Aktion

Aktive in Genthin setzen im September Kunst gegen den Leerstand

Im Spätsommer gibt es eine Kunstaktion, bei der leere Geschäfte in der Innenstadt mit Filmvorführungen belebt werden sollen. Könnte dies ein Start für eine dauerhafte Belegung sein?

Von Mike Fleske 07.07.2021, 16:48
Interviews vor Geschäften für die Filmpräsentation in Geschäften, gab es in den vergangenen Wochen in Genthin. Jugendliche verrieten dabei, wie Genthin attraktiv gestaltet werden kann.
Interviews vor Geschäften für die Filmpräsentation in Geschäften, gab es in den vergangenen Wochen in Genthin. Jugendliche verrieten dabei, wie Genthin attraktiv gestaltet werden kann. Foto: Mike Fleske

Genthin - „Projektion ins Leere“, heißt eine Aktion des Berliner Vereins „ Tänzer ohne Grenzen“, die Anfang September mit Filminstallationen in leerstehenden Genthiner Geschäften stattfinden soll. Dabei werden in den Geschäften Clips gezeigt, in denen Jugendliche ihre Vorstellungen über die künftige Gestaltung der Stadt darlegen, Ideen und Wünsche äußern, was in Genthin künftig passieren muss, um sie lebenswert für die junge Generation zu machen.

Aufgebrochen werden die Interviews durch Kunstinszenierungen, die an verschiedenen Orten, etwa in der Innenstadt, im Wasserturm oder auf dem Werftgelände entstanden sind. Außerdem steuern Schüler der Sekundarschule „Am Baumschulenweg“ Musik zu den Filmen bei.

Besucher und Entscheidungsträger sollen ins Gespräch mit Jugendlichen kommen

Die Jugendlichen werden die Filmvorführungen am Veranstaltungswochenende begleiten und kommen mit Zuschauern ins Gespräch. Entscheidungsträger aus Verwaltung, Stadtrat, Kultur und Wirtschaft bekommen einen Einblick in die Lebenswelt der jungen Generation. Ob diese Aktion ein Beginn für die kreative Nutzung von leeren Geschäften werden kann, steht im Moment nicht fest.

In Hamburg zeigt man derzeit, dass eine solche Möglichkeit eine Innenstadt durchaus attraktiver gestalten kann: Der Senat hat ein Programm aufgesetzt, dessen Ziel es ist, leerstehende Verkaufsflächen von Künstlern und Kreativen zwischennutzen zu lassen, in dem diese sich für geringeres Geld in die Räume einmieten und diese für Aktionen nutzen. Leerstandskosten werden minimiert, die Innenstadt dadurch weniger trist.

Im Landkreis Dahme-Spreewald wurden während der Kunstaktion „Spektrale“ Schaufenster zu Ausstellungsflächen von Künstlern und im bayerischen Würzburg gibt es die „Leerraumpioniere“, die Kunst in leere Geschäfte bringen. Vorbilder für Genthin gibt es also genug.

Hoffnung auf Unterstützung durch die Kommune

„Aktivitäten wie die in Hamburg bedürfen aber eher der Unterstützung der Stadt. Die Stadt muss das wollen, dann kann man auch die Ladenbesitzer überreden und die Künstler“, findet Bärbel Jahn, die das Genthiner Kreativprojekt initiiert hat. Bärbel Jahn könnte sich vorstellen, dass Genthiner Künstler, aber auch solche aus der Umgebung sich für ein solches Projekt gewinnen ließen.

„Spektakulär wäre, wenn alle Räume den Künstlern zur Verfügung gestellt werden und sie als ,Artist in Residenz' dort für ein bis zwei Monate Kunst ausstellen könnten und auch produzierend in den Räumen arbeiten.“ Denkbar wären dann auch Mitmach-Angebote für Kinder und Jugendliche.

Anklang findet eine solche Idee, wie die in Hamburg auch bei Demokratie-Leben-Projektkoordinatorin Elke Förste. Aus den Mitteln des Bundesprogrammes wird die Genthiner Aktion finanziert. „Das wäre eine sehr sinnvolle Sache, um die Stadt attraktiv zu gestalten und Möglichkeiten zum Hinschauen zu bieten“, sagt sie.

Genthiner kreative könnten sich präsentieren und Innenstadt beleben

Ob eine solche dauerhafte Aktion über das Programm finanziert werden könnte, könne sie nicht sagen. Sie sehe aber durchaus Potenzial, da es in Genthin zahlreiche Hobbymaler, Fotografen, Filmer aber auch die Töpferwerkstatt der Sekundarschule gäbe, die allesamt Dinge beisteuern könnten, die sich zeigen ließen. Denkbar wäre dort auch technisches Know How einzusetzen, etwa durch Beleuchtungs- und Gestaltungskonzepte.

„Die Idee, den Leerstand in Genthin zu bekämpfen beziehungsweise Leben in die Stadt zu bringen, ist klasse“, findet daher auch Yvonne Wilke vom Genthiner Veranstaltungsservice (GVS). Ihre Firma hat bereits an Beleuchtungsaktionen teilgenommen, ist technischer Unterstützer von Konzerten und aktuell auch beim Projekt „Projektion ins Leere“. Sie sieht daher durchaus Potenzial für eine Gestaltung von Kunstwerken mit Licht und gegebenenfalls auch Ton. Das sei unbedingt unterstützenswert.

Derzeit haben die Berliner Vereinsmitglieder allerdings ein Problem. Gern würde man im September so viele leerstehende Geschäfte in der Genthiner Innenstadt wie möglich beleben. „Allerdings haben wir Probleme, die Inhaber ausfindig zu machen“, sagt Bärbel Jahn. Wer selbst Inhaber eines leerstehenden Geschäftes ist oder einen Kontakt vermitteln kann, hat die Möglichkeit sich beim Fördermittelgeber zu melden: Elke.Foerste@awo-sachsenanhalt.de.

Für das Filmprojekt wurden kunstvoll gestaltete Clips erstellt.
Für das Filmprojekt wurden kunstvoll gestaltete Clips erstellt.
Mike Fleske