Genthin l „Ich habe in meinem Leben viel mitgemacht. Wenn ich das alles erzähle, würde es mir vermutlich niemand glauben“, unterhielt Walter Lücke die Schar seiner Gäste, die ihm zu seinem 100. Geburtstag herzliche Glückwünsche überbrachten. Lokale Prominenz wie Vize-Landrat Thomas Barz und Genthins Bürgermeister Matthias Günther trafen auf einen aufgeräumten und gut gelaunten Jubilar, der seine Gäste mit Erzählungen aus seinem langen und aufregenden Leben bestens zu unterhalten und zu faszinieren wusste.

Ein Kind vergangener Zeit

Walter Lücke ist ein Kind aus längst vergangener Zeit, die heute Geschichtsbücher füllt. Als er 1919 in Parchen geboren wurde, war der Erste Weltkrieg knapp ein Jahr vorbei, das Kaiserreich Geschichte und die erste deutsche Demokratie von Weimar noch jung. Er lernte bei der Post und kam während des Krieges als Nachrichtenmann in ein Bataillonsstab.

Bis zur Rente war der Jubilar in Genthin bei der Post in einem Bautrupp tätig. „Wir waren die Strippenzieher“, blickte Walter Lücke bei seinem Geburtstagsempfang heiter auf seinen Arbeitsalltag zurück.

Jeden Tag, bis zur Rente, fuhr er mit dem Fahrrad nach Genthin zur Arbeit. Seine Begeisterung für das Fahrradfahren hält bis auf den heutigen Tag an. Selbst Hüft-Operationen sind für ihn kein Hindernis, auch im hohen Alter immer noch kräftig in die Pedalen zu treten.

Der radelnde Senior

Als radelnder Senior ist Walter Lücke in Genthin und Umgebung längst zu einem Original geworden. „Mit dem Aufstehen hat er zwar seine Probleme, aber wenn mein Vater Fahrrad fahren kann, ist die Welt in Ordnung“, sagt sein jüngster Sohn Dieter, inzwischen selbst im Ruhestand. Täglich, wenn es das Wetter hergibt, absolviert Walter Lücke locker 50 bis 60 Kilometer mit dem Rad. Gesetzt ist dann die Strecke Genthin, Kade, Karow, Zitz, Rogäsen über Tucheim, dann geht es durch den Fiener zurück nach Genthin.

Erst nach einem Unfall vor zwei Jahren ließ sich Walter Lücke von seiner Familie dazu überreden, eine Warnweste und einen Helm zu tragen.

Bis heute kein Handy im Gepäck

Ein Handy im Reisegepäck lehnt der 100-Jährige bis heute kategorisch ab. Einige Tausende Kilometer habe ich sicherlich locker in meinem Leben mit dem Rad absolviert, sagte das Geburtstagskind.

Für ihn ist deshalb die Teilnahme am Abradeln, das Wolfgang Fischbach vom Rad-Center am Reformationstag nach längerer Pause wieder in diesem Jahr veranstaltet, ein Muss. Walter Lück meint mit einem Augenzwinkern: „Das macht er nur für mich.“ Soviel Radfahr-Leidenschaft ließ auch Vize-Landrat Thomas Barz nicht unbeeindruckt. Er schlug vor, dass der Jubilar den ersten Spatenstich beim Baubeginn des Radweges von Parchen nach Genthin vollziehen sollte.

Barz bleibt beharrlich

Für Walter Lücke bot sich damit die Gelegenheit, seine Zweifel an einen baldigen Baubeginn anzubringen. Es habe zwölf Jahre gedauert, bis der Radweg von Parchen bis zum Friedhof gebaut wurde, mehr als 20 Jahre sei schon von dem Bau des Radweges nach Genthin die Rede. Trotzdem blieb Barz beharrlich und verpflichtete das Geburtstagskind zum Spatenstich, für den inzwischen Land in Sicht sei. Auch ein redegewandter Walter Lücke konnte dem nichts entgegensetzen.