Gardelegen

Volkshaus wird abgerissen

Auf dem Gelände des Gardelegener Volkshauses soll ein moderner Edeka-Markt entstehen. Das Volkshaus selbst wird abgerissen.

Von Cornelia Ahlfeld 13.01.2021, 03:00

Gardelegen l Erbaut in den 1930-er Jahren hat sich das Volkshaus im Laufe der Jahrzehnte zur Kultstätte vieler Generationen entwickelt. Disko zu DDR-Zeiten – das Volkshaus und der Klosterkrug in Kloster Neuendorf waren da die ersten Adressen. Generationen von Menschen haben sich dort vergnügt. Diese Geschichte wird in Sachen Volkshaus vermutlich in absehbarer Zeit ein Ende haben. Das seit Jahren leer stehende Gebäude soll nämlich abgerissen werden. Der Eigentümer, ein Gastronom aus Gardelegen, habe auch keine Pläne für eine weitere Nutzung. Wohl aber einen Investor, der sich das etwa ein Hektar große Grundstück schon notariell gesichert hat, wenngleich auch mit aufschiebender Wirkung, wie Michael Schulz-Dostal, Projektentwickler bei der Hanseatic Bauträger GmbH Hildesheim, gestern auf Volksstimme-Anfrage erläuterte. Die Pläne stellten Schulz-Dostal und Andreas Nikoll von der Edeka-Immobilien-Service GmbH im Bauausschuss vor. Das Unternehmen aus Hildesheim ist dabei als Bauträger für Edeka tätig.

Der neue Markt wird eine Verkaufsfläche von knapp 2000 Quadratmetern haben. Integriert ist ein Bäckergeschäft. Zudem ist der Neubau eines Fachmarktes mit einer Fläche von knapp 700 Quadratmetern geplant. Wer dort einziehen wird, sei noch offen. Derzeit werden Gespräche mit Interessenten geführt. Bei Bedarf könne der Markt auch geteilt werden, so dass zwei Geschäfte dort entstehen. Die Zufahrt erfolgt über eine neun Meter breite Straße von der Straße Vor dem Salzwedeler Tor, ebenso die Lkw-Warenanlieferungen. Ebenso breit ist eine zweite Verbindung zum Klammstieg, wo sich bereits ein kleines Einkaufszentrum unter anderem mit dem Lidl-Markt befindet. Der Edeka-Parkplatz wird 124 Stellplätze haben. Die vorhandene Schallschutzwand auf dem Gelände zur Nachbarbebauung soll erhalten und verlängert werden.

Für die Neubaupläne sei ein wesentlicher Aspekt ausschlaggebend gewesen, erläuterte Nikoll. Der Markt an der Stendaler Straße sei nicht mehr an die aktuellen Kundenbedürfnisse anzupassen, was etwa Verkaufsfläche oder Technik betreffe. Und die Wünsche der Kunden hätten sich im Laufe der Jahre verändert. Darauf wolle man reagieren. „Der Bedarf für einen größeren Einzelhandel ist da“, betonte Nikoll. Das bestätigte auch Bianca Dorbritz, die bereits Edeka-Märkte in Salwedel, Stendal und den in Gardelegen betreibt. Sie wird auch den neuen Markt übernehmen. „Der alte Markt war 2006 eröffnet worden. Damals war er schick und schön, klein und niedlich“, sagte Dorbritz, die den Gardelegener Markt 2019 übernommen hatte, im Bauausschuss.

Heute hätten die Kunden ganz andere Anforderungen an einen Frischemarkt, vor allem Bio-Produkte seien nachgefragt. Der alte Markt habe eine Verkaufsfläche von gut 1000 Quadratmetern. Eine Erweiterung sei nicht möglich. Mit dem Neubau sei auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze verbunden. „Jetzt sind es 40 Mitarbeiter in Gardelegen. Im neuen Markt werden es dann 70 bis 80 sein“, so Dorbritz. „Wird denn der alte Markt dann geschlossen?“, wollte Linke-Stadtrat Sieghard Dutz wissen. „Wir haben im November erst den Mietvertrag für den alten Markt um weitere fünf Jahre verlängert“, informierte Nikoll. Was danach passiere, könne man heute noch nicht sagen. In der Regel gebe es aber Nachnutzungsszenarien. In den meisten Fällen „geht Edeka raus, und der NP-Markt geht rein“, so Nikoll, denn NP gehöre auch zu Edeka.

Bevor der Bau starten kann, wird allerdings noch dieses Jahr vergehen. Sollte der Stadtrat der Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Einzelhandelsstandort zustimmen, dann könne mit dem Bauleitverfahren begonnen werden, erläuterte Schulz-Dostal. Es seien zudem noch einige Gutachten zu erstellen. Baubeginn soll dann im Frühjahr 2022 sein. Das Vorhaben sei konform mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt, das einen Ausbau des Einkaufszentrums am Klammstieg vorsehe, betonte Schulz-Dostal. Und was das Volkshaus betrifft, gebe es gute Beispiele, die Geschichte des Hauses ein stückweit in den Neubau mitzunehmen. So sei der Eingangsbereich eines Marktes an der Ostsee mit Gegenständen aus einem Abrissbau dekoriert worden. Und diese Pläne habe auch Bianca Dorbritz für den neuen Markt, informierte Schulz-Dostal.