Ferchland l Bauforscher Wolfram Bleis aus Rathenau und Diplom-Restaurator Ulf Krommhagen, beide ehrenamtlich tätig, waren in Kirche im Einsatz, um Proben aus ausgewählten Holzproben zu ziehen. Wolfram Bleis hatte sich bereits Anfang 2019 in der Kirche in Ferchland gemeinsam mit Horst Wedau einen Eindruck von den Gegebenheiten verschafft.

Anlass einer Befunderhebung waren die bei der Erstbegehung der Kirche im Januar diesen Jahres festgestellten Althölzer im Dachstuhl des Kirchenbaus von 1729. Speziell die Spuren alter Holzverbindungen, auch Blattsassen genannt, ließen vermuten, dass Teile des Dachstuhls des Vorgängerbaus hier zweitverwendet worden waren. Anhand der Blattsassen kann man feststellen, wann eine Kirche erbaut wurde. Wolfram Bleis: „Ist die Blattsasse im rechten Winkel, ist es ein früher Bau. Hat die Blattsasse einen spitzen Winkel, wurde sie später erbaut.“ In der Kirche Ferchland wurden beide Formen gefunden.

Dendrochronologie ist die Wissenschaft zur Altersbestimmung von Holz. Dabei werden die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet. Die Dendrochronologie hat Beziehungen zu der Dendrologie (allgemeine Gehölzkunde).

Alter von Hölzern bestimmen

Die Befunderhebung dient einerseits dazu, eine dendrochronologische Untersuchung der Althölzer durchzuführen. Andererseits auch um Konstrukationsdaten des Vorgängerbaus zu gewinnen. Bisher konnten davon keine archivalischen Überlieferungen ermittelt werden.

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Die erste Kirche Ferchlands befand sich früher in der Elbstraße hoch oben am Steilufer. Weil das Steilufer aber im Laufe der Jahre durch Hochwasser unterspült wurde, musste die Kirche abgebrochen werden. Die heutige Kirche wurde im Jahr 1729 von König Friedrich Wilhelm I. unter der Leitung des Baumeisters August Martini als leichter Fachwerkbau in Kreuzform gebaut.

Erst Holzkirche, dann massive Kirche

Diplom-Ingenieur Wolfram Bleis erläutert, wie man früher die Kirchen baute. „Zunächst wurde eine Holzkirche gebaut. Dann folgte eine massive Kirche. Und zuerst wurde immer der Chorraum als wichtigster Raum der Kirche fertig gestellt. Abhängig von den Möglichkeiten wurde die Kirche dann später weiter gebaut. Das konnte zig Jahre dauern.“

Um die Holzproben zu nehmen, konzentrierten sich die beiden Spezialisten auf die rechte Seite des Dachstuhls. „Die Nordseite wurde nach 1953/54 nach der Zerstörung wieder aufgebaut“, erklärt Host Wedau. Wolfram Bleis hatte sich im Vorfeld die Balken unter dem Gesichtspunkt angeschaut, welche Balken von der alten Kirche stammen könnten.

Jede Probe in Briefumschlag verpackt

Ulf Krommhagen brachte seinen Hohlbohrer in Stellung und es konnte losgehen. Der Hohlbohrer ist speziell für Bohrkerne geeignet. Er konzentrierte sich auf Waldkanten, Ringe und Kerne. Doch nicht von jeder markierten Stelle konnte ein Probe gezogen werden. Dazu war es teilweise zu verwinkelt. Anschließend ging es hoch in den Glockenturm. Horst Wedau sagt: „Der Glockenstuhl wurde teilweise von der alten Kirche mitgebracht.“ Ulf Krommhagen gelang es auch, drei Proben so wie im Dachstuhl zu ziehen. Jede Probe wurde sorgfältig beschriftet und in einem Briefumschlag verpackt.

Genaue Bestimmung

Der Inhalt aus dem Hohlbohrer wird dann im Deutschen Archäologischen Instititut in Berlin untersucht. Ulf Krommhagen: „Dort kann man nach den Untersuchungen der Proben auf das Jahr, manchmal sogar bis auf die Vegetationsphase, genau sagen, wann das Holz gefällt wurde.“ Und Wolfram Bleis ergänzt: „Wir benötigen immer 50 Jahresringe, um datieren zu können.“ Der Vorteil in der Ferchländer Kirche liege darin, dass hier mehrere Proben genommen werden können. „Das Ergebnis der Untersuchungen ist dann wie eine Urkunde. Daraus kann man auch ableiten, wann hier die Besiedlung begann“, so Horst Wedau.

Die Bezahlung der Bohrungen und Laboruntersuchungen werden vom Förderverein Parey, dem Heimatverein Ferchland/Elbe sowie der Kirchengemeinde finanziell getragen.