Genthin l Die „Tibet Initiative Deutschland“ ruft jährlich am 10. März auf, Flagge für Tibet zu zeigen. So wehen an diesem Tag tibetische Flaggen vor den Rathäusern. In der Region war das 2019 etwa in Brandenburg/Havel, Rathenow oder Gommern der Fall. Vielleicht gehört auch bald Genthin zu diesem Reigen.

Keine Auflagen der Bundesregierung

„Durch eine E-Mail bin ich auf diese Aktion aufmerksam geworden und denke, dass nichts dagegen spricht, die tibetische Flagge zu hissen“, machte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) im jüngsten Kulturausschuss deutlich.

Seitens der Bundesregierung gebe es keinerlei Auflagen, die dem Hissen dieser Flagge entgegenstehen würden. Aufgrund der gültigen Hauptsatzung der Stadt Genthin obliege die Entscheidung zum Hissen der Flagge an und für sich dem Bürgermeister, da keine andere Regelung in der Satzung enthalten sei. Aber: „Ich hätte gern das Votum des Stadtrates, ob wir an der Initiative teilnehmen sollten“, begründete der Bürgermeister seine eingebrachte Vorlage, die nun in Fachausschüssen und am 26. April zur Entscheidung im Stadtrat anstehen wird.

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Die Aktion sei ein symbolisches Zeichen, um auf Unterdrückung aufmerksam zu machen. Durchaus gegensätzlich waren erste Stimmen im Kulturausschuss. „Ich habe nichts gegen die Initiative und finde es gut, wenn über den Konflikt in Tibet informiert und aufmerksam gemacht wird“, sagte Andy Martius (CDU-Fraktion). „Ich werde aber dagegen stimmen, denn eine Verbindung von Genthin zu Tibet sehe ich nicht.“ Eine solche Aktion habe Präzedenzwirkung. „Wenn wir die Flagge Tibets hissen, müssten wir uns auch für andere Regionen einsetzen, in denen Unterdrückung und Gewalt herrschen.“ Beispielhaft nannte er die Krim-Anexion.

Debatte nur ein Nebenschauplatz

Der Ausschussvorsitzende Gordon Heringshausen (CDU) meinte über das Flaggehissen: „Das ist eigentlich eine Sache, gegen die man nichts haben kann.“ Allerdings habe er keine feste Meinung dazu. „Wir stehen in Genthin allerdings vor ganz anderen Herausforderungen und da ist diese Diskussion nur ein Nebenschauplatz.“ In der Abstimmung wurde das Hissen der Tibet-Flagge am 10. März mit Mehrheit empfohlen.

Ganz unbekannt ist die Flaggenaktion in Genthin nicht. Bereits in der Amtszeit von Bürgermeister Wolfgang Bernicke, nahm die Kanalstadt an der Initiative teil. Dadurch ist eine tibetische Flagge in der Verwaltung vorhanden und müsste nicht neu beschafft werden. Im Jahr 2005 nahm die damalige Genthiner Hauptamtsleiterin Susanne Raudies für die Stadtverwaltung Genthin an einem Empfang des Dalai Lama in Berlin teil. Er ist Tibets religiöses und politisches Oberhaupt im Exil. Der Dalai Lama bedankte sich damals bei Vertretern aus Kommunen in ganz Deutschland für deren Unterstützung.

Der 10. März als Aktionstag ist zudem nicht von ungefähr gewählt. Er erinnert an den Aufstand der Tibeter gegen die chinesischen Machthaber in Lhasa im Jahr 1959.