Genthin l „Wir können stolz auf uns sein, wir sind mit Abstand die Besten trotz Corona“, witzelten Marie Claire Mahr und Kilian Linsdorf aus der 12/1 in Anspielung auf die derzeit alles beherrschenden Abstandsregelungen. Dabei war ihre Schulzeit im Bismarck-Gymnasium von Anfang an besonders. Dieser Jahrgang begann seine Schullaufbahn im Jahr 2012, als von Pessimisten der Weltuntergang prophezeit worden war. Der kam nicht, dafür im Jahr 2020 die Corona-Pandemie und damit Beschränkungen sondergleichen. Keine Mottowoche, kein letzter Schultag, kein Abiball. Alles, was einen solchen Abschluss für Schüler spannend macht, musste durch die Beschränkungen ausfallen.

Und dennoch empfanden sich die Schüler nicht als abgehängter Jahrgang. Corona sei schon eine besondere Herausforderung gewesen, räumen zwar Alexandra Kabelitz und Leonie Hoffmann ein. Doch die Umstände, unter denen sie sich auf die Abi-Prüfungen vorbereitet haben, hätten dazu geführt, dass sie sich einfach mehr mit sich selbst beschäftigen mussten.

Das sei eine Erfahrung, die sie in ihren neuen Lebensabschnitt mitnehmen, sagen sie. Leonie Hoffmann erlebte ausgerechnet die Zeit der verordneten Abgeschiedenheit vor den Prüfungen als eine besonderes intensive Zeit des Miteinanders. „Man hat dabei erfahren, mit wem man besonders gut kramen kann“, klärt sie den scheinbaren Widerspruch auf. Die zurückliegenden Abitur-Wochen seien einfach spannend gewesen, vieles sei spontan und manche Regelung oder Termin sehr kurzfristig getroffen worden, hielt Kilian Linsdorf zufrieden Rückschau auf sein „Corona-Abitur“. Eine würdige Feststunde in der evangelischen St.-Trinitatiskirche wurde es trotz der Widrigkeiten der derzeitigen Situation.

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Krisenerprobter Jahrgang

Zwar nicht mit allen drei zwölften Klassen gemeinsam, ohne Schulchor und eben mit Abstand, aber dennoch feierlich. Pfarrerin Beate Eisert lobte den Jahrgang, der mit einer weiteren Kompetenz die Schule verlasse. Dieser könne sich nun krisenerprobt nennen und habe bewiesen, dass er improvisieren könne. Die Festredner, insbesondere Landrat Steffen Burchhardt (SPD), stellten die Einzigartigkeit genau dieser Abiturienten heraus.

„Diese Schüler waren engagiert in Musik, Politik und Regionalgeschichte.“ Sie hätten Maßstäbe gesetzt und das Profil ihrer Schule geschärft. In der Tat hatten sich die jungen Leute als Lotsen durch eine zeitgeschichtliche Ausstellung in ihrer Schule fortbilden lassen, zu ihrem einstigen Musiklehrer Dietrich Krüger geforscht, in einem Theaterstück die Werke Theodor Fontanes aufleben lassen, an Erfinder- und Forscher-Wettbewerben teilgenommen und mit Chören aus North Dakota (USA) und Bad Arolsen (Hessen) gesungen. Es waren bewegte Schuljahre. „Es ist ein leistungsstarker und vielseitiger Jahrgang“, lobte Sebastian Eckold, Vorsitzender des Bismarck-Fördervereins, der besondere Leistungsträger auszeichnete. „Ich hatte noch nie einen so musikalischen Jahrgang“, lobte Musiklehrerin Anke Held. Bereits in der 5. Klasse wurde deutlich: Diese Kinder haben besonderes Talent zum Singen.

Chor verliert 23 Sänger

Wie besonders, zeigt sich mit einem Blick auf die Zahlen: Ganze 23 Chorsänger gehen dem Schulchor in diesem Jahr verloren. „Und ausgerechnet dieser Jahrgang muss ohne Auftritte des Chores auskommen“, fügte Anke Held hinzu. In der Tat kamen die Stimmen der jungen Sänger diesmal nur als Aufzeichnung aus den Lautsprechern und bewegten die Anwesenden in den drei Entlassungsfeiern dennoch. Klavier- und Orgelspiel sorgten für eine würdevolle Bereicherung der Feststunden und der Übergabe der Zeugnisse. Schulleiter Volker Schütte nahm die Situation humorvoll aufs Korn: „Dieser Abiturjahrgang ist einmalig und die Leistungen so gut, dass wir die Feierlichkeiten gleich dreimal erleben.“ Und vielleicht haben die Schulabgänger diese Größe auch verdient, hätten sie sich doch inspirieren lassen, seien kreativ und wissenshungrig gewesen.

Und auch bei Schüttes Abschiedsworten wurde es mit den Worten von Dirk von Lowtzow, Sänger der Popband „Tocotronic“, musikalisch: „Aus jedem Ton spricht eine Hoffnung auf einen Neuanfang“. Ein schönes Sinnbild für musikalische junge Menschen, die nun in einem neuen Lebensabschnitt wechseln, der mit Ausbildung, Studium oder sozialem Engagement einen Aufbruch mit sich bringt.