren aus ganz Deutschland angereist. Unter den Hammer kam eine Handels- und Dienstleistungsfläche am Buschhorstweg, die aus mehreren Teilstücken besteht, insgesamt mehr als 40.000 Quadratmeter misst und unter anderem mit dem Hanse-Center bebaut ist. Der Verkehrswert wurde mit 4,06 Millionen Euro für das Gesamtausgebot angegeben.

Betrieben wurde die Zwangsversteigerung von der Landesbank Berlin als Gläubiger, als Eigentümer ist derzeit noch die Grundstücksgesellschaft Bad Freienwalde/Gardelegen GbR eingetragen.

Keine Baumängel

Nach Angaben aus der Bekanntmachung zur Zwangsversteigerung besteht das Center aus 18 Einheiten und war zum Bewertungsstichtag hinsichtlich der Nutzfläche etwa zur Hälfte vermietet. Das 1996 gebaute Einkaufszentrum sei ein in erster Linie auf Autokunden orientierter Standort mit überörtlicher Versorgungsfunktion. An der Gebäuderückseite befinden sich Versorgungsräume, Lager- und Sozialräume sowie entsprechende Anlieferbereiche. Der westliche Grundstücksteil wird als Parkplatzanlage genutzt.

Im Rahmen der Ortsbesichtigung durch den Sachverständigen seien keine Baumängel oder -schäden ersichtlich gewesen. Das Gebäude weise ausgehend von Nutzung und Baujahr einen üblichen Zustand auf. Leerstehende Einheiten befinden sich teilweise aus sachverständiger Sicht in keinem vermietbaren Zustand. Diesbezüglich seien Revitalisierungsmaßnahmen zu ergreifen, wie der Rückbau der von Vormietern zurückgelassenen Untergliederungen oder Einbauten. Die Instandsetzung oder Erneuerung von Wand- und Bodenbelägen sowie elektrischen und sanitären Anlagen sei ebenfalls nötig.

Diese Hinweise ließen das Interesse der im Gericht Anwesenden an der Ersteigerung aber nicht abebben. Die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg gab ein Erstgebot von 4,5 Millionen Euro ab. Die DEFAMA erhöhte auf 5 Millionen. 7,6 Millionen wollte die Neutecta 41. Berlin GmbH bieten. Am Ende legte die DEFAMA noch einmal einen drauf, rundete das Gebot auf 8 Millionen und erhielt den Zuschlag.

Wie das Portal www.boerse.de vermeldet, habe die DEFAMA bereits im Vorfeld mit etlichen potenziellen Mietern intensive Gespräche für die fünf freien Flächen geführt. Vor diesem Hintergrund sei der Vorstand optimistisch, den Leerstand zeitnah durch den Abschluss weiterer Mietverträge reduzieren und den Standort durch die Ansiedlung zusätzlicher Sortimente insgesamt aufwerten zu können, so boerse.de.

Die in Berlin ansässige Deutsche Fachmarkt AG (DEFAMA) investiere gezielt in kleine Einzelhandelsobjekte in kleinen und mittleren Städten, überwiegend in Nord- und Ostdeutschland.

Ein guter Deal

Das zweite Versteigerungsobjekt, an der Letzlinger Landstraße 15 gelegen und bebaut mit einem Tankstellengebäude und einem Werkstatt-Lagergebäude, wurde mit einem Verkehrswert von 1,09 Millionen Euro ausgewiesen.

Wie beim Hanse-Center handelt es sich um mehrere im selben Verfahren angebotene Grundstücke. Die Landesbank Berlin AG als Gläubiger der Grundstücksgesellschaft Bad Freienwalde/Gardelegen GbR hatte auch hier ein Gesamtverfahren beantragt und verzichtete auf Einzelaufgebote.

Die für die Versteigerung erforderliche Sieben-Zehntel-Grenze von 763.000 Euro entsprach dem ersten Gebot von Manuel Schröter, der als Privatperson bot. Die Neutecta zeigte auch an diesem Objekt, dessen Versteigerung zeitgleich mit der ersten lief, Interesse. 800 000 Euro bot die GmbH aus Berlin. Unter dem Motto „Dumm gelaufen“ – anders ist es nicht zu bezeichnen – lief dann das Gebot der GETEC Immobilien. Deren Vertreter wollte 900 000 Euro in den Ring werfen. Allerdings stellte die Rechtspflegerin, die die Versteigerung leitete, fest, dass der Vertreter nicht berechtigt war, allein zu bieten. Auch ein Telefonat zur Klärung konnte daran nichts mehr ändern.

So war zum Abschluss der Versteigerung Schröter mit einem weiteren Gebot, dieses Mal in Höhe von 810 000 Euro, also knapp über dem der Neutecta, erfolgreich.

„Glückwunsch, guter Deal“, gratulierte da sogar der Sitznachbar in Anbetracht der Tatsache, dass dieses erfolgreiche Gebot noch unter dem angegebenen Verkehrswert lag.