Gardelegen l Man hätte es kaum für möglich gehalten, aber offenbar gibt es das in Deutschland so zahlreich, dass Grundversorger für Strom und Gas externe Firmen damit beauftragen: mit einer Leeranlagenrecherche. „Kein Strom- und Gaszähler darf ohne Kunde sein, wenn einer existiert, dann schauen wir, dieser Leeranlage einen Kunden zuzuordnen“, erläutert Katrin Lindner, Projektleiter für Leeranlagenrecherche bei der regiocom Netzdienste. Und dieses Projekt Leeranlagenrecherche ist ein Hauptaufgabengebiet des Unternehmens, das künftig in Gardelegen bearbeitet wird.

Um was genau geht es? Früher hätten beispielsweise Vermieter ihre Mieter komplett bei einem Grundversorger für Gas oder Strom angemeldet. Mit der Liberalisierung des Energiemarktes könne nun jeder Mieter selbst entscheiden, von welchem Anbieter er Strom oder Gas beziehen möchte. Der Lieferant könne sonst wo seinen Sitz haben. Die seien aber verpflichtet, dem Grundanbieter für die Nutzung der Netze ein Netzentgelt zu entrichten, erläuterte Hans-Ulrich Stark, Geschäftsführer der regiocom Netzdienste, gestern vor Pressevertretern im Rathaussaal. Die Lieferanten würden in Deutschland häufig gewechselt, und häufig werde dabei auch vergessen, das dem Grundversorger mitzuteilen, was wiederum Auswirkungen auf die Netzengelte habe.

Die ersten Bewerber haben ihre Zusage

Und diese Leeranlagen, die eigentlich gar keine sind, ermittelt im Auftrag der Eon Avacon die regiocom Netzdienste. Seit 2016 unter anderem von Magdeburg und Berlin aus, künftig nun gebündelt von Gardelegen. Das Unternehmen wird seinen Sitz im Gebäude des ehemaligen VHS-Bildungswerkes an der Letzlinger Landstraße 8 haben. Dort hat die Firma eine Etage vom jetzigen Besitzer Marko Schmicker aus Gardelegen gemietet.

Für die Zukunft gebe es noch weitere Ideen, um das Unternehmen gut aufzustellen. „Aber jetzt starten wir in Gardelegen erstmal mit den Recherchen im Energiesektor“, so Lindner. Und das ist offenbar recht ergiebig, denn jedes Jahr seien es gut 100 000 Prüfungen, die regiocom Netzdienste vornehme. „Wir haben keine Angst, irgendwann mal nicht genügend Arbeit zu haben“, betonte Stark.

Zweite Joboffensive Ende Januar

Das Unternehmen habe noch weitere Betätigungsfelder etwa im Bereich der Gasumstellung und der intelligenten Zähler. Derzeit gebe es 120 Mitarbeiter. Mit dem Standort Gardelegen sollen nun 50 dazu kommen. Gestern fanden in Gardelegen schon die ersten Bewerbungsgespräche statt. Vier davon hätten schon eine feste Zusage erhalten. Es handele sich um unbefristete Arbeitsverträge nach einer Probezeit von sechs Monaten. Kaufmännisches Grundwissen wäre von Vorteil, von daher nehme man gern Bewerber aus dem Groß- und Einzelhandel, so Lindner. Die Bewerber sollten kommunikativ sein und „Lust auf Detektivarbeit“ haben, betonte die Projektleiterin.

Nach den ersten Gesprächen gestern soll es Ende Januar mit Unterstützung der Stadt und des Jobcenters eine zweite Joboffensive geben. Mit der Erweiterung des Unternehmens habe man auch einen geeigneten Standort gesucht. „Wir wollten aber nicht nur in Magdeburg expandieren“, so Stark. Man habe von daher in Stendal und Gardelegen angefragt. „Nach dem Gespräch mit der Bürgermeisterin haben wir uns sofort für Gardelegen entschieden“, sagte Stark. Hier sei man mit offenen Armen empfangen worden, habe jede Unterstützung erhalten, auch bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Zweite Joboffensive Ende Januar

„Ich hätte nie gedacht, dass wir innerhalb von sechs Wochen in der Lage sind, Räume, Anbindung und geeignetes Personal zu haben, und dazwischen lag auch noch Weihnachten und Silvester. Wir sind jetzt guter Dinge, hier beginnen zu können“, so Stark. Der lebt übrigens mit seiner Familie seit 30 Jahren in Gardelegen und hat damals hier die Erdgasversorgung mit aufgebaut (Stichwort Hastra). Nun kommt er beruflich wieder zurück und baut hier den Standort für die regiocom Netzdienste mit auf. Gardelegen ist der fünfte Standort der regiocom-Gruppe Magdeburg, die 1996 als Drei-Mann-Start-up gegründet wurde. Heute gehören zum Unternehmen 5500 Mitarbeiter an 20 Standorten.