Genthin l Eigentlich war die Sache längst gegessen. Seraplant hatte Genthin zur Überraschung der Verwaltung und der Stadträte einen Korb gegeben. Damit wurden unumkehrbare Tatsachen geschaffen.

Bitteres Resümee

Doch die Art und Weise, wie sich die Firma Seraplant aus Genthin verabschiedet hatte, stieß im Bau- und Vergabeausschuss bitter auf. Dass die sozialen Medien den Stadtrat auch noch zum Teil sehr unsachlich Versagen auf der ganzen Linie vorwarfen, veranlasste den Ausschussvorsitzenden Norbert Müller (CDU) mit einem Statement die Ausschusssitzung zu eröffnen.

Er widersprach Darstellungen, wonach sich der Investor zwei Jahre um die Ansiedlung bemüht habe. Erstmalig sei dem Ausschuss das Vorhaben im März bekannt gegeben worden.

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Stadrat fühlt sich unschuldig

Das gesamte Prozedere resümierend, erklärte Müller, dass Ausschuss und Stadtrat korrekt gearbeitet und sich nichts vorzuwerfen hätten. Auf Drängen des Düngemittelherstellers wäre der zunächst anstehende Antrag auf Umwandlung des Gewerbe- in ein Industriegebiet nach einer Ablehnung bereits in dieser Woche wieder in den Stadtrat gekommen.

Der Investor hätte wissen müssen, dass sich das Zustandekommen dieses städtebaulichen Vertrages bis zu einem Jahr hinziehe, bis das BimSch-Verfahren angeschoben werden könne, so Müller. „Ich komme zu dem Schluss, dass die Firma kein ernsthaftes Interesse gezeigt hat, nach Genthin kommen zu wollen“, urteilte Müller.

Volle Breitseite für die Stadträte

Der überraschende Rückzug von Seraplant, für den der Investor dem Stadtrat freundlich diplomatisch den Schwarzen Peter zuschob, löste in den sozialen Medien eine Reihe Kommentare aus, die zum Großteil deutlich unter die Gürtellinie gingen. Der Stadtrat wurde als eine „Truppe alter Säcke“ diffamiert, die nicht mehr „alle Latten am Zaun hätte“. Ihm wurde mehrfach nahegelegt zurückzutreten, um endlich Jüngeren den Vortritt zu lassen.

Böse Kommentare

Es dauere nicht mehr lange, „bis der Pöbel den Stadtrat mit der Forke durch Genthin jage“. Der Stadtrat trage die Verantwortung für ausbleibende Investitionen und hätte bereits große Unternehmen wie Mercedes und Mc Donald`s vergrault usw. usw. Volle Breitseite also gegen den Stadtrat. „Ich vermisse in diesen Kommentaren den Respekt. Jeder kann etwas behaupten. Müssen wir uns das gefallen lassen?“, hinterfragte Lutz Nitz (Grüne). Er forderte den anwesenden Stadtratsvorsitzenden Gerd Mangelsdorf (CDU) auf, sich schützend vor den Stadtrat zu stellen.

Mangelsdorf erwiderte die Aufforderung von Nitz allerdings noch nicht. Empörung beherrschte Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft Fiener): „Gerade diese Leute bringen sich nirgendwo ein, ich habe sie noch nie bei einer städtischen Sitzung gesehen.“

Keine Reaktion auf Anfrage

Birgit Vasen (Die Linke) zeigte sich resigniert: „Da können wir nichts machen, das müssen wir uns gefallen lassen.“ Fachbereichsleiterin Alexandra Adel gab sich keinen Illusionen hin: „Man kommt nicht an die Betreiber heran. Das sind Fan-Pages und dort gibt es keine richtigen Impressen.“

Die Volksstimme fragte über die E-Mail-Adresse der in Rede stehenden Facebook-Seite daraufhin an, warum die betreffenden Kommentierungen in dieser Art zugelassen wurden. Die Anfrage blieb jedoch unbeantwortet. Man legte auch nicht offen, aus welchen Gründen die Verlinkung zu einem Beitrag eines Internetportals und die Kommentierungen inzwischen gelöscht wurden.