Genthin l Rechtzeitiges Kommen sicherte zur Vernissage einen Sitzplatz - etwa 70 Gäste drängten sich am Mittwochabend in den Räumlichkeiten des Kunstvereins, um gemeinsam mit der Künstlerin die Ausstellungseröffnung zu erleben. Kein Zweifel: Auch diese Ausstellung offenbarte wieder einmal das „Winkelmann-Phänomen“: Das jahrelange Schaffen der Ehrenvorsitzenden des Kunstvereins ist in vielen Ausstellungen eindrucksvoll dokumentiert worden, gleichwohl sind sie bis auf den heutigen Tag „Zugpferde“, gar Ereignisse einer Region.

Ursächlich dafür ist ein tiefer Respekt vor der Lebensleistung der 93-Jährigen, den ihr die Ausstellungsbesucher, darunter Freunde, Wegbegleiter, Familienmitglieder und Bekannte, darunter auch ihre Jerichower Malkinder, erneut entgegenbrachten.

Für alle Besucher, die der Jerichowerin nahestehen, war diese Ausstellung ohnehin ein besonderes Ereignis, nach einer dreijährigen Winkelmann-Pause, bedingt durch eine schwere Erkrankung der Pflegetochter, eine kreative alte Dame zu erleben, die sich selbstbewusst in der Kunstszene zurückmeldete. Ganz unter diesem Eindruck stehend gestalteten die beiden Laudatorinnen, Dr. Eva-Maria Rohmann als Vorsitzende des Vereins und Martina Haake als eine enge Vertraute der Lyrikerin, die begrüßenden Worte.

Bilder

Gespräch am Kamin

„Ich habe in Vorbereitung auf diese Ausstellung ein sehr persönliches, langes Gespräch mit Luise Winkelmann am Kamin in ihrem Heim geführt und sie hat mir erlaubt, bei der Ausstellungseröffnung auch sehr Persönliches aus ihrer Biografie öffentlich zu machen“, sagte Vereinsvorsitzende Dr. Rohmann einleitend.

Die Vereinsvorsitzende zeichnete sehr eindrucksvoll den Lebensweg Luise Winkelmanns nach, ihr Heimischwerden in Jerichow, ihr Leben an der Seite eines Chefarztes, ihre Tätigkeit als Maltherapeutin und schließlich ihren fleißigen, über Jahre währenden Weg, das Malen und Schreiben zu ihrem Lebensinhalt zu entwickeln. Die Laudatorin zielte darauf ab, das ganz Unverwechselbare gerade dieser Personalausstellung unter dem Motto „Einfach so“ herauszustellen. Mit dieser Ausstellung, transportierte die Vereinsvorsitzende klar, vermittle die von ihr sehr geschätzte Künstlerin Luise Winkelmann gleichsam ein Seelenbild. Die 93-Jährige machte Dr. Rohmann klar, sei trotz der Beschwerlichkeiten des Alters eine bekennende, glückliche, alte Frau, vor der sie großen Respekt habe.

Luise Winkelmann empfinde es als ein großes Geschenk, in ihrem hohen Alter noch viel Positives erleben zu dürfen, unterstrich die Vereinsvorsitzende. Eine Laudatio, die bei der alten Dame ankam. „Es war für mich wirklich etwas ganz Besonderes, dass die Vereinsvorsitzende sich ganz meiner Persönlichkeit angenommen hat“, resümierte Luise Winkelmann im Verlauf der Vernissage.

Mit Martina Haake kam eine Laudatorin zu Wort, die Luise Winkelmann aus ihrer Mitarbeit in der Jerichower Schreibrunde kennt. Auch sie reflektierte den Lebensweg der Künstlerin mit großer Anerkennung. „Das würde ich nicht tun, wenn ich nicht 100-prozentig davon überzeugt wäre“, sagte sie in einem späteren Gespräch.

Lebensbejahende Farben

Nach dem offiziellen Teil, der musikalisch begleitet von René Uhde auf der Gitarre wurde, konnten die Gäste bei einem Gläschen Sekt entweder die ausgestellten Bilder betrachten, oder mit der Künstlerin ins Gespräch kommen.

Die Ausstellung, die sich eher untypisch über zwei Etagen des Wasserturms erstreckt, machen insbesondere zarte, fast ausschließlich in hellen, lebensbejahenden Farben gefasste Aquarelle aus. Sie lassen eine bemerkenswerte Künstlerin erkennen, die ihrer Heimat zugewandt ist und die in ihrer künstlerischen Arbeit aufgeht. Die Gäste erlebten an diesem Abend eine heiter beschwingte Luise Winkelmann, die sich „über die vielen Besucher, über den Besuch des Landrates und über die Fröhlichkeit der Gäste“ freute. „Die gesamte Ausstellungseröffnung hat auf mich einen ganz starken Eindruck gemacht und hat mich beflügelt, auch weiterhin zu malen und zu schreiben“, sagte Luise Winkelmann. Die Ausstellung wird zu den üblichen Öffnungszeiten des Wasserturms bis zum 31. Januar zu sehen sein.