Gardelegen l Wie sieht die Situation in der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen aus? Ist die Region lebenswert und attraktiv? Und was kann getan werden, damit Negatives zum Positiven gewandelt werden kann? Dieser Fragen gingen Einwohner und Vertreter von Vereinen und Institutionen während der Zukunftsgespräche nach, organisiert von der Stadt und dem Verein für berufliche Bildung (VfB) Salzwedel. Zum vierten und vorerst letzten Mal lud die Stadt am Dienstag Interessenten in die Begegnungsstätte der Volkssolidarität ein. 16 Teilnehmer saßen an einem Tisch, um gemeinsam Zukunftsvisionen auf den Weg zu bringen.

„Wer ist denn die Stadt? Die Stadt allein kann überhaupt nichts ausrichten, wenn die Bürger nicht wollen“, machte Georg Krutzfeld deutlich und verwies dabei darauf, dass von den 16 Teilnehmern der Runde, die Bürger, die nicht in Gremien oder der Stadtverwaltung arbeiten, an einer Hand abzuzählen waren.

Kein Hautarzt in der Stadt

Einen Punkt, der die Lebensqualität in der Region einschränke, sprach Krutzfeld dann auch gleich an: Fachärztemangel. Obwohl der Altmarkkreis von der Fläche her sehr groß ist, reiche die Anzahl der angesiedelten Fachärzte nicht aus. Einige Fachrichtungen seien in Gardelegen gar nicht mehr anzutreffen. „Einen Hautarzt gibt es hier gar nicht mehr. Da muss man schon nach Stendal fahren“, sagte er.

Auf den Fachärztemangel habe die Stadt keinen Einfluss, wie Stadtratsmitglied Sieghard Dutz (Linke) erklärte. Maßgeblich habe die Kassenärztliche Vereinigung die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. „Sie tut es aber nicht“, kritisierte Konrad Fuchs. Es sei ein „systembedingtes Problem“, fügte er hinzu. In ihren Möglichkeiten setze sich die Stadt für die Ansiedlung von Ärzten ein, indem sie zum Beispiel attraktive Wohngebiete, Kindereinrichtungen und Schulen vorhalte, schilderte Gabriela Winkelmann, Mitarbeiterin der Stadt, die beim Zukunftsgespräch als Moderatorin fungierte. „Letztendlich entscheidet aber der entsprechende Arzt, ob er sich hier tatsächlich niederlässt. Da können wir noch so viel anbieten“, fügte sie hinzu.

Krutzfeld regte an, dass die Stadt eine ähnliche Kampagne ins Leben ruft, wie sie es bereits im Hinblick auf den Lehrermangel tat, als sie das Programm Gardelehrer startete. „Der Stadtrat verzettelt sich, wenn er sich um all dies kümmert. Wir entfernen uns von unseren eigentlichen Aufgaben“, sagte dazu Sieghard Dutz, „wir müssen die Bürger gewinnen.“ Immer wieder am Thema dran bleiben und „wie eine Fliege, die in den Milchtopf fällt, solange strampeln, bis sie auf dem Butterberg sitzt“, so lange müsse daran gearbeitet werden, um Fachärzte zu bekommen, so Krutzfeld. Stadtratsmitglied Dirk Kuke (Freie Liste/Feuerwehr), der einer der Initiatoren der Gardelehrer ist, nahm die Anregung, ein ähnliches Programm für Fachärzte aufzulegen, auf. „Die Stadt muss hier aber die Kassenärztliche Vereinigung mit ins Boot holen. Allein kann sie das nicht finanzieren.“ Kontakt werde die Stadt mit der Einheitsgemeinde Osterburg aufnehmen. Dort laufe ein Programm zur Ärzteanwerbung bereits, wie der VfB mitteilte.

Nach den vier Zukunftsgesprächen werden nun die Ergebnisse ausgewertet. „Wir werden schauen, was wir davon umsetzen können“, sagte Bürgermeisterin Mandy Zepig.