Genthin l 60 Farbfotos auf zirka 280 Seiten vollgepackt mit Eindrücken einer sechswöchigen Reise durch die Türkei: Das ist die neueste Veröffentlichung des Genthiner Schriftsteller-Ehepaares Manfred und Monika Helmecke, die am 21. April in der Stadt- und Kreisbibliothek vorgestellt wird. Auch diese wird einen Platz auf dem 2,50 Meter langen Regal zwischen den eigenen Werken, Anthologien und Übersetzungen finden, die die Helmeckes chronologisch seit 1976 in ihrem Wohnzimmer aufgereiht haben.

Dort in der gemütlichen Wohnstube geben die Altenplathower einen Einblick in das Erlebte. „In der Türkei wurde ich immer zuerst gefragt, ob ich etwas trinken möchte“, sagt Manfred Helmecke und schmunzelt beim Blick in seine noch leere Kaffeetasse. In der Türkei war es allerdings Tee. Und nur wenn er zustimmte, bekam auch seine Frau Monika eine Tasse.

Rund 8 000 Kilometer legte das Ehepaar im Auto zurück, bereiste so fast das ganze Land und nutzte die östlichsten noch nutzbaren Straßen, um auch das Ursprüngliche der Türkei fernab der Touristenrouten zu erkunden. Was die Niederschrift der Erlebnisse betrifft, steuerte Monika Helmecke, die als Beifahrerin entspannt einen Rundumblick genießen konnte, größtenteils den Erfahrungsbericht und ihr Ehemann Geschichtliches und Hintergründe bei.

Bilder

„Mit den einfachsten Verkehrsmitteln lernt man die Region am besten kennen“, sagt Manfred Helmecke. Dabei passte man sich den Gepflogenheiten der türkischen Hauptverkehrszeit an. Verkehrsschilder seien nur Dekoration, so der Eindruck der Altenplathower.

Durchweg freundliche Begegnungen

Jeden Abend wurde ein Quartier gesucht. Hier erlebte sie regelmäßig Überraschungen. Doch die hatten die türkischen Pensionsinhaber wohl schon in die Zimmerausstattung eingeplant. „Teilweise stand in den Bädern zentimeterhoch das Wasser“, erinnert sich Manfred Helmecke. Gleich daneben wurde der passende Wasserschieber platziert.

„Die Türkei ist viel mehr als Troja und Pergamon“, betont Monika Helmecke, die vor der Reise Bedenken und Vorurteile in Bezug auf das Verhalten der Landsmänner gegenüber ihr als emanzipierter Frau hatte. „Nichts davon habe ich erlebt. Im Gegenteil! Männer wie Frauen traten mir offen und freundlich gegenüber und waren immer hilfsbereit.“

Nichts anderes kann ihr Mann berichten. „Man begegnete uns durchgängig mit Freundlich- und Ehrlichkeit.“ Verständigt wurde sich mit Händen und Füßen, mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Als am eindrucksvollsten erlebten die Helmeckes die Tour entlang der östlichen Landesgrenze. In der an Pflanzen kargen und wilden Landschaft erstreckten sich die Gebirgszüge mit dem höchsten Berg, dem Ararat. Der ruhende Vulkan ist mit 5137 Metern der höchste Punkt in Ostanatolien nahe der armenischen Grenze.

Denkanstöße für Toleranz

Neben dem Reisebericht möchten die Helmeckes den Lesern mit dem Buch auch Denkanstöße verpassen. Zum Beispiel zum Thema Toleranz gegenüber anderen Religionen. Vor allem im Mittelalter seien Christen oft weniger tolerant gegenüber Kulturgütern anderer gewesen. So zum Beispiel, als die Kreuzritter sich am schwer beschädigten Mausoleum von Halikarnassos, eines der sieben Weltwunder der Antike, bedienten, um Baumaterial für eine eigene Festung aufzutreiben.

Mehr Einblicke gibt es bei der Premierenlesung von „Türkei - Zwischen Faszination und Vorurteil“ des Schriftsteller-Ehepaares am Donnerstag, 21. April, 19 Uhr in der Stadt- und Kreisbibliothek „Edlef Köppen“. Dort werden die gedruckten Exemplare auch zum Kauf angeboten.