Genthin l Zu Beginn des Jahres waren die Flüchtlinge im Jerichower Land zum großen Teil junge Männer aus Syrien. „Mittlerweile steigt die Zahl der Familien und auch die der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“, berichtete Jörg Börstler vom neugegründeten Amt für Asyl und Flüchtlinge beim Landkreis. Für die allein ankommenden Minderjährigen werden Pflegefamilien gesucht, aber auch die ankommenden Familien müssten betreut werden. Das bedeute eine große Verantwortung für die Kommunen. Dessen ist sich die Stadtverwaltung bewusst. Derzeit sind rund 400 Flüchtlinge in der Einsteinstraße und im Heinigtenweg untergebracht. Darunter sind derzeit 70 Kinder und Jugendliche.

„Wir müssen unsere Infrastruktur darauf ausrichten“, machte Bürgermeister Thomas Barz deutlich. Mehr Familien bedeuteten auch mehr Nachfrage nach Kita- und Schulplätzen. Aber auch die ärztliche Versorgung und die Verwaltungsarbeit müsse an und für sich angepasst werden. „Wir haben uns langfristig auf 13 800 Einwohner in der Einheitsgemeinde Genthin ausgerichtet, tatsächlich leben mittlerweile wieder mehr als 15 000 Menschen bei uns“, sagte Barz. Mittlerweile kommen die Flüchtlinge aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Darauf machte Johny Vinokur, neuer Mitarbeiter des derzeit vierköpfigen Genthiner Flüchtlingsbetreuungsstabes beim DRK aufmerksam. „Die Menschen kommen auch aus Afghanistan und dem Iran.“ Dadurch werde auch in stärkerem Umfang persisch gesprochen.

Brettin ist schwierig

Einen Dolmetscher für diese Sprache zu finden, sei derzeit schwierig, sagte der Bürgermeister. Für die Übersetzung in und aus der arabischen Sprache stehe Bnan Abunab bis Jahresende zur Verfügung. Sie sei in der Stadtbibliothek zu erreichen. Einen regen Zulauf kann das Jugendhaus Thomas Morus verzeichnen. Auch bestehe eine große Nachfrage nach einem zusätzlichen Deutschunterricht. „Die jungen Leute, die zu uns kommen, suchen den Kontakt um die deutsche Sprache zu sprechen.“ Als sehr lernwillig und aufgeschlossen beschrieb Jugendhausleiter André Eikel die Besucher. Im Moment könne das Jugendhaus die Situation händeln, allerdings könne man viel mehr Besucher nicht mehr aufnehmen. Über eine Aktion im Kirchspiel Gloine informierte Christoph Grothe von der Diakonie. Dort hatten Christenlehrekinder 30 Hygienebeutel für die Altengrabower Flüchtlinge zusammengestellt. „Das war eine Aktion, die aus der Zusammenarbeit im Lenkungskreis entstanden ist.“

Er unterbreitete zudem ein Angebot der Schwangerschaftsberatungsstelle. „Diese Beratung können auch Flüchtlinge wahrnehmen“, erläuterte er. Zudem stehe auch der Babytreff oder die Babymassage den Flüchtlingen mit kleinen Kindern zur Verfügung. Auch könne die Diakonie zu ihren Öffnungszeiten Räumlichkeiten für Deutschkurse anbieten. Seitens der Polizei informierte Jörg Löffler, stellvertretender Leiter des Genthiner Revierkommissariats über verschiedene Ordnungswidrigkeiten. Besonders Brettin, aber auch in Genthin, seien in großer Zahl flüchtlingsfeindliche Aufkleber und Plakate der Kleinpartei „Der III. Weg“ angebracht worden, die mittlerweile entfernt worden seien.