Kalbe l Auf dem Kalbenser Denkmalsplatz legten Mitglieder des Kultur- und Heimatvereines Kalbe und Vertreter der Stadt Kränze in Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nieder. Engelina Kristen und Max Thunecke, beide Schüler des Gardelegener Gymnasiums, verlasen das Totengedenken.

Bürgermeister Karsten Ruth erinnerte daran, dass gerade vor einer Woche des Mauerfalls und der friedlichen Revolution vor 30 Jahren gedacht wurde. Damit endete auch der Kalte Krieg. Es war der „Beginn eines kollektiven Aufatmens“ mit dem eine „neue Qualität von Frieden und Sicherheit“ begann. Die Angst vor der Zerstörung der Welt, vor dem Auslöschen der Menschheit durch einen Atomkrieg war damals genommen, erinnerte Ruth. Aber heute, 30 Jahre später, sind die Beziehungen zwischen den Atommächten in der Welt so angespannt wie nie zuvor. Entsprechende Abkommen wurden aufgekündigt. Provokative Militärmanöver werden in Grenzgebieten gestartet. Die Bedrohung wird wieder real. Anscheinend habe man 30 Jahre nach der friedlichen Revolution, 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und mehr als 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nichts von den Vorfahren, die selbst Kriegsteilnehmer waren, dazu gelernt, so die rhetorische Frage des Bürgermeisters.

Dürfen nicht zusehen und nicht verdrängen

Aber nicht nur die Gefahr des Krieges sei bedrohlich geworden. Auch Antisemitismus greife wieder um sich. So erinnere Heiko Gabriel, Mitglied im Stadtrat und Ortsbürgermeister in Kalbe, an die Opfer des Terroranschlages im vergangenen Monat in Halle, bei dem sich ein Attentäter Zutritt in eine gefüllte Synagoge verschaffen wollte und zwei Unschuldige tötete. Gabriel erinnerte auch an die Millionen unschuldiger Kriegsopfer, die ihr Leben lassen mussten. „Wir dürfen nicht zusehen, nicht verdrängen, damit wir den Tod dieser Menschen nicht sinnlos werden lassen.“

Mahnende Worte sprach auch Henning Krüger vom Kultur- und Heimatverein. Er griff die Erinnerung an die Friedensgebete der friedlichen Revolution 1989 und den bereits in der Friedensbewegung der DDR populären Slogan „Schwerter zu Pflugscharen“ auf. Und bereits 1815, also zur Zeit der napoleonischen Befreiungskriege, gab es den Spruch: „Schwerter zu Sensen machen“, so entdeckte Krüger es auf einem Schild an einem Kaminsims. Rund 200 Jahre später seien mahnende Worte wieder nötiger denn je, so das Vorstandsmitglied. „Erinnern, Mahnen, Gedenken: Das ist wichtiger als je zuvor“, mit diesen Worten schloss Bürgermeister Karsten Ruth seine Rede.