Brüchau l Eine schreckliche Entdeckung machte Silvia Krause. Als die Schäferin im Nebenerwerb nach ihrer Herde Texelschafe auf der Weide nahe Brüchau – etwa 300 Meter vom Ort entfernt – sah, bemerkte sie, dass Wölfe dort gewütet und Tiere gerissen hatten. Ein Mutterschaf und drei Lämmer kamen dabei um. „Drei weitere Tiere sind verletzt. Wir wissen noch nicht, ob sie das überleben“, äußert die Halterin. Eines dieser Tiere muss tapfer um sein Lamm gekämpft haben, so Krause, denn es weise zahlreiche Bisswunden auf. Ob es diese Attacke überlebt, ist noch ungewiss.

Für Krause ist es der fünfte Wolfsriss innerhalb von sechs Jahren. Eine vorherige Attacke erfolgte vor rund einem Jahr bei Zethlingen. Durch die vormaligen Ereignisse weiß die Schafhalterin, die hauptberuflich als Floristin arbeitet, wie eine Herde vor Wölfen geschützt werden kann. Diese Schutzmaßnahmen wendet sie auch an. Ein entsprechender Schutzzaun von der für den Entschädigungsfall geforderten Höhe von 90 Zentimetern friedet die Herde ein. Geholfen hat dies aber nicht.

Keine Fraßspuren

„Es war ein Springer“, augenscheinlich sei der Wolf hinübergesprungen, schildert Krause. Die Spuren im Schnee würden das belegen. Zahlreiche Spuren seien auch parallel zum Zaun zu finden. Gerade so, als ob eine geeignete Stelle zum Eindringen gesucht worden sei. Diese Spuren im Schnee lassen Krause vermuten, dass es mehrere Wölfe gewesen sein könnten. Das Wolfskompetenzzentrum Iden, das am Montagnachmittag vor Ort war, kann dies nicht mit Gewissheit bestätigen. Die Spuren könnten auch von einem Tier, das hin und her lief, stammen. Grundsätzlich liege aber die Vermutung nahe, dass es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handele, so das Wolfskompetenzzentrum. Um dies zu klären, wurden den angegriffenen Schafen Proben für eine DNA-Analyse entnommen. Spuren wurden vermessen. Die Proben werden derzeit analysiert. Dies könne bis zu vier Wochen dauern, wie das Wolfkompetenzzentrum mitteilte. Es zeigte sich, dass die Tiere getötet und verletzt worden sind, an ihnen aber nicht gefressen wurde.

Bilder

Für Silvia Krause war mit Abrücken der Wolfsexperten die Arbeit aber noch nicht getan. Die verbliebenen Tiere brachte sie auf eine andere Weide. „Nicht, dass die Wölfe wiederkommen.“ Die Tiere waren zu transportieren, der Schutzzaun ab- und wieder aufzubauen. „Die Leute sollen erfahren, dass Wolfsrisse immer noch vorkommen.“ Krause fügt hinzu, dass in öffentlichen Debatten gefordert werde, den Problemwolf zu definieren. „Für mich ist es ein Problem, wenn der Wolf einfach über einen Schutzzaun springt“, so ihre Worte. Sorgen macht sie sich um ihre Herde Ungarische Zackelschafe, eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse. Weltweit gebe es nur noch 3500 Exemplare. „Ich denke, diese Tiere sind schutzbedürftiger als der Wolf. Ich hoffe, sie werden nicht eines Tages gerissen“, erklärt die Schäferin. Auf Hütehunde, Esel oder ähnliches als Wolfsschutz zurückzugreifen, das ist für Krause keine Option. „Ich habe 15 Kleinstherden, das ist nicht zu bewältigen.“