Gardelegen l Kein Opfer von Krieg und Gewalt in Deutschland und in allen Ländern dieser Erde dürfe vergessen werden. Deren Friedhöfe seien Orte des Gedenkens und sollten auch immer wieder aufgesucht werden, um die Erinnerung an die Geschehnisse der Zeit und des gewaltsamen und sinnlosen Sterbens von Menschen wachzuhalten. „Am Volkstrauertag gilt unser Gedenken allen Opfern von Krieg und Gewalt“, betonte Hans-Joachim Becker, Vorsitzender des Kreisverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, in seiner Rede. Und am Volkstrauertag 2018 zwinge die Menschheit ein ganz besonderes Datum zum Gedenken und vor allem zum Nachdenken. Denn fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 11. November 1914, sei mit dem Waffenstillstandsabkommen im Wald von Compiègne der Erste Weltkrieg und damit das über vier Jahre dauernde sinnlose Massensterben beendet worden. „Der erste Weltkrieg wird zu Recht als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet“, so Becker.

Etwa 17 Millionen Menschen fanden den Tod, davon zehn Millionen direkt an der Front. 20 Millionen Menschen wurden verwundet. Viele erlagen später noch ihren Verletzungen oder wurden zeitlebens Krüppel, vernarbt an Leib und Seele. „Fest steht, dass sich durch rivalisierende Staatenbündnisse, übersteigerten Nationalismus, Volksverhetzung, Verbreitung von Feindbildern, Inkompetenz, ja Dummheit der politisch Handelnden in Europa eine gefährliche Krisenstimmung herausgebildet hat“, fasste Becker Forschungsergebnisse über die Ursachen zusammen. Das Attentat von Sarajevo brachte dann das Pulverfass Europa zur Explosion.

„Das Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges und die Menschenverachtung der militärischen Führung ist die Schlacht von Verdun von Ende Februar bis Dezember 1916“, so Becker. Die Lebenserwartung eines Soldaten in Verdun habe gerade mal 14 Tage betragen. Insgesamt kamen dort auf engstem Raum mehr als 300.000 Soldaten ums Leben. Aber nicht genug, „die Dämonen des Hasses, der Intoleranz des Nationalsozialismus und der Rassenwahn ließen ein Gelingen der jungen Demokratie“ in der Weimarer Republik nicht zu. Sie führten Deutschland direkt in den Nationalsozialismus und in den Zweiten Weltkrieg. Dieser Krieg und die Gräueltaten der Nazis forderten dann 65 Millionen Menschenleben.

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„Die Entwicklungen in unserem Land in den letzten Jahren geben Anlass zu großer Sorge. Völkisches Gedankengut, übersteigerter Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit sind wieder auf dem Vormarsch“, betonte Becker. Und weiter: „Wir brauchen einen Volkstrauertag, wir brauchen die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt. Die Kriegsgräber sind Lernstätten der Geschichte, Orte der Versöhnung und Mahnmale für den Frieden und gegen das Vergessen“, betonte Becker.

Das Totengedenken wurde dann von Schülern des Gardeleger Gymnasiums verlesen, ebenso die Namen einzelner Kriegstoter aus Gardelegen. Auch Detlef Stimbra von der Gardeleger Marinekameradschaft gedachte in seiner Rede der Opfer von Krieg und Gewalt. „Möge einmal die menschliche Vernunft so weit sein, dass auf allen Meeren Frieden herrscht“, so Stimbra. Danach folgte am Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges die Kranzniederlegung.