Genthin/Gladau l Die Kontroversen zur Schweinezuchtanlage in Gladau wurden auch in der jüngsten Stadtratssitzung in Genthin nicht aufgelöst. Am Ende fand sich eine Mehrheit für die Kapazitätserhöhungen in der Anlage.

Der Abstimmung voraus, ging ein Einwand einer Gladauer Bürgerinitiative, angeführt von CDU-Stadtrat und Ortsbürgermeister Klaus Voth, die mit Unterschriftenlisten die Räte umzustimmen versuchten. Zusammengekommen waren 29 Listen mit 370 Unterzeichnern (292 aus dem Ort und weitere 78) gegen die Erweiterung der Schweinezuchtanlage.

Anwohner fürchten Lärm und Belastung

Voth hielt dies für ein deutliches Signal des Bürgerwillens in Gladau. „Wir haben die rund 500 Wahlberechtigten der vergangenen Kommunalwahl angesprochen, Kinder und Jugendliche sind hier nicht eingerechnet.“ Doch der Gladauer Ortsbürgermeister machte immer wieder auch deutlich: „Wir sind nicht gegen die Schweinezuchtanlage generell, sondern gegen den Ausbau.“

Befürchtet wird von den Anwohnern eine höhere Lärm- und Umweltbelastung durch stärkeren Transportverkehr sowie eine höhere Schadstoffbelastung durch den Betrieb der Anlage. Etwa werden höhere Nitrat- und Stickstoffwerte im Boden erwartet.

Die Betreiberin, die Genthiner LFD Holding GmbH (Landwirtschaftliche Ferkelproduktion Deutschland) beabsichtigt, die Zahl der Tierplätze von bisher 27.233, darunter 7000 Sauen, auf 42.784 Tierplätze, davon 9750 Sauen, aufzustocken. Gleichzeitig will sie zirka 3,5 Millionen Euro in immissionssenkende Maßnahmen, zum Beispiel in eine komplette Ausstattung der Ställe mit Abluftreinigungsanlagen, investieren.

Somit würde sich die Situation für die Anwohner deutlich verbessern, sagte LFD-Geschäftsführer Jörn Göbert. Die ermittelten Werte der zu erwartenden Immissionen bewegten sich innerhalb der gesetzlich geforderten Vorgaben, versichert die LFD.

Meinung der Räte geteilt

Die Stadträte befürworteten die Pläne der LFD-Holding. Man habe sich eingehend mit der Thematik beschäftigt, hieß es aus mehreren Fraktionen. Auch war vor einigen Wochen der Wirtschafts- und Umweltausschuss in der Gladauer Anlage, um sich vor Ort ein Bild von der Tierhaltung zu machen.

Allerdings war die Meinung der Räte nach wie vor geteilt. Die Grünen lehnen die Erweiterung komplett ab, in der CDU gibt es Gegner und Befürworter. Letztere verweisen darauf, dass ein wirtschaftsstarkes Unternehmen in der Region gehalten werde und auf die Bemühungen zu Tier- und Umweltschutz, denen sich die LFD-Holding bereits gestellt haben.

Dass nun sofort die Zahlen der Tiere in Gladau ansteigen, ist nicht der Fall. „Für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan in Gladau braucht es vorab eine Anpassung des Flächennutzungsplans und dann den Erstellungsprozess zum eigentlichen B-Plan“, erklärt Jörn Göbert. Beide Verfahren müssen jeweils viermal den Stadtrat passieren. „Speziell bei dem B-Plan haben wir noch zwei Abstimmungen vor uns.“

Gesamter Prozess kann bis 2023 dauern

Im Anschluss werde dann auf Basis des B-Plans eine angepasste Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz beantragt. „Das dauert in jedem Fall noch ein bis zwei Jahre, bis eine Anpassung des Standortes final genehmigt ist.“ Erst dann können auch, wie von der LFD angekündigt, die Ställe umfangreich mit Abluftreinigungsanlagen ausgestattet werden.

„Dazu nutzen wir zuerst mit dem aktuellen Tierbestand die Ställe mit bereits installierten Luftwäschern, rüsten dann die leeren Ställe mit über drei Millionen Euro für Luftwäscher auf, und erst dann in etwa zweieinhalb Jahren passen wir die Tierzahl nach oben an.“

Göbert kündigt an, dass der gesamte Prozess bis Anfang 2023 dauern werde. Mit der Umstallung der Tiere in die bisher nicht genutzten Ställe mit Luftwäscher werde etwa Mitte 2021 die gesamte Immission der Anlage erstmals spürbar sinken und auch dauerhaft auf niedrigem Niveau bleiben, so das Versprechen des LFD-Geschäftsführers.

Bürger werden über Ablauf informiert

„Wir werden die Bürger in Gladau und Dretzel noch einmal detailliert über den Ablauf informieren und die damit für sie verbesserten Bedingungen deutlicher hervorheben.“ Göbert möchte aktiv auf die Einwohner zugehen: „Mir ist wichtig, dass sich alle Anwohner gut informiert und in ihren Interessen auch berücksichtigt sehen.“