Genthin l Am 6. Januar hebt sich im Stadtkulturhaus um 14.30 Uhr zum siebten und letzten Mal in dieser Saison der Vorhang für das Weihnachtsmärchen des Genthiner Amateurtheaters (gat). „Sechse kommen durch die ganze Welt“, ein Märchen frei erzählt nach den Brüdern Grimm, ist das zweite Märchen, für das Jürgen Wagner Regie führt. Als Darsteller ist er mit über 40 Jahren Bühnenerfahrung ein gat-Urgestein.

Mitglieder mit vielen Fähigkeiten

Das aktuelle Weihnachtsmärchen ist die Geschichte von sechs Gesellen, deren Fähigkeiten im Zusammenspiel einen geizigen und wortbrüchigen König letztlich in die Knie zwingen. Auch wenn das gat-Ensemble im wirklichen Leben keinen Monarchen in die Wüste schickt, hat dieses Stück fast etwas Symbolhaftes. Als Ensemble vereint es ganz unterschiedliche Fähigkeiten von 50 Vereinsmitgliedern, deren Engagement auf oder hinter der Bühne letztlich über den Erfolg des Weihnachtsmärchens entscheidet.

Jürgen Wagner, Regisseur und seit Sommer auch Vorsitzender des Vereins, kann vor der finalen Aufführung am Sonntag zwar kein überschwängliches, aber dennoch optimistisches Resümee dieser Märchenspielzeit ziehen. Bei aller märchenhafter Fantasie und Kreativität, die ihm als Regisseur abverlangt wird, zeichnet er als Vereinsvorsitzender auch für das Alltagsgeschäft verantwortlich, wenn das Scheinwerferlicht längst erloschen ist.

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Zwei Vorstellungen wurden ersetzt

Alles Finanzielle unter Dach und Fach zu bekommen, habe bis jetzt immer geklappt, strahlt Wagner Zuversicht aus. So manches Problemchen blieb dem Ensemble dennoch nicht erspart. Denn zwei eigentlich gesetzte Vorstellungen, eine in der Stadthalle Burg und eine geschlossene für die Elbe-Havel-Werkstätten, kamen in dieser Saison nicht zustande. Aber es taten sich Alternativen auf.

Über den Bürgerverein Pro Kirchmöser erhielt das gat im Mehrgenerationenhaus „Die Stube“ ein Engagement. „Die ganze Sache ist gut angelaufen, wir werden sehen, wie sich die Zusammenarbeit mit Pro Kirchmöser entwickelt“, sagt Wagner. Den Wegfall der Vorstellung für die Elbe-Havel-Werkstätten konnte das Genthiner Amateurtheater durch einen Auftritt in der Burger Clausewitz-Schule kompensieren.

Wie ein kleines Unternehmen

Engagiert wurde es dafür vom Landkreis und von der Burger Stadtverwaltung. „Unser traditionelles Ziel, sieben Aufführungen pro Saison, konnten wir so wieder erreichen“. Mittlerweile, sinniert Jürgen Wagner, gebe es das gat länger nach der Wende als es zu DDR-Zeiten gewirkt habe. Vor der Wende staatlich gestützt, müsse sich das Ensemble jetzt am bundesdeutschen Markt wie ein kleines Unternehmen mit 50 Beschäftigten bewähren. „Wir haben heute ganz andere Voraussetzungen und arbeiten als Verein völlig selbständig.“

Märchen sind deshalb nicht zum Null-Tarif zu inszenieren. Ein Lkw für die Requisiten und Kulissen muss gemietet werden, Kosten für den Kostümverleih, ein Bus muss für die Darsteller bereitstehen, Rechte und Gema-Gebühren sind zu begleichen und und und. Wagner kann die Aufzählung mühelos fortsetzen. Als er bei der Ton- und Lichttechnik ankommt, unterbricht er: „Was die Technik anbelangt, ist es uns gelungen, Unterhaltungs- und Anschaffungskosten auf ein vernünftiges Maß halten.“

Zusammenarbeit mit Karnevalsverein

Der Zusammenschluss mit dem Carneval Club Waschmittelwerk in diesem Bereich habe dies ermöglicht. „Wir teilen uns das Ganze, das ist für den CCW und für das gat von großem Vorteil“, sagt Wagner, der über den Dramatischen Zirkel des Waschmittelwerkes zur „Märchentruhe“ und dann zum gat kam. Dass es auch in diesem Jahr wieder ein gat-Weihnachtsmärchen geben wird, es wird das 49. sein, steht für Regisseur und Vereinschef Jürgen Wagner und seine Mitstreiter außer Frage, auch wenn die letzte Aufführung der Saison 2018/19 am Dreikönigstag noch aussteht.

Nach dem Märchen wird für das gat – in allerbester Tradition – auch wieder vor dem Märchen sein.Gedanklich sei er bereits jetzt bei der Auswahl in Frage kommender Märchen, räumt der Vereinsvorsitzende ein, wobei erst im Sommer die Entscheidung fallen wird. Die Kriterien für ein Stück, um es auf die gat-Bühne zu schaffen, sind für Wagner klar. Es dürfe nicht langweilig sein, brauche eine vernünftige Handlung, auf der Bühne müsse etwas passieren und ein Vorstellungsbesuch müsse eine Aktion für die ganze Familie sein.

„Wir wollen kein Theater sein, bei dem die Kinder für eine Stunde abgegeben werden“, formuliert Wagner den gat-Anspruch kurz, den die Ensemble-Mitglieder auch für das bevorstehende Weihnachtsmärchen an sich stellen.