Gardelegen l Schnee von den Straßen räumen muss der Winterdienst der Straßenmeisterei in Gardelegen weniger, denn viele weiße Flocken sind in den letzten Jahren Mangelware. Die Hauptaufgabe besteht darin, die Bundes- und Landesstraßen eisfrei zu halten. Dafür wurden pünktlich 1200 Tonnen Salz und 75 000 Liter Magnesiumchlorid eingelagert. Der riesige Berg Salz, der sich in der großen Lagerhalle auf dem Gelände der Straßenmeisterei in Gardelegen befindet, erinnert vom Aussehen her schon an eine schneebedeckte Skipiste in den Bergen. Allerdings hat das Natriumchlorid als Streusalz eine ganz andere, und zwar gegenteilige Aufgabe. Es soll – gemischt mit Magnesiumchlorid – für schnee- und eisfreie Straßen sorgen. Und mit Beginn dieser Woche kam es bereits an neuralgischen Punkten wie die Brücken über die ICE-Strecken zum Einsatz, berichtet Holger Erle von der Straßenmeisterei. „Brücken sind Stellen, an denen es zuerst glatt werden kann, wie man aus langjähriger Erfahrung weiß.“

Überfrierende Nässe als Gefahr

Spätestens, wenn sich die Temperatur dem Gefrierpunkt nähert und die Straßen feucht sind, „müssen wir aktiv werden, um Reif- und überfrierende Nässe zu vermeiden“. Das sei manchen Autofahrern laut Erle gar nicht bewusst, die einem Winterdienstfahrzeug um 4 Uhr morgens bei zwei Grad plus auf der Straße begegnen.

Da gebe es dann schon mal deutliche Handzeichen in Richtung der Fahrer. „Unser Ziel ist es aber, dass das aufgebrachte Salz sich schon vor dem Gefrieren in den Straßenbelag einfährt, denn dann wird es erst gar nicht glatt“, so Erle. Oft gehen die Temperaturen nämlich morgens noch einmal runter. Und Oberflächen können sich grundsätzlich in klaren Nächten mehr abkühlen als die Lufttemperatur. Somit können die Flächen wesentlich kälter sein.

Salz wird befeuchtet

Die Winterdienstbereitschaft besteht in der Straßenmeisterei des Regionalbereiches Nord, die sich im Gewerbegebiet befindet, jeweils vom 1. November bis zum 31. März des folgenden Jahres. Zu der Zeit ist die Salzhalle dann auch bereits mit 1200 Tonnen Streusalz gefüllt. Dazu kommen in zwei großen Solebehältern 75 000 Liter Magnesiumchlorid. Das dient laut Erle dazu, das trockene, lose Salz vor dem Aufbringen zu befeuchten, damit es auch auf dem Straßenbelag liegen bleibt, wirken kann und nicht weggeweht wird.

Deshalb gibt es, wie Erle erläutert, zwei separate Behälter. Einen für das Salz und einen für das Magnesiumchlorid. Beide Komponenten werden erst direkt vor dem Ausstreuen gemischt, das tropft dann auf den Teller, von dem es auf die Fahrbahn geschleudert wird. Die Umrüstung der vier Lkw der Straßenmeisterei, die dann mit Schiebeschild und dem Streuautomaten ausgestattet werden, erfolge bis spätestens Mitte November. Auch der Multicar für die Radwege werde dann umgebaut. Für den Winterdienst sind zudem noch vier Lohnunternehmen für die Straßenmeisterei im Einsatz.

Erster Einsatz am Montag

Zum ersten Mal musste der Winterdienst, der von Montag bis Freitag von 3 bis 22 Uhr und am Wochenende von 4 bis 22 Uhr in Bereitschaft ist, am Montag dieser Woche ausrücken, berichtet Erle. Diese Entscheidung wurde am vergangenen Freitag aufgrund der Wettervorhersagen getroffen, die täglich vom Wetterdienst Offenbach eingehen und regelmäßig aktualisiert werden. Dieser prognostizierte möglichen Bodenfrost bei feuchtem Nebel – eine gefährliche Mischung, die schnell zu glatten Straßen führen könne.

Zum Glück war das nicht der Fall, wie die frühmorgendliche Kontrollfahrt ergab. Dennoch wurde auf den Brücken vorsorglich ein dünner Salzfilm aufgetragen. Da Brücken keinen Untergrund haben, können die Temperaturen dort nämlich schneller auf Werte unter den Gefrierpunkt absinken. Eine gefährliche Folge davon ist, dass sich dort Eis oder Reif ansetzen kann, auch wenn die normale Straße noch eisfrei ist und auch das Autothermometer im Auto noch Werte über Null Grad anzeigt.

Drei Teams stehen bereit

26 der insgesamt 28 Mitarbeiter der Straßenmeisterei in Gardelegen sind in den Winterdienst involviert. Es wurden laut Erle drei Teams gebildet, die abwechselnd in Rufbereitschaft sind. Denn es müssen auch die normalen hoheitlichen Aufgaben für die zwei Bundes- und zwölf Landesstraßen im Verantwortungsbereich der Straßenmeisterei abgedeckt werden. Dazu zählen zum Beispiel die regelmäßige Streckenkontrolle auf Straßenschäden sowie die Überprüfung und Wartung der 58 Brücken, 14 Fußgängerüberwege und 30 Ampelanlagen auf den 280 Streckenkilometern Bundes- und Landesstraßen.

Was Erle nicht unerwähnt lassen möchte, ist die Tatsache, dass auch die Mitarbeiter der Straßenmeisterei mit normalen Lkw unterwegs sind, die natürlich bei Glätte auch langsam fahren müssen, was einige Verkehrsteilnehmer nicht verstehen. Er empfiehlt allen Autofahrern zudem, abends sich über das Wetter zu informieren, um gegebenenfalls am anderen Morgen eine halbe Stunde früher loszufahren, wenn Glätte auf den Straßen angesagt werde.