Was damals geschah

Im Jahre 1806 hatten durch die verlorene Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt demoralisierte preußische Truppenteile unter der Leitung des Obersten Yorck von Wartenburg bei Altenzaun einen Sieg gegen napoleonische Einheiten errungen. Die Nachhut des Korps des Herzoges von Weimar sicherte dessen und den Elbübergang von Blüchers Truppen bei Sandau.

Dabei bediente sich der Oberst auch eines Tricks: Indem er ein Feuer auf einem Hügel in weiter Ferne anzündete, bezweckte er, dass die Feinde dachten, dass sie dort verweilten. So konnte er aus dem Hinterhalt angreifen,

schlug heftige Angriffe des zahlenmäßig überlegenen Gegners nicht nur zurück, sondern erwiderte diese mit einem Gegenangriff und ermöglichte so den Übergang des Haupt­heeres unter Blücher über die Elbe.

Etwa 2500 Mann standen unter Oberst Yorck auf Seiten der Preußen, etwa 1000 davon kamen zum Einsatz. Für die Franzosen kämpften 3500 bis 5000 Mann.

Historikerin Corrie Leitz: „Mit dem erfolgreichen Gefecht hatte Yorck das Weimarsche Korps (...) vor größeren Verlusten bewahrt. (...) Vor allem war dieses Gefecht nach einer Reihe großer und kleiner Niederlagen des Herbstes 1806 das erste für die preußische Armee siegreich verlaufene und daher von großer moralischer Bedeutung.“

Altenzaun l Die Franzosen werden wieder verlieren, das ist jetzt schon klar, Sergant Kay Kowollik vom 3. Linieninfanterieregiment 1813 sieht das aber sehr gelassen. „Es geht ja um die Sache an sich.“ Und um das gleich festzuhalten: „Auch diese Gefechtsnachstellung ist keine Kriegsverherrlichung“, sondern ganz im Gegenteil. In einer Zeit, in der laut Kowollik „alle zwei Minuten die Gewalt aus dem Fernseher trieft“, sei die Gefechtsnachstellung Steigbügel, um sich mit lehrender Historie auseinander zu setzen. Und das auf eine Art, die eingehend ist. Mit Kugelhagel, Kanonendonner und schnaufenden Pferden. „Geschichte ist nicht irgendwo, Geschichte ist auch hier passiert“, sagt dazu Rittmeister Peter Krupp vom Verein 10. Husaren-Regiment i. Tr. Stendal. Und Kay Kowollik fügt hinzu, „ich bin absoluter Pazifist, ist befasse mich nur mit der Frage des Krieges“.

Das Gefecht von Altenzaun, in dem Oberst Graf Yorck von Wartenburg, an den die Yorckeiche direkt am Elberadweg erinnert, sich als Taktiker erwies, soll also am 26. Oktober dieses Jahres ein drittes Mal nachgestellt werden. Veranstaltet wiederum vom Kulturförderverein Östliche Altmark, von der Gemeinde Hohenberg-Krusemark, vom Verein 10. Husaren-Regiment i. Tr. Stendal, der die Preußen stellt, und dem 3. Linieninfanterieregiment 1813 – den Franzosen. Das Programm ähnelt jenem von 2016. Es wird ein Festzelt am Gefechtsplatz aufgestellt. Pastor Michael Sommer hält einen Gottesdienst, es werden Tänze aus der Napoleonzeit aufgeführt, es sind Rekrutenausbildungen anzuschauen. Die Besucher können militärischen Übungen der Infanterie, der Artellerie und Kavallerie zusehen und es gibt einen Vortrag: Dieses Mal von Harald-Uwe Bossert, der über den Rebellenzug des Ferdinand v. Schill im Jahr 1809 von Potsdam nach Stralsund durch die Altmark referiert. Kremserfahrten zur Gefechtsausstellung in der Heimatstube Altenzaun werden angeboten, wobei die Ausstellung durch Original-Fundstücke vom Gefechtsacker erweitert wird. Kugeln zum Beispiel, Münzen und gar ein Trompetermundstück. Überdies ist eine Andacht und die Besichtigung der Polkritzer Kirche in das Programm eingewoben. Wie Eike Trumpf, Vorsitzender des Kulturfördervereins informiert, wird das Programm dieses Mal etwas gestrafft, damit es für die Zuschauer besser passt. Die eigentliche Gefechtsnachstellung findet zwischen 15 und 16 Uhr statt. Die Organisatoren hoffen, dass sie auf jeder Seite rund 50 Mitwirkende haben werden. Sie sind da optimistisch, denn neben Gefechtsnachstellungen wie der von Jena und Auerstedt oder der Völkerschlacht sei die Nachstellung des Gefechts bei Altenzaun durchaus von Reiz, wenn auch nicht so bedeutend. „Das Gelände ist quasi noch fast original, der Graben, der Münzsee, die Anhöhe, die Bäume... In der Yorckeiche stecken mit Sicherheit Gewehrkugeln.“ Im eigentlichen Sinne gewonnen habe damals übrigens keine der Parteien: „Die Preußen konnten sich aber erfolgreich zurückziehen.“ Und während es bei ihnen nur einige Verwundete gab, waren es bei den Franzosen „mehrere Wagenladungen Tote und Verwundete“.

Wer will mitwirken? Telefon 03931/210695 oder peter.krupp.rittmeister@t-online.de

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