Schützenverein

Wiepker Schützenhaus hat nach Vereinsauflösung unsichere Zukunft

Von Stefanie Brandt

Wiepke. Um eine mögliche Weiternutzung des Schützenhauses in Wiepke als kommunale Begegnungsstätte ging es beim Ortschaftsrat in Wiepke ende März. Dass die Wiepker gern neue Räumlichkeiten für ihre Sitzungen hätten, ist verständlich. Aktuell finden diese nämlich im Feuerwehrgerätehaus statt und dort sitzt man wie auf dem heißen Stuhl, denn sollte es ein Einsatzsignal geben, wäre der Raum schnell geflutet von Feuerwehrkameraden.

Verein löst sich auf

Der Vorstand des Schützenvereins sei nun auf ihn zu gekommen, berichtete Ortsbürgermeister Michael Becker, und habe gesagt: „Du hast jetzt ein Schützenhaus.“ Der Verein habe die Auflösung beschlossen und wolle das Gebäude nun der Kommune übergeben.

Das ist aber nicht so einfach möglich. Würde das Gebäude von der Kommune genutzt, müsste es die Auflagen für ein öffentliches Gebäude – zum Beispiel, was den Brandschutz angeht – erfüllen. Davon sei es weit entfernt. Es habe deshalb einen gemeinsamen Vor-Ort-Termin mit der Bürgermeisterin, dem Kämmerer und dem Ortschaftsrat gegeben, um Möglichkeiten abzuklopfen, so Becker. Die Stadt habe danach den Sachverhalt geprüft.

Haus muss „flüssig“ werden

Bürgermeisterin Mandy Schumacher dazu: „Nach Paragraf 47 BGB in Verbindung mit Paragraf 49 BGB ist es so, dass der Verein in die Liquidation gehen muss“. Es gilt also, das Vereinsvermögen – und dazu zählt auch ein Schützenhaus – zu Geld zu machen. „Nach Paragraf 34 der Vereinssatzung ist es so, dass die Stadt für zwei Jahre treuhänderisch verwalten müsste, was an Geld da ist, und wenn es dann keinen neuen Schützenverein gibt, das Geld für gemeinnützige Zwecke verwendet werden könnte“, so die Bürgermeisterin weiter.

Doch ein Verkauf des Hauses scheint zumindest eine schwierige Aufgabe zu sein, zumal der Grund, auf dem es steht, nicht dem Verein gehört. „Das ist eine sehr komplexe rechtliche Materie, die auch noch Rechtsfragen des Vereinigungsrechts betrifft, da zu DDR Zeiten das Auseinanderfallen von Grund und Boden und Gebäude nicht unüblich war. Eine rechtliche Einschätzung über das, was wäre wenn ..., kann ich daher nicht vornehmen“, so Schumacher. Sie habe deshalb auch den Kreissportbund angeschrieben, mit der Bitte, den Verein zu unterstützen, vielleicht auch mit Hilfe des Landessportbundes, „denn das kann – meiner Meinung nach – der Verein so nicht allein machen.“

Angst vor einem Schandfleck

Die Befürchtungen der beim Ortschaftsrat anwesenden Bürger gingen dahin, dass das Gebäude verfallen und zu einem Schandfleck für den Ort werden könnte. „Das kann durchaus sein“, räumte Schumacher ein.

„Es geht nicht darum, dass die Stadt das Gebäude erwerben soll. In der Satzung steht, dass sie es übernehmen und zwei Jahre vorhalten muss, falls sich ein neuer Schützenverein gründet. Laut Satzung war das für uns eigentlich alles klar. Seltsamerweise zählt das nun wohl nicht mehr, dabei haben wir damals viel Geld dafür bezahlt“, so Wilfried Gebert, Vorsitzender des Schützenvereins, der auf einen reibungslosen Ablauf und die Übernahme des Gebäudes durch die Stadt gehofft hatte und nun enttäuscht ist. Er und die verbliebenen Schützen wollen sich noch einmal zusammensetzen und dann mit dem Kreissportbund beraten, wie es weitergehen soll. Seit der Gründung des Vereins zu Beginn der 1990er Jahre reduzierte sich die Mitgliederzahl immer weiter, mittlerweile sind es nur noch sieben.

Kein Zuspruch im Ort

„Vom Rechtlichen her dürfen wir auch nicht mehr existieren“, so Gebert. War der Zuspruch im Ort bei der Gründung noch gut, seien immer mehr Mitglieder abgesprungen. Zum Beispiel bei Preisschießen habe es kaum noch Interesse im Ort gegeben. „Das Wasser wurde jetzt abgestellt, der Stromzähler kommt raus. Dann ist das Gebäude zumindest gesichert – außer gegen Vandalismus“, zählt Gebert die Schritte zum langsamen Ableben des Schützenhauses auf.