Kurpark

Vorübergehend „ein Park ohne Bäume“: Kalbes Einheitsgemeinde-Bürgermeister kündigt bei Einwohnerversammlung weitere Rodungen an

Die Erwartungen waren groß bei den Kalbensern, die am Dienstag die Einwohnerversammlung im Kulturhaus besuchten, um Informationen zum Kurpark zu erhalten. Doch viele zeigten sich hinterher enttäuscht, hätten mehr erwartet und befürchten nun, dass der Park in seiner bisherigen Form verschwindet.

Von Doreen Schulze 08.07.2021, 09:28
Den Kurpark wieder idyllisch herzurichten, bedeutet einen großen Aufwand. Nicht nur zahlreiche geschädigte Bäume sind durch Neuaufforstungen zu ersetzen, auch Wege und der  Folienteich an der Liebesinsel wären instand zu setzen. Er fällt trocken.
Den Kurpark wieder idyllisch herzurichten, bedeutet einen großen Aufwand. Nicht nur zahlreiche geschädigte Bäume sind durch Neuaufforstungen zu ersetzen, auch Wege und der Folienteich an der Liebesinsel wären instand zu setzen. Er fällt trocken. Foto: Conny Kaiser

Kalbe - Was ist der Stand in Sachen Kurpark? Um darüber zu informieren, hatte Einheitsgemeinde-Bürgermeister Karsten Ruth zur Einwohnerversammlung am Dienstagabend mit Heike Tenzer eine Fachfrau für Gartendenkmalpflege in öffentlichen Parks und Gärten eingeladen. Doch es wurde später deutlich, dass die zahlreich erschienenen Zuhörer Konkreteres vom Abend erwartet hatten.

Tenzer schilderte zunächst, dass Kalbe mit dem Problem von Baumschäden kein Einzelfall in Mitteldeutschland sei. Dies resultiere aus dem Klimawandel, der dafür sorge, dass die Gehölze weniger stressresistent gegenüber Schädlingen seien. Der Kalbenser Kurpark ist vom Eschentriebsterben betroffen, ausgelöst unter anderem vom Pilz Falsches Weißes Stängelbecherchen. Wegen umstürzender Bäume und der daraus resultierenden Lebensgefahr für Besucher musste der Park zuletzt vollständig gesperrt werden. Erste Rodungen sind bereits erfolgt (Volksstimme berichtete).

In diesem Zusammenhang machte Bürgermeister Karsten Ruth nun deutlich: „Wir müssen den Park räumen.“ Rund 90 Prozent des dominierenden Eschenbestandes seien vom Schädling befallen und müssten entnommen werden. So sei davon auszugehen, dass es eine Zeit lang „einen Park ohne Bäume“ geben werde.

Enttäuschte Erwartungen

Bevor dies der Fall sein werde, könne Ruth sich als nächsten Schritt vorstellen, dass entlang des Weges zur Wassertretstelle sowie in Nähe der Liebesinsel erste Sperren beseitigt würden. Allerdings müsste dort im Hinblick auf die Haftung der Stadt zuerst ein Baumgutachter den Bestand in Augenschein nehmen. Bei Bedarf seien dann Bäume zu entfernen, um die Sicherheit der Parkbesucher zu gewährleisten.

Heike Tenzer schlug in dem Zusammenhang vor, „mehrgleisig“ vorzugehen, das heißt, dass dort, wo Rodungen erfolgt sind, frühzeitig wieder neuer Baumbestand angepflanzt werden sollte. Bei der Wahl der Sorte sollte allerdings berücksichtigt werden, dass diese mit den klimatischen Standortbedingungen gut zurechtkommt.

Für die Baumfällarbeiten müsse die Stadt das Geld selbst aufbringen, so Ruth. Für Wiederaufforstungen hingegen erwartet die Kommune eine Fördersumme in Höhe von 200 000 Euro. Davon soll allerdings auch noch ein professionell erstelltes Konzept zur Parkgestaltung bezahlt werden.

Einwohner machten während der anschließenden Diskussion deutlich, dass sie befürchten, dass ein Großteil der Fördermittel allein für das Konzept draufgehe. Andere meinten, dass viel eher hätte eingegriffen werden müssen, weil inzwischen das umfangreiche Wegenetz, das maßgeblich zur Idylle des Parks beitrage, verloren gehe. In den 1990er Jahren war es im Zuge einer großen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit rund 100 Kräften hergerichtet worden.

Ruth machte klar, dass der Kurpark nur so gestaltet werden könne, dass die Stadt auch künftig die Unterhaltung finanziell stemmen könne. Überlegungen gebe es, den Bereich zwischen Hauptweg, Gutshaus und Liebesinsel gestalterisch im Bereich des Unterbodens mit Rosen und Buchsbaumbewuchs aufzufrischen. Sichtachsen sollten erhalten bleiben. Im Areal zwischen Karpfenteich und Wassertretstelle sollen Blühgehölze im Einklang mit der Blühwiese in Erscheinung treten. Die bereits vorhandenen Frühblüher, die im Frühjahr einen Blütenteppich ausbreiten, sollten erhalten bleiben. Auch Baumfällarbeiten sollten dort so vonstattengehen, dass die Frühlingsboten nicht zu arg geschädigt würden, so Ruth. Der hintere Bereich des Parks, den die Natur sich allmählich zurückerobert, soll naturnah bleiben. Auf keinen Fall sollen Spiel- oder Sportgeräte aufgestellt werden, bekräftigte Ruth.

Einen konkreten zeitlichen Ablauf für Maßnahmen gibt es nach wie vor noch nicht.

Heike Tenzer,  Fachfrau für öffentliche  Parkanlagen.
Heike Tenzer, Fachfrau für öffentliche Parkanlagen.
Fotos: D. Schulze