Genthin l Mit einem mehr als dreistündigen Bühnenprogramm wurde der diesjährige Weihnachtsmarkt eröffnet. Geboten wurde eine multikulturelle Show mit Musik, Tanz und Rezitationen. Finanziert wurde das Showprojekt aus Mitteln des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“, aus dem 8000 Euro zur Verfügung gestellt worden. Denn Aktionen die Menschen unterschieldicher Herkunft zusammenbringen und Verständnis füreinander schaffen, sollen mit den Bundesmitteln angeschoben werden.

Altgediente und junge Akteure

So standen in Genthin altgediente regionale Kulturschaffende neben ganz jungen Nachwuchstalenten und musikalischen Neuankömmlingen aus Syrien und Rumänien auf der Bühne. Verbunden wurden die Auftritte durch Zitate bekannter Schriftsteller. „Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu Schweigen unmöglich ist“ von Vicor Hugo eröffnete den Abend. Während Touristinfo-Chefin Marina Conradi das Zitat auf Deutsch vortrug, übersetzte es Sänger Robby Schulze in englische und Jamil Kialy ins arabische. Auf diese Weise sollten möglichst viele der Besucher auf dem Markt den Geist des Programmes verstehen können.

In erster Linie sprach aber die Musik. Mitglieder des Genthiner Blasorchesters spielten zu Beginn Beethovens „Ode an die Freude“ und setzten mit der Europahymne ebenfalls ein Zeichen. Mit viel Humor reicherten die Kinder der Ludwig-Uhland-Grundschule ihr Programm an. „Niklaus pack die Tasche aus, dass ich immer artig war, weiß jeder hier im Haus“, forderten sie im Namen aller Kinder, die den Heiligabend kaum erwarten können.

Musik, Wort und Tanz

Der erst siebenjährige Schlagzeuger Phil Keil, schon ein alter Hase auf den Genthiner Bühnen, präsentierte sein Können zu poppig arrangierten Weihnachtsliedern. Pfiffig präsentierte sich gat-Nachwuchs Emma Heinrich. Sie machte ein wenig Reklame für das laufende Stück „Regentrude“, das das Ensemble derzeit aufführt und gab Erich Kästners „Dezember“-Gedicht zum Besten. Munter waren  die Tanzgruppen „Crazy“ und „Delicous“ des Jugendhauses Parey, die mit mehreren Auftritten die Zuschauer begeisterten. Die Sängerinnen der Gruppe „Ice Cream“ brachten gefühlvolle Titel zu Gehör, darunter Stings „Fields of Gold“, das Manfred Göbel ins Deutsche übersetzte.

Mit dem Ensemble des Tanz- und Turnschuppens Genthin wurde es mit einer Choreografie zur Musik von Michael Jackson schwungvoll. Das junge Ensemble überzeugte nicht nur mit den Tänzen, sondern auch durch den Umgang mit Accessoires und Kostümen. „So schnell hat sich hier auf der Bühne noch niemand umgezogen“, staunte selbst Moderator Manfred Göbel. Hatten die Tanzgruppen zuvor Schwung auf den Marktplatz gebracht, sorgte Alfred Jansky mit Erinnerungen an seine Kindheit im Krieg für einen bewegenden Moment. „In Kriegen sind Kinder nie die Sieger, sie sind und bleiben nur Verlierer“ Auch dieser Text wurde ins arabische übersetzt und sprach besonders die zahlreichen syrischen Flüchtlinge im Publikum an, die vor Krieg, Not und Gewalt geflohen sind und ähnliche Situationen erlebt haben.

Überraschende Programmpunkte

Mut machte den Zuhörern Sänger Joe Carpenter. „Spiel das Lied in dir, tanz der Welt entgegen“, sang er einen neuen Titel und riet ganz im Sinne seines aktuellen Radiohits „Verlier dein Lachen nicht“. Carpenter bewies mit seinem locker dargeboten Auftritt wiederum seine Qualitäten als Live-Musiker und hat im vergangenen Jahr sicher zurecht für Aufmerken bei einem größeren publikum gesorgt.

Mit einer echten Überraschung konnte danach Manfred Göbel aufwarten. Er präsentierte Pandele Manase Der sei am Montag ins Pareyer Jugendhaus gekommen und habe gesagt: "Ich spiele auf der Gitarre“, erinnert sich Göbel. Dann habe er losgelegt und alle seien ganz still geworden. Genau das passierte auch auf der Genthiner Bühne. Der 26-Jährige begeisterte die Zuhörer mit folkloristischen Gitarren-Klängen aus seiner Heimat Rumänien. Ein anderer Senkrechtstarter ist Moritz Schanz aus Biederitz. Er gewann das Landesfinale des Local Heroes-Wettbewerb und sorgte für aufmerken beim Bundeswettbewerb. Zur Pianobegleitung sang er tiefgründige Lieder über die Liebe, gescheiterte Beziehungen und Melancholie. „Wo warme Winde wehen, da ist dein Platz gewesen“, sang er fast ein wenig zu traurig. Dabei wird man sicher noch mehr von den 20-Jährigen hören. Schanz oder „Môrre“, wie er sich nennt, hat das Zeug in der deutschen Singer/Songwriter-Szene Fuß zu fassen.

Zur Begleitung einer Langhalslaute spielte und sang Bahoz Ibrahim und brachte damit Schwung in die syrischen Zuhörer. Spotan tanzten sie einen Reigen und sangen die arabischen und deutschen Texteile lautstark mit. Mit ähnlich großem Beifall wurde ein arabischer Rap belohnt, den Sänger Jamil Haider hinlegte und sich damit als echtes Showtalent empfahl. „Und er war von allen der Schüchterste“, verriert Marina Conradi am Ende erstaunt.

Den krönenden Abschluss bildete der Auftritt des Genthiner Sängers Robby Schulze. „Ein Hammerprogramm mit einem tollen Publikum“, fand er und bekannte, dass alle Anwesenden an diesem Abend ein Zeichen gesetzt hätten. Er spielte unter anderem seinen Titel „So schön“ und holte zum FInale alle Mitwirkenden auf die Bühne, um gemeinsam den John-Lennon-Titel „So this is Christmas“ in einem schönen würdigen Schlussbild zu singen.