Genthin l „Der Geräuschpegel ist am Abend und in der Nacht unerträglich“, ärgerten sich Anwohner der Martha-Brautzsch-Straße in der vergangenen Woche am Volksstimme-Telefon. Immer wieder komme es etwa ab 20 Uhr bis in die frühen Morgenstunden zu Lärmbelästigungen.

Geräusche aus Chemiepark

„Wenn man bis vier Uhr kein Auge zugetan hat, braucht man eigentlich auch gar nicht mehr zu schlafen“, meinte ein Anrufer. Ein anderer forderte, dass so schnell wie möglich etwas zu geschehen habe. „Wir wollen nicht noch Wochen warten, bis es aufhört.“

Es sei oft so, dass die Geräusche an mehreren Nächten hintereinander auftreten und manchmal sei es auch mal eine Nacht ruhig. Als Verursacher wurde von den Bewohner ein Unternehmen auf dem Chemiepark ausgemacht. „Dort entstehen die Geräusche und durch den Kanal werden sie nochmal verstärkt.“

Ursachen überprüfen

Doch eine Anfrage bei einigen Unternehmen blieb zunächst ohne Ergebnis. „In unserem Betrieb ist mir nichts bekannt, womit ich die Wahrnehmung der Anwohner in Sachen Geräuschentwicklung erklären kann“, meinte beispielsweise Joscha Jost, Geschäftsführer des Waschmittelwerkes. Auch die Tensidanlage konnte ausgeschlossen werden.

„Solvay betreibt seit 2014 die gleiche Anlage in den gleichen Betriebsbedingungen, wir haben keine Turbinen. Von uns gehen keine störende Geräuschemissionen aus“, machte Solvay-Werkleiter Thomas Gillmann deutlich. Allerdings war Inprotec-Geschäftführer Pierre Schwerdtfeger zurückhaltender: „Nachdem wir neue Anlagenteile installiert haben, können wir die Frage nicht pauschal verneinen, sondern müssen zuerst prüfen, ob sie die Ursache sein könnten. Messungen sind geplant“, machte er auf Anfrage deutlich.

Landkreis reagiert

Letztlich reagierte der Landkreis Jerichower Land, der bei Lärmemissionen zuständig ist. „Durch das Umweltamt des Landkreises erfolgte eine sofortige Vorkontrolle inklusive orientierender Lärmmessung und in diesem Zusammenhang wurde der Verursacher ermittelt“, teilte die Pressestelle des Landkreises der Volksstimme auf Anfrage mit. „Als Grund der Lärmbelästigungen konnte eine defekte Lüftungsanlage ermittelt werden, welche kurzfristig durch den Betreiber instandgesetzt wird.“

Weniger erfolgreich war der Landkreis hingegen bei der Spurensuche nach den unangenehmen Gerüchen in der Innenstadt. „Am Tag der Kontrolle konnte keine erhöhte Geruchsbelästigung festgestellt werden“, hieß es nach einer Kontrolle am 11. Juli. Allerdings werden von Anwohnern der Brandenburger Straße immer wieder unangenehme Gerüche geschildert.

Geschlossenes System

Etwa Ende Juni oder auch Anfang des Monats Juli. Jedoch sind diese eher unregelmäßig wahrzunehmen. Oft unter Verdacht: Die Verwertungsanlage in Mützel. Marcel Derichs, Unternehmenssprecher der Firma Saria, die die Anlage betreibt, erläutert auf Anfrage, dass es während des genannten Zeitraumes keinerlei Geruchsentweichungen in der Anlage gegeben habe.

Die Anlage sei ein geschlossenes System, in dem mit Unterdruck gearbeitet werde. „Es geht also keine Luft heraus, sondern wird hereingezogen.“ Zudem würde das Abladen erst geschehen, wenn sich die Lieferfahrzeuge in der Anlage befänden und die Tore verschlossen seien. Derichs verweist auf ein Bio-Filtersystem, das die Gerüche zusätzlich aufnehme. „Hier finden biologische Prozesse statt, die nicht abgestellt werden können“, sagt er. Auch werde in der Anlage nichts verbrannt.

„Die Verwertung ist kein Krematorium, wir verbrennen nichts, sondern arbeiten mit Hitze und Druck.“ Woher die zeitweisen unangenehmen Gerüche kommen, konnten aber weder Derichs noch der Landkreis benennen.